Knoblauchanbau daheim statt Betteln in Graz

27. Dezember 2011, 18:21
  • Ein Bild, das in Graz der Vergangenheit angehört. Betroffene Roma sollen nun in ihrer Heimat Arbeit im Knoblauchanbau finden.
    foto: apa/pfarrhofer

    Ein Bild, das in Graz der Vergangenheit angehört. Betroffene Roma sollen nun in ihrer Heimat Arbeit im Knoblauchanbau finden.

Beschäftigungsprojekt für Roma in der Slowakei und Kroatien erntet Kritik an der Mur

Graz/Banská Bystrica/Koprivnica - Acht Monate nach dem Inkrafttreten des Bettelverbotes in der Steiermark, gegen das tausende Bürger protestiert hatten, freut sich die Grazer VP-Gemeinderätin Sissi Potzinger über ein von ihr mitinitiiertes Projekt. Es heißt "Bioknoblauch Romanes" und soll im slowakischen Banská Bystrica und im kroatischen Koprivnica hunderte bis tausende Roma im Knoblauchanbau beschäftigen. Das Projekt wird mit rund 24.000 Euro von der Stadt Graz und dem Land Steiermark finanziert.

Nach Probepflanzungen im Oktober in der Slowakei, denen Potzinger sowie lokale Medien beiwohnten, fühlen sich aber Kritiker in Graz in ihrer Ablehnung des Projekts bestätigt. Denn nicht nur, dass das interne Konzeptpapier, das dem Standard vorliegt, voll von Klischees über Roma ist, es tauchten auch Bilder von arbeitenden Kindern auf der Homepage von European Neighbours auf.

"Kinderarbeit? Aber nein!", betont Potzinger auf Nachfrage des Standard. Als sie von "Familienarbeit" sprach, habe sie "Tanten und Onkel" gemeint. "Und bei der Pressekonferenz hab ich den Kindern ein paar Zecherln Knoblauch in die Hände gedrückt - für die Fernsehkameras."

Konzept zum Projekt

Im Konzept zum Projekt ist die Rede von Ausbildung, die der Roma-Bevölkerung "zuzumuten" sei, auch in "geistiger Hinsicht". Nur eine der Anspielungen, die auf dem Zeitgeschichte-Institut der Uni Graz für Empörung sorgen. Forscher wie Stefan Benedik und Barbara Tiefenbacher, die an einer breitangelegte Studie über jene Roma, die nach Graz zum Betteln kamen, in deren Heimat arbeiteten, warnen im Standard-Gespräch vor "ethnischer Segregation, wie sie in "kolonialer Politik" immer wieder passiert.

"Dieses Argument, Roma seien sozusagen qua Rasse weniger intelligent als weiße Europäerinnen, begegnet uns in schöner Regelmäßigkeit seit der rassenanthropologischen Festschreibung des Zigeuners in der Zwischenkriegszeit", erklärt Benedik, "es ist nur eine völlig analoge Übersetzung der Behauptung Zigeuner seien erbbiologisch minderwertig". Schon der Name "Bioknoblauch Romanes" sei als "Neuauflage des Zigeunerschnitzels" zu lesen.

"In Operetten besungen"

Sissi Potzinger kann mit solcher Kritik nichts anfangen. Aber warum gerade Knoblauch? "Weil 80 Prozent vom Knoblauch heute aus China kommen", so Potzinger, "und mir haben Haubenköche ihr Leid geklagt, wie schwer es ist, guten zu bekommen." Auch andere Klischees sieht Potzinger, die nun auch steirische Musikschulen für Kooperationen mit Roma in Kroatien und der Slowakei gewinnen will, nicht negativ: "Wir wissen, dass Romakinder überdurchschnittlich musikalisch sind, aber man muss sie fördern. Nicht umsonst ist das in Operetten besungen worden."

Im Herbst soll der Bioknoblauch in Österreichs Supermarktregalen liegen. Bis dahin bekommen die steirischen Grünen vielleicht auch Antworten auf ihre Fragen, die sie im Landtag gestellt haben: etwa ob die Projektabwickler über ausreichend Expertise und Erfahrung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit verfügen, oder wem die Anbauflächen eigentlich gehören. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 28.12.2011)

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Warum ist "Bioknoblauch Romanes" eine rassistische Bezeichnung? Gerade sind wir dazu abgerichtet worden, statt "Zigeuner" "Roma und Sinti" zu sagen, jetzt ist wieder "Romanes" ein böses Wort. Man bezeichnet doch auch sonst Lebensmittel entweder nach der Landschaft oder nach den Leuten, die sie herstellen. Ist es herabwürdigend, mit Gemüseanbau in Verbindung gebracht zu werden? Und Himmel noch mal, ist "Zigeunerschnitzel" ein so schrecklicher Nazi-ausdruck, dass man in Zukunft wird vom "Z-wort-Schnitzel" reden müssen?

