10 Milliarden

Wie SPÖ und ÖVP den Haushalt retten wollen

27. Dezember 2011, 19:26

Zehn Milliarden Konsolidierung in fünf Jahren, soviel ist fix - Nur wie der Pfad dorthin beschritten wird, da trennt die Sozialdemokratie von der Volkspartei noch einiges

Die Ideen der SPÖ:

Schuldenbremsen durch Steuern: Das ist die Hauptstoßrichtung der SPÖ. Zwar inkludieren die roten Pläne auch Einsparungen, am konkretesten sind bisher aber die Ideen für Einnahmen. Die wichtigsten Punkte:

Vermögenssteuer auf privates Nettovermögen über einer Million. Soll 1, 5 Milliarden einspielen.

Erbschafts- und Schenkungssteuer mit einem Freibetrag von 300.000 Euro, allerdings auch in der SPÖ umstritten. Erhoffter Erlös: Eine halbe Milliarde Euro.

Immobilien Eine höhere Grundsteuer soll 400 Millionen bringen, Steuern auf Gewinne aus Verkauf und Umwidmung 600 Millionen.

Körperschaftssteuer Eine Erhöhung der Steuer auf Unternehmensgewinne von 25 auf 28 Prozent verheißt 400 Millionen.

Steuerpauschalierungen für Betriebe sollen fallen. Allein in der Landwirtschaft ortet die SPÖ Sparpotenzial von 300 Millionen.

Ökologisierung Landwirtschaft Aus für Steuerbefreiungen: Die Kfz-Steuer soll künftig auch für Agrarfahrzeuge gelten, die Mineralölsteuer für Agrardiesel. Inklusive Wiedereinführung der Düngemittelabgabe erwartet sich die SPÖ 220 Millionen.

Gruppenbesteuerung Eine Beschneidung dieses Steuervorteils für Konzerne soll 150 Millionen in die Staatskasse spülen.

Gewinnfreibetrag für Selbstständige soll gestrichen werden. Budgetentlastung: 100 Millionen.

Solidarzuschlag Ab steuerpflichtigem Einkommen von 200.000 Euro soll der Spitzensteuersatz auf 55 Prozent steigen. Die SPÖ rechnet mit 100 Millionen.

Managerbezüge ab 500.000 Euro sollen nicht mehr steuerlich absetzbar sein (35 Millionen Erlös).

Zukunftsvorsorge Die SPÖ will die Prämie fürs private Pensionssparen streichen und damit 50 Millionen einsparen. Lediglich bereits bestehende Verträge sollen weitergefördert werden.

Alkoholsteuer Hochprozentiges (über 23 Prozent) soll stärker besteuert werden und so 40 Millionen zur Konsolidierung beitragen.

LKW-Maut Eine Erhöhung verspricht 80 zusätzliche Millionen.

Förderungen Von den über 15 Milliarden an Subventionen pro Jahr (inklusive Spitäler), halten Sozialdemokraten eine Milliarde für kurzfristig einsparbar. Abermals im Visier: Die Bauern.

Verwaltungsreform Ein Sammelsurium an Vorschlägen soll mehrere 100 Millionen bringen: Von einem zentralen Amt der Bundesregierung über die Zusammenlegung von Botschaften und Außenhandelsstellen bis zur Schließung von Heeresspitälern und unausgelasteten Bezirksgerichten.

Beamte Stopp der Frühpensionierungen und magere Gehaltserhöhungen in der Zukunft.

Pensionen Das faktische Antrittsalter soll steigen. Die SPÖ orientiert sich am Konzept der Sozialpartner, verspricht aber auch weitergehende Maßnahmen.

***

Die Ideen der ÖVP:

Schuldenbremsen durch Sparen: Das propagiert die ÖVP. Ihr "Sechs-Punkte-Programm" umfasst ausschließlich Ausgabenkürzungen und keine neuen Steuereinnahmen.

