Eislaufvergnügen auf Eis gelegt

27. Dezember 2011, 19:22
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Sparzwänge und sinkende Besucherzahlen lassen Gemeinden Eislaufplätze schließen

Laa/Tulln/Wien - Kunsteis ist teuer. Zahlreiche Gemeinden, die ihren Gürtel enger schnallen müssen, erwägen daher derzeit, ihren Eislaufplatz zu schließen. Einige Bürgermeister in Niederösterreich haben den Schlussstrich bereits gezogen. Zu hohe Erhaltungskosten, zu wenige Besucher - lautet die Begründung zum Beispiel in Mistelbach oder Laa an der Thaya.

In Tulln an der Donau kann diesen Winter noch auf dem Hauptplatz auf Kufen im Kreis gefahren werden. Doch das könnte sich bald ändern. Bürgermeister Peter Eisenschenk (VP) sagt, das Aus für den Eislaufplatz sei aus Spargründen eine überlegenswerte Option. "Meine 13-jährige Tochter ist freilich nicht begeistert von meinen Plänen", gibt der Ortschef zu.

Deshalb werde auch über Alternativen nachgedacht, allerdings: Ein teures Vergnügen ist der Eislaufplatz allemal. In Tulln hat er in den Jahren 2007 bis 2011 einen echten Abgang von insgesamt 824.000 Euro beschert. Jährlich schlägt sich der Betrieb mit 180.000 bis 200.000 Euro zu Buche - oder mehr, wenn Investitionen fällig sind. Durch Eintritte kommen maximal 30 Prozent der Kosten herein. Demnächst wäre die Aufbereitungsmaschine zu reparieren. Ob sich die Investition noch lohnt, hinterfrage er derzeit "sehr ernsthaft", sagt Eisenschenk.

Schwechat hat vergangenen Sommer die Kühlanlage des Eislaufplatzes erneuern lassen - für wohlfeile 200.000 Euro. Bürgermeister Hannes Fazekas (SP) meinte bei der Eröffnung im November, das sei die Gemeinde den Schwechatern schuldig gewesen.

Sein Kollege Manfred Fass (VP) in Laa an der Thaya sah das offenbar anders. Bereits vorige Saison war der Betrieb des Eislaufplatzes auf Eis gelegt - aus Kostengründen, wie Fass sagt. Außerdem seien die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. "Am Anfang waren 25.000 Besucher pro Saison da, zuletzt waren es nur noch 5000", erinnert sich Fass. Zum Vergleich: In Schwechat werden rund 30.000 Eisläufer im Jahr gezählt. Rund 60.000 Euro habe die öffentliche Hand in Laa jährlich für Energie und Personal berappen müssen.

Reparatur zu teuer

Auch in Mistelbach ist das Schlittschuhvergnügen seit Ende vergangenen Winter Geschichte. Die Eismaschine war kaputt, die Reparatur zu teuer. Wolkersdorf betreibt daher den letzten Eislaufplatz des Bezirks - und hofft, dies auch künftig tun zu können, trotz sinkender Besucherzahlen. Auch in Purkersdorf fiel bei der Diskussion ums Budget 2012 der Vorschlag, auf das Kunsteis zu verzichten. In Stockerau klagt man ebenso über hohe Kosten, doch das Herz des Bürgermeisters Helmut Laab (SP) hängt an der Freizeiteinrichtung, die seit 30 Jahren zum Winter in der Stadt gehört.

Das Aus für den Eislaufplatz in Laa haben die Bürger "relativ ruhig" aufgenommen, wie Bürgermeister Fass sagt. Die Laaer müssen aber auch nicht ganz aufs Eislaufen im Ort verzichten - wenn der Teich zugefroren ist.

Weniger ruhig ging es dagegen in Bregenz in Vorarlberg zu, als Anfang Dezember die Stadt entschied, den Eislaufplatz aus Kostengründen zu schließen - trotz Unterschriftenlisten der SP gegen das Vorhaben. Jugendliche suchen nun Sponsoren. Gudrun Springer/DER STANDARD-Printausgabe, 28.12.2011)

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    Der Tullner Eislaufplatz auf dem Hauptplatz ist diesen Winter noch in Betrieb. Nächste Saison könnte er Geschichte sein.

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