Das Ende der 3D-Begeisterung

27. Dezember 2011, 23:11
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Constantin-Vorstand kritisiert schlechte Produktionen - doch die Rentabilitätskrise ist breiter gelagert

Ulm/München/Hamburg  - Der Kinomarkt für 3D-Filme leidet nach Einschätzung der Produktions- und Verleihfirma Constantin Film unter vielen qualitativ schlechten Produktionen. Einige in der Branche hätten versucht, "den schnellen Euro zu machen und sind mit schlechten 3D-Produktionen auf den Zug aufgesprungen", kritisierte Martin Moszkowicz, Vorstandsmitglied des Münchener Unternehmens, in der Mittwochsausgabe der Ulmer "Südwest Presse": "Das war ungeschickt, nicht durchdacht und hat viele Kinofans enttäuscht."

Generell skeptischer beurteilt der "Spiegel" im Jahresrückblick in seiner aktuellen Ausgabe die Erfolgsaussichten von 3D-Produktionen, welche im Regelfall mit deutlich höheren Eintrittspreisen kombiniert sind: Die Euphorie über 3D sei verflogen. Der Totalflop des Kinderfilms "Milo und Mars" - nur ein Viertel des Budgets von 150 Millionen Dollar wurde wieder eingespielt - ließ Disney von Plänen eines Remakes von "Yellow Submarine" Abstand nehmen. Während die 3D-Sequels von "Transformers" und den "Piraten der Karibik" unverändert stabil liefen, funktionierte das Kalkül bei neuen Serienansätzen wie "Conan" oder "Green Lantern" nicht.

Großproduktionen wackeln eher

Was den "Spiegel" freute: Zwei deutsche Produktionen schlagen sich im 3D-Sektor fabelhaft, Wim Wenders' "Pina" und Werner Herzogs "Höhle der vergessenen Träume" erhalten international viel Aufmerksamkeit. Beide sind Dokumentarfilme, bei denen die Sinnhaftigkeit von 3D in ihren Themen liegt, beide bedienen im Grunde Nischenmärkte, beide haben bereits ein Vielfaches ihrer (vergleichsweise geringen) Budgets eingespielt. Rentabilitätsprobleme drohen eher Großproduktionen, die in Blockbuster-Manier "Spektakel für alle" konzipieren.

Während Steven Spielberg noch zu Recht darauf vertraute, dass "Tim und Struppi" eine unverwüstliche Marke ist - bereits das Doppelte des 130-Millionen-Budgets ist weltweit laut BoxOfficeMojo eingespielt worden, dabei ist seine 3D-Animation in den USA erst jetzt (verzögert) angelaufen - droht einem anderen, für Oscar-Ehren favorisierten Prestigeprojekt eine herbe finanzielle Enttäuschung: Bei Martin Scorseses "Hugo Cabret" mag die Kritik zwar äußerst angetan gewesen sein, wie überzeugend die opulente Waisenkind-Fantasy in 3D-Bilder umgesetzt wurde, doch den Gesamteinnahmen von knapp über 50 Millionen Dollar nach langen vier Wochen Laufzeit stehen mächtige Produktionskosten von geschätzten 170 Millionen Dollar gegenüber.

 Bully Herbig "zwischen alle Stühlen"

Anhand des deutschen Marktes kann man erkennen, dass das Überangebot an Filmstarts - statistisch gesehen mehr als einer pro Tag - ein großes Problem der Branche darstellt:  Im zu Ende gehenden Jahr sind laut Moszkowicz "viele Filme unter Erwartung gelaufen, nicht nur bei der Constantin". Mit 1,8 Millionen Zuschauern sei etwa "Wickie auf großer Fahrt" zwar durchaus ein Erfolg - jedoch nicht gemessen am Potenzial der Produktion. Und mit Leander Haußmanns "Hotel Lux" habe man sich trotz Hauptdarsteller Michael Bully Herbig "zwischen alle Stühle gesetzt". Es gebe einfach Filme, die floppen. Als Produzent müsse man aber "auch mal Dinge wagen, die nicht völlig schematisch ablaufen und den Zuschauer überraschen".

Insgesamt nämlich hat sich die deutsche Kinobranche stabilisiert: Nach dem dicken Besucherminus 2010 hat sie 2011 wieder steigende Zahlen verbucht. Bis im Dezember resultierte sowohl beim Umsatz als auch bei den Besuchern ein leichtes Plus. Die vorläufigen Schätzungen lägen bei rund 130 Millionen Besucher und etwa 930 Millionen Euro Umsatz, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, Johannes Klingsporn.  2010 war die Zahl der Besucher im Vergleich zu 2009 um 13,5 Prozent auf 126,6 Millionen gesunken, der Umsatz um 5,7 Prozent auf 920,4 Millionen Euro zurück. Wobei Klingsporn einschätzte, das "extrem gute Wetter bis in den November hinein" habe der Kinobranche 2011 "wirkliche Rekordergebnisse vermasselt". (APA/red)

  • Scorseses "Hugo Cabret" ist unbestritten Qualitätsware mit überzeugendem 3D-Mehrwert, aber seine Ausgaben-Einnahmen-Rechnung hinkt, wenn Familien angesichts der großen Entertainment-Konkurrenz und der Wirtschaftskrise selektiver im Geldausgeben sind
    foto: universal

    Scorseses "Hugo Cabret" ist unbestritten Qualitätsware mit überzeugendem 3D-Mehrwert, aber seine Ausgaben-Einnahmen-Rechnung hinkt, wenn Familien angesichts der großen Entertainment-Konkurrenz und der Wirtschaftskrise selektiver im Geldausgeben sind

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