Bundesbahn Um einen "Milliardenbeitrag" will die ÖVP mittelfristig die Zuschüsse an die ÖBB beschneiden. Ein Ansatzpunkt sind die Investitionen in die Infrastruktur, die von derzeit zwei Milliarden pro Jahr um ein Viertel heruntergekürzt werden sollen - durch Verschiebung, Redimensionierung oder restlose Streichung von Projekten. Verkauf von ÖBB-Eigentum (Kraftwerke, Postbus, Grundebesitz), die Abgabe von Nebenbahnen und Einschnitte bei den ÖBB-Pensionen sollen weitere Einsparungen bringen.

Pensionen Um vier Jahre will die ÖVP das tatsächliche Pensionsantrittsalter (derzeit 59 Jahre) bis 2020 anheben. Auf der schwarzen Wunschliste: Ein schärferes Bonus-Malus-System für (Früh-) pensionisten, eine raschere Anhebung des Frauenpensionsalters und eine Aushebelung des Verlustdeckels, der Einbußen aus der Pensionsreform 2004 dämpft.

Förderungen Auch die Schwarzen wollen Österreich für die Zukunft den inoffiziellen Titel des "Subventionsweltmeisters" ersparen: Eine Kürzung von 10 bis 15 Prozent könnte den Staat um 1,8 bis 2,7 Milliarden Euro entlasten.

Beamtendienstrecht Höhere Einstiegsgehälter, aber geringere Gehaltssteigerungen sollen nach anfänglichen Anlaufkosten langfristige Einsparungen in nicht bezifferter Höhe bringen. Inkludiert ist auch eine höhere Lehrverpflichtung für Junglehrer (27 statt 21 Wochenstunden), die nicht voll abgeholten wird. Prinzip: 30 Prozent mehr arbeiten, 20 Prozent mehr Gage.

Gesundheitssystem Nicht bei den Leistungen, sondern bei den Strukturen verspricht die ÖVP zu sparen - indem Doppelgleisigkeiten beseitigt und die Krankenkassen "nachhaltig" saniert würden. Der Rechnungshof ortet ein Potenzial in Milliardenhöhe, das allerdings nur langfristig zu heben ist.

Verwaltungsreform Auch hier gibt es endlos lange Rechnungshof-Listen. Als beispielhaft nennt die ÖVP auf Schiene gebrachte Projekte wie die Polizeireform, die Reform der Verwaltungsgerichtsbarkeit und das Bundesamt für Asly und Migration. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2011)

Kommentar posten
23 Postings
pluralis modestatis
00
Der Politiker als AltRUINist

60 % Steuer - und Abgabenquote
Inklusive Indirekter Steuern zahlt der Privatangestellte in Österreich ca. 60 % an Abgaben für Staatsdiener.

Beamte und Staatsnahe sind die Profiteure des Systems.

Die Staatsdiener zahlen weniger Abgaben, da keine SV-Beiträge anfallen (dafür wesentlich bessere Ruhensbestimmungen - aus Steuern).

WARUM neue Steuern ?
WARUM keine Rationalisierung des öffentl. Dienstes ?

WARUM keine Sondersteuer nur für Beamte ?

P.S.
Bald wird man über die Abfertigung sprechen - weil keine Beamten davon betroffen sind.

kater bruno
11
29.12.2011, 13:04

ÖVP hilft nur Bauern (90% zahlen keine Steuern) und Großkapital (zahlt ebenfalls kaum eine Steuer und wird ständig vom Staat gerettet und unterstützt).
Und wir werden ständig geschröpft

Alfred Rotkatholik
00
30.12.2011, 09:14
Geld/Zaster holen, dort wo er ist...

..nämlich bei den Reichen. Ausnahmslos! Niedrigsteinkommenbezieher dürfen nicht mit der üblichen Floskel "Wir müssen alle sparen" verschissen werden! Wer sich viel geholt hat, soll jetzt gefälligst auch viel wieder zurückgeben - die Spitzenverdiener und Reichen!

Lucio
01
28.12.2011, 12:52
Die Schuldenbremse als neuer Sachzwang für neoliberale Austeritypolitik

Es war abzusehen, dass in Österreich nach der Inthronisation der Schuldenbremse alle ganz geil aufs Sparen sind und sich masochistisch auf die Einsparungsorgie freuen, scheint es. Faymann und Spindlegger, die willigen Befehlsempfänger der Merkel, haben anscheinend keine Ahnung, dass die Schuldenbremse die EU nicht vor dem Untergang retten wird, weil die Ursache der Krise der EU ganz woanders liegt: in den Geburtsfehlern der EU-Verfassung, gegen die das konservative Europa nach wie vor blind ist, und in der neoliberalen Wirtschaftspolitik,an die man sich weiterhin klammert.
Um so williger sind sie, wenn es ans große Schafescheren in den einzelnen EU-Staaten geht. Dort outen sie sich als genau das, was auch ihr EU-Projekt insgesamt ausmacht: als Beschützer der Reichen.
ÖVP & SPÖ haben es nicht eilig bei den Antikorruptionsgesetzen, bei der Verfolgung der Steuerhinterziehung (Abschaffung des Bankgeheimnisses, Steueroasen Liechtenstein und Schweiz), bei der Abschaffung unverschämter Steuerprivilegien der Wirtschaft (jedes 2. Auto wird als steuerlich begünstigtes Dienstauto angemeldet).
Lieber beutet ÖVP-Fekter Arbeitnehmer wie die JunglehrerInnen aus, indem sie ihnen eine unbezahlte Arbeitszeiterhöhung verordnet: jener Gruppe, deren Gehälter in Relation zu ihrer Qualifikation sehr, sehr bescheiden sind und die nachweislich am meisten vom Burnout bedroht ist. Man sieht, welch hohe "soziale Kompetenz" die Schotter-Unternehmerin Fekter und ihr Sparpaket hat.

raven
00
28.12.2011, 12:09

es kommt beides und noch etwas mehr..... hauptsache der bürger zahlt....

Jog Hunter
00
28.12.2011, 11:27
Die Mischung macht es aus....

Im Verschnitt der vorgeschlagenen Maßnahmen beider Parteien mage das wohl Sinn machen. Der Standortvorteil Österreichs wird aber weiter sinken. Man hat es fahrlässig vergeigt in die Zukunft zu investieren und hier spreche ich von Forschung und Entwicklung der Jugend der Wissenschaft und der dzt arbeitetenden und zahlenden Bevölkerung ! Beamten und Pensionsten schiebt man es hinten hinein und schröpft die Zukunft ! Ist es jetzt der Schuldenberg wird es zukünftig fehlende Wettbewerbsfähigkeit und sinkendes Wirtschaftswachstum sein da ich in der Penison kein Geld mehr haben werde wie viele andere und meine Kinder an der Zahl 3 zwei oder drei Jobs erlernen werden müssen um sich überhaupt reproduzieren zu können. Toller Sozialsaat !

Emil Sacklinger
 
01
28.12.2011, 08:32
der polit-ökonomische murks der letzten jahre

soll wieder einmal auf steuerzahlers buckel ausgebügelt werden.

(spart's euch eure abzocker-ideen, 's wird's g'scheiteste sein)

dermartino
15
28.12.2011, 02:01

Noch ein paar Vorschläge:

1) Bundesrat einsparen
2) Landtage und Landesregierungen um 75% verkleinern
3) Nationalrat um 25% verkleinern, Clubzwang abschaffen
4) weniger Zeitungsinserate

Rups
30
28.12.2011, 08:20
Ergänzung öffentlicher Dienst:

1) Einsparung der völlig unnötigen Landesfeiertagen, die ausschließlich dem öffentlichen Dienst zugute kommt!
2) ist eine Frage: Wird im öffentlichen Dienst noch immer die Mittagspause bezahlt? wenn ja, sofortige Streichung!

katertier
00
28.12.2011, 08:13
Meine Erweiterungen zu ihren Vorschlägen

Landtage komplett abschaffen und Nationalratssitze an die Wahlbeteiligung koppeln. Beamte auf 705 des jetzigen Standes dezimieren (sind immer noch zuviel)

Michael ....
01
28.12.2011, 08:00

Weniger externe Berater ...

Raymond Domenech
21
27.12.2011, 22:05
Gewinnfreibetrag wegstreichen.

OK, wenn 13. und 14. auch voll besteuert werden.

Gobi Todic
10
27.12.2011, 22:03
die övp

nennt sich zu recht schon seit einigen jahren NICHT mehr wirtschaftskompetent. die öbb pläne sind eine drohung.