Eine rein ethnische Attributierung wirkt gegenüber eine rein geographischen Bezeichnung tatsächlich etwas merkwürdig.

OK: Türkischer Honig, Krakauer Wurst, Alaska-Lachs

Eher abzuraten: muslimischer Honig, Transgender-Wurst, Beamtenforelle

Nicht der Knoblauchanbau ist rassistisch:

...Im Konzept zum Projekt ist die Rede von Ausbildung, die der Roma-Bevölkerung "zuzumuten" sei, auch in "geistiger Hinsicht"...
Solche Aussagen sind rassistisch.

weil es rassistisch ist, anzunehmen, dass knoblauch zu den roma gehört wie der rythmus zu afrikaner_innen. deshalb.

das ist nicht rassistisch.

das ist einfach nur hysterisch sich über so etwas aufzuregen. aber das sind unsere luxusprobleme heute.

Oder der Reis zur chinesischen Küche. Oder der Weihn zu den Wachauern. Oder der Whisky zu den Schotten. Was zum Teufel ist an einem simplen Lebensmittel rassistisch? Und wenn Roma diesen Knoblauch anbauen, warum darf das nicht draufstehen wie bei den Waldviertler Erdäpfeln? Werden dadurch die Waldviertler diskriminiert? Wie hysterisch darf man denn noch werden vor lauter PC?

Im Übrigen nehme ich nicht an, dass Roma deshalb Knoblauch anbauen, weil er zu ihrem Rassencharakter gehört, sondern weil ein guter Markt dafür da ist. Wenn sie nun Vanillekipferln backen, wäre "Vanillekipferln Romanes" dann auch rassistisch?

Wo die Hysterie zu suchen ist

Die Weih(e)n (?), die die Wachauer empfangen, lassen wir jetzt einmal unberücksichtigt. Hysterisch ist wohl nur die Angst derjenigen, die um Lebensmittel fürchten, wenn ihre Bezeichnung in Zweifel gezogen wird.
Rassistisch ist nicht das Lebensmittel, sondern die Bezeichnung. Und die Vorstellung, dass Roma mit Knoblauch zusammenhängt, befriedigt unsere Bedürfnisse nach einer heilen Welt, in der die Roma in der Puszta am Lagerfreuer sitzen, zu Weisen auf der Geige feurig tanzen und Paprika scharf anbraten.
Rassistisch wird es immer dann, wenn Bedeutungen mitschwingen. Und das kann auch beim Reis passierne, wenn Chines_innen zu "farblosen Reisfressern" gemacht werden. Beim Knoblauch liegt es nur leider deutlicher auf der Hand: er stinkt.

ein derivat der eu-fianzierten städtenetzwerke, in dem mehrere ebenen koordiniert werde: städtepartnerschaft, roma-projekte, wirtschaftspartner

der verein finanziert sich über
http://www.europagestalten.at

das projekt wird wohl rewe/billa eine zeitlang kofinanzieren, rewe ist ja zumindest in kroatien vor ort
aldi/hofer haben schon ihre bioknoblauchlinie

http://www.european-neighbours.net/?page_id=6
Zur Umsetzung des Projektes werden wir uns folgender Programme bedienen:
• EUROPE FOR CITIZENS
• LEONARDO DA VINCI
• LLL Programm Netzwerke

7. Förderprogramme - die Fördermittel der Europäischen Union für ROMA stehen in großen Mengen zur Verfügung, der Zugang zu diesen Mitteln ist durch Betrugsfälle in der Vergangenheit sehr schwierig, durch die Einbindung erstklassiger internationaler Partner werden diese Hürden überwunden
rewe?? erio??

http://www.european-neighbours.net/wp-conten... 11_red.pdf

Sowas Dummes hab ich schon lange nicht mehr gesehen...
Die verstehen offenbar nicht, was sie da schreiben:
"Die Probleme der ROMA gehen auf eine seit Jahrhunderten verfestigte gesellschaftliche Ausgrenzung zurück[...]"
Dann sind es wohl weniger die "Probleme der Roma", die Gesellschaft hat ein Problem.
"Ein Hauptproblem der ROMA ist die niedrige Bildung in der Bevölkerung."
Nachdenken: Auf was wird das wohl zurückzuführen sein? Stichwort: Sonderschule.
"Ausbildung – Was ist erlernbar, was ist in puncto Ausbildung
zumutbar?
Umsetzung – Welche Maßnahmen sind realistisch umsetzbar,
sowohl in finanzieller, geistiger, körperlicher und sozialer Hinsicht?"
Spätestens da wird deutlich, dass die Autoren keinen Tau haben, wovon sie schreiben...

Sie haben durchaus recht, aber nun stehen wir halt einmal vor der Tatsache, dass Roma weitgehend sozial schlecht integrierte und wenig gebildete Menschen sind und man auf diesen Status quo eingehen muss - zweifellos ohne die anderen Punkte zu vernachlässigen.

ich versteht die kritik,

allerdings nicht so ganz die intention, die dahinter steckt. was ist jetzt genau das ziel? dass gar kein projekt gemacht wird? dass ein anderes projekt gemacht wird? dass dieses nur anders ausgelobt wird (das dürfte egal sein, denn das begleitkonzept liest eh keiner). wie dem auch sein, mit 25.000 euro wird man ohnehin nicht weit springen können.

Die Grundidee, ist ja nicht so schlecht

, dass man versucht die Leute weg von der Strasse wegzubringen und ihnen stattdessen versucht eine Alternative anzubieten wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen können, in diesem Fall halt mit dem Anbau von Knoblauch !

Ob dieses Konzept funktioniert ist wieder eine andere Frage ?

Aber warum man hier dann die Redakteurin so über die Fr. GR Potzinger drüberfährt ist für mich absolut nicht verständlich !
Das Ganze wird dann noch mit einer "Expertenmeinung" untermauert (Benedik und Tiefenbacher, die beide haben gerade mal einen Mag.-Titel haben, und sind noch keine 30 Jahre alt) -

Naja die Fr. Potzinger hat wahrscheinlich die falsche Parteimitgliedschaft, wäre sie eine Grüne würde die Berichterstattung anders ausfallen

sie haben es erkannt...es wird nur mehr geschaut,aus welcher ecke ein vorschlag kommt,und dann wird,je nachdem entweder gehypt oder drübergefahren-auf eine sachliche diskussion wird im grossen und ganzen gesch***en...

mir ist die övp ja auch im grunde genommen zuwieder-wer sich die mühe macht durch sich meine postinghistorie durchzuwursteln wird die entsprechenden postings finden...)...aber das projekt macht sicher wesentlich mehr sinn,als diese leute weiter herumbetteln zu lassen...

Die ÖVP,

ist ein wilder Haufen, auf der einen Seiten die Grassers und Strassers, die ich immer mit einem nassen Fetzen assozieren muss, dann so Leute wie Schüssel und Fekter, die polarisieren, aber dennen man wenigstens "ein paar Eier" zusprechen kann, dann gibts noch jede Menge graue Mäuse, aber halt auch ab und zu Lichtblicke wie den Kurz oder unseren Wissenschaftsminister, die eigentlich nicht schlecht sind, dennen aber meist die Hände gebunden sind.

Der Kurz ist nicht "nicht schlecht", er ist nur nicht ganz so angrennt wie manche Hardliner, was ihn dann sogleich zur "Lichtgestalt" macht, naja... Der Töchterle ist wohl nicht wirklich der ÖVP zuzurechnen, hat immerhin schon mal für die Grünen kandidiert.

Das mim

Töchterle ist ein Streitpunkt, da die sich überschneidende Wählermasse im Bürgerlichen Bereich zwischen Grün und Schwarz ja nicht gerade gering ist, und er selbst sagt das er in einem Großteil seiner Punkte mit jenen der ÖVP übereinstimmt, würde ich ihn schon zur ÖVP zählen.

Und ja ich seh in Kurz als Lichtgestalt, er is bissi jetzt eigentlich oft durch gute Ideen aufgefallen, (das Geilomobil war halt keine davon), er versucht sich in die Diskussion einzubringen, und steht eigentlich für einen wesentlich liberalen und weltoffeneren Weg in der ÖVP.

Also das Projekt-Konzept (wurde weiter unten verlinkt) scheint mir vor allem extrem naiv. Angestrebt werden 25% Marktanteil europaweit, damit sollen ein paar zehntausend Menschen Beschäftigung finden. Zentrales Argument: 80% des Koblauchs werden aus China importiert, daher gibt es keine innereuropäische Konkurrenz. Erinnert leider stark an ein Pinky&Brain-Projekt.

im konkreten fall haben nicht nur der knoblauch, sondern auch die aussagen der frau Potzinger ein gehörigen haut goût.

beschäftigungsinitiativen (noch besser wären vermutlich bildungsinitiativen) sind sicher zu begrüßen, aber wenn sie auch die absicht hat, den menschen wohlzutun, so fühlt man [dahinter eine andere] absicht, und man ist verstimmt ...

Gut, dann streichen wir alle Initiativen, die "Menschen wohltun wollen" und lassen nur mehr die durch, deren Ziel beinharte Ausbeutung ist. Mit solchem Gemecker macht man alles kaputt, was mit guter Absicht begonnen wird.

das Ganze ist nur eine Neuauflage von "Arbeit macht .... Spaß"

besonders interessant wäre sicherlich die Antwort auf die Frage: wer profitiert davon finanziell?

in zweiter Linie evtl sogar die Roma selbst, aber wer ist denn BesitzerIn der Knoblauchernte und wer verdient am Meisten vom Verkauf?

und wieso ist die Idee an sich (landwirtschaftliche Ausbildung für Arbeitslose BettlerInnen) denn bitte so schlecht?

in unsrer "Leistungsgesellschaft" ist Betteln nunmal keine "Leistung" sondern eine Form der Partizipation an fremder Leistung. Würden wir alle nur betteln könnte wohl niemand etwas geben und wir müssten verhungern

was also ist an der GRUNDSÄTZLICHEN Idee Menschen Auswege aus der Bettelei durch eine Ausbildung aufzuzeigen so schlecht?

das Problem

ist schlicht, dass das einfach nicht funktioniert.
Die Roma sind nicht in dieser Situation, weil sie zu blöd sind und waren, auf die Idee zu kommen, Knoblauch anzubauen oder weil sie zu unfähig sind, zu arbeiten.
Sie sind vor allem in einem ungeheuren Ausmaß diskriminiert und stigmatisiert.
Angenommen die Knoblauchsache funktioniert tatsächlich (was unter Garantie nicht passieren wird) - die erste Folge wäre eine Verdrängung der Roma aus diesem Arbeitsmarkt. Roma sind schlicht die letzten, die irgendwo eingestellt werden, der Glaube, man kann ihnen von Außen mit einer derartigen Initiative zu einem gleichberechtigten Leben in der Slowakei und in Kroatien verhelfen, ist einfach unglaublich naiv.

man kann ihnen von Außen mit einer derartigen Initiative zu einem gleichberechtigten Leben in der Slowakei und in Kroatien verhelfen, ist einfach unglaublich naiv.

Noch naiver ist die Vorstellung, dass die Situation der Roma in Europa nur an einer Diskriminierung und dem Rassismus der Mehrhheitsvölker liegt.
Ganz gleich wo in Europa, mehr oder weniger immer das Gleiche.
Immer sind die anderen Schuld.

Naja, dann warten wir halt auf die Weltrevolution, da kommt alles in Ordnung.

da habens sicherlich net unrecht

würde man den Leuten die landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Verfügung stellen und ihnen bei der Etablierung einer eigenen Vertriebsorganisation nach den genannten Zielsetzungen (Bio-Knoblauch für Gastronomie o.ä.) unterstützend zur Seite stehen anstatt sich selbst an deren Arbeit zu bereichern, dann könnte da vielleicht wirklich was draus werden

die Vermutung dass es da um den Profit von jemand anders (also keinem/keiner Rom) gehen dürfte liegt da leider nahe, weshalb ich ihre Kritik an der Ausprägung schon teile

meine Frage stellt sich allerdings noch einmal:

was ist an der dahinter stehenden GRUNDSÄTZLICHEN Idee so schlecht?

sofern nicht jemand anders als die beschäftigten Roma den Profit einstreift wäre das Ganze ja okay, oder net?

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