Arbeitsteilung zwischen Samartiterbund und Rotem Kreuz in Wien
45 Minuten können eine Ewigkeit sein. So lange saßen Rettungssanitäter bei einem Einsatz im niederösterreichischen Schwechat im Auto - mit einer 33-jährigen Frau, die sie erfolgreich reanimiert hatten. Nun mussten sie herumtelefonieren auf der Suche nach einem Bett auf einer Intensivstation. Das fand sich weder in Wien noch in Eisenstadt noch in einem der umliegenden niederösterreichischen Spitäler, also wurde die Frau nach St. Pölten transportiert - und starb am darauffolgenden Tag. Man wisse zwar nicht, ob die Frau überlebt hätte, wäre man nicht 45 Minuten lang mit ihr auf der Straße gestanden, meinen die Sanitäter; hilfreich sei die Wartezeit aber sicher nicht gewesen.
Städtische Arbeitsteilung
Es könne in Einzelfällen Versorgungsengpässe entlang der Landesgrenze von Wien und Niederösterreich geben, räumt man hüben wie drüben ein, grundsätzlich laufe die Kooperation aber reibungslos. Regelmäßig würden niederösterreichische Rettungswägen die Leitstelle in Wien auf der Suche nach einem Bett kontaktieren, sagt Jochen Haidvogel, Rettungsdienstleiter der Wiener Rettung. Sie erhalten dann eine sogenannte Kasus-Nummer, mit der sie ein bestimmtes Spital anfahren können, ohne diese Zuordnung gehe aber nichts. Innerhalb der Stadt gibt es Arbeitsteilung: Die städtische MA 70 übernimmt Notfälle, Krankentransporte bleiben dem Samariterbund, dem Roten Kreuz und anderen Organisationen überlassen.
In Niederösterreich ist man gerade dabei, die rechtliche Grundlage dafür zu schaffen, dass tschechische Notarzthubschrauber über die Grenze fliegen können, wenn es etwa im Waldviertel zu neblig für einen Einsatz des Christophorus ist. Allerdings gibt es in diesem Bereich schon jetzt ein rein inländisches Finanzproblem: Stirbt ein Patient trotz Hubschraubereinsatzes vor Ort, darf er nicht abtransportiert werden - und der ÖAMTC bleibt auf den Kosten sitzen. (hei, DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2011)