Pingu
02
27.12.2011, 21:55

"Verkauf von ÖBB-Eigentum"

Das wird natürlich schnell Geld in die Kasse bringen, aber langfristig zahlt der Staat drauf. Das muss/sollte jedem klar sein und deshalb ist es eigentlich eine Frechheit das in Zusammenhang mit einer Sanierung des Haushaltes zu erwähnen.

Miko9
15
27.12.2011, 20:48
Die ÖVP will schon wieder weiter die ÖBB runieren!?

Wozu deren Kraftwerke verkaufen?
Die produzieren den Strom, den sie selbst brauchen - verhökern und dann teuer Strom einkaufen?

Wer wird dann dieses Mal durch den Verkauf ein paar Mio. in die eigene Tasche wirtschaften?

Clemo
10
27.12.2011, 21:47

Nicht betriebsnotwendiges Vermögen zu minimieren ist nun mal in der betriebswirtschaftslehre Standard. Dass die ÖVP das "nur" bei der ÖBB und nicht zB bei den Kammern oder den Liftbeteiligungen der Länder / Gemeinden vorschlägt, ja, das mag Klientelpolitik sein, aber as mit den Kraftwerken gehört einfach aufs Tablett.

Übrigens, kennen Sie die Ausbaupläne, kennen Sie das Alter? Wissen Sie, wie viel die ÖBB schon derzeit zukaufen an Strom?

Dilbert
00
28.12.2011, 08:27

Nicht betriebsnotwendiges Vermögen in diesem Zusammenhang ist ganz lieb.

Para Dox
03
28.12.2011, 00:45
Zur Info:

Eisenbahnen fahren bei uns üblicherweise nicht dadurch, weil die Passagiere anschieben, sondern weil sie durch einen Elektromotor, der Strom benötigt, angetrieben werden.

Die ÖBB können den Strom (angeblich) deutlich unter den üblichen Marktpreisen produzieren (da sollten Wartungskosten, etc. (no na) eingerechnet sein). Der betriebswirtschaftliche Standard, der gebietet, trotzdem zu verkaufen, würde mich interessieren.

Clemo
00
28.12.2011, 09:09

ok, das Kraftwerk ist alt und produziert, wie alle Wasserkraftwerke, zu sehr günstigen laufenden Kosten. Nur erstens verkaufen die ÖBB den Strom lieber am Markt und kaufen zurück (wegen Uhrzeit) und zweitens reicht der Strom eh nicht aus und drittens muss in die Kraftwerke massiv investiert werden.
Die ÖBB können mit dem Verkauf heute ein paar hundert Mio verdienen, die laufenden Kosten werden dann um ein paar Dutzend Mio im Jahr höher sein. Mehr Kostentransparenz.
Und Herr Kern hat mehr Zeit, sich um die wirklich brennenden Probleme zu kümmern. Deren gibt es genug. Und der Hunderte Mio schwere Ausbau wird auch besser von einem Stromkonzern gemacht und nicht von der ÖBB.

P.S.: Es gibt schon auch Argumente in die andere Richtung.

...and miles to go before I scream
62
27.12.2011, 20:46

Die SPÖ-Steuerliste liest sich wie ein Horrorkabinett. Wo glauben die denn, dass sich 'die Reichen' die neuen Steuern holen werden?

Ja genau. Bei uns. Und dann plärren wieder alle INFLATION!!!!! wenn die Preise nach oben schießen.

Es reicht mit den Steuern, egal für wen. 70+ Prozent reichen, da bleibt nicht mehr viel für steigende Preise.

Para Dox
32
28.12.2011, 00:46

Was für ein paranoider Schwachsinn.

peak oil
20
27.12.2011, 20:25
märchen, als ob bald wahlen vor der türe stünden...

vielleicht gibt es doch schon 2012 neuwahlen. ende 2012 kann österreich froh sein, wenn es noch nicht auf ramschstatus geratet wurde...
mfG,
S&P, Moodys, Fitch,...

Emil Sacklinger
 
00
28.12.2011, 08:34

...tun wir uns nur vor den ratingagenturen in den staub werfen.

(kadavergehorsamst)

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