KOPF DES TAGES

Ein Wachmann, der selbst bestohlen wurde

27. Dezember 2011, 18:19

US-Sicherheitsexperte George Friedman wurde Opfer von Hackern

Wer wissen will, wie man Mitarbeiter in Krisenregionen vor Entführungen schützen kann, der fragt George Friedman um Rat. Der Gründer und Chef des US-Beratungsunternehmens Stratfor weiß auch Bescheid, wenn es um den mexikanischen Drogenkrieg, die Zukunft Afghanistans, die Lösung der Eurokrise oder um die Frage geht, welcher Staat in 50 Jahren die Welt beherrschen wird (Friedmans klare Antwort: nicht China, sondern die USA). Seit der Gründung von Stratfor vor 15 Jahren hat sich Friedman als ein führender Experte für Außenpolitik und Sicherheit profiliert.

Datensicherheit im eigenen Haus

Bloß bei der Datensicherheit im eigenen Haus hätte er andere um Rat fragen sollen. Dann wäre er nicht durch einen Hackerangriff von Anonymous so blamiert worden. Offenbar wurden bei Stratfor die Kreditkartennummern der Kunden nicht verschlüsselt - ein schwerer Imageschaden für den mediengewandten Militär- und Computerguru.

Seiner Popularität in Talkshows wird das wohl keinen Abbruch tun. Denn Friedman ist ein kreativer Denker, dessen Newsletter brandaktuelle Entwicklungen hintergründig analysiert. Er gehört zur Schule der Geopolitik: Für ihn ist Geografie Schicksal, weshalb sich die Geschichte oft wiederholt. China werde wieder zerfallen, und noch in diesem Jahrhundert stehe ein neuer Krieg zwischen den USA und Japan bevor, sagte er vor drei Jahren in seinem faszinierend-anmaßenden Bestseller Die nächsten hundert Jahre voraus. Mit seiner Prognose, dass die Türkei zur Großmacht wird, traf er jedenfalls ins Schwarze.

Sein Weltbild ist konservativ

Friedman kam 1949 in Budapest als Kind jüdischer Holocaust-Überlebender auf die Welt. Seine Eltern flüchteten vor dem Kommunismus zunächst nach Wien, drei Jahre später gingen sie in die USA. Er studierte Politikwissenschaften an der City College of New York und an der Cornell University, schrieb Bücher über politische Philosophie und Marxismus, bevor er seine Begeisterung für Militärstrategie und computergestützte Kriegsspiele entdeckte. Sein Weltbild ist konservativ; