US-Sicherheitsexperte George Friedman wurde Opfer von Hackern
Wer wissen will, wie man Mitarbeiter in Krisenregionen vor Entführungen schützen kann, der fragt George Friedman um Rat. Der Gründer und Chef des US-Beratungsunternehmens Stratfor weiß auch Bescheid, wenn es um den mexikanischen Drogenkrieg, die Zukunft Afghanistans, die Lösung der Eurokrise oder um die Frage geht, welcher Staat in 50 Jahren die Welt beherrschen wird (Friedmans klare Antwort: nicht China, sondern die USA). Seit der Gründung von Stratfor vor 15 Jahren hat sich Friedman als ein führender Experte für Außenpolitik und Sicherheit profiliert.
Datensicherheit im eigenen Haus
Bloß bei der Datensicherheit im eigenen Haus hätte er andere um Rat fragen sollen. Dann wäre er nicht durch einen Hackerangriff von Anonymous so blamiert worden. Offenbar wurden bei Stratfor die Kreditkartennummern der Kunden nicht verschlüsselt - ein schwerer Imageschaden für den mediengewandten Militär- und Computerguru.
Seiner Popularität in Talkshows wird das wohl keinen Abbruch tun. Denn Friedman ist ein kreativer Denker, dessen Newsletter brandaktuelle Entwicklungen hintergründig analysiert. Er gehört zur Schule der Geopolitik: Für ihn ist Geografie Schicksal, weshalb sich die Geschichte oft wiederholt. China werde wieder zerfallen, und noch in diesem Jahrhundert stehe ein neuer Krieg zwischen den USA und Japan bevor, sagte er vor drei Jahren in seinem faszinierend-anmaßenden Bestseller Die nächsten hundert Jahre voraus. Mit seiner Prognose, dass die Türkei zur Großmacht wird, traf er jedenfalls ins Schwarze.
Sein Weltbild ist konservativ
Friedman kam 1949 in Budapest als Kind jüdischer Holocaust-Überlebender auf die Welt. Seine Eltern flüchteten vor dem Kommunismus zunächst nach Wien, drei Jahre später gingen sie in die USA. Er studierte Politikwissenschaften an der City College of New York und an der Cornell University, schrieb Bücher über politische Philosophie und Marxismus, bevor er seine Begeisterung für Militärstrategie und computergestützte Kriegsspiele entdeckte. Sein Weltbild ist konservativ; von seinen vier Kindern dienen zwei im US-Militär.
Nach Jahrzehnten an Universitäten machte er sich 1996 selbstständig und begann von Texas aus seine Einsichten zu verkaufen - Journalisten stehen genauso auf seiner Kundenliste wie Weltkonzerne. Sobald die Stratfor-Webseite wieder funktioniert, werden sie alle wohl Tipps erhalten, wie man sich vor Hackern schützt. (Eric Frey, DER STANDARD Printausgabe,28.12.2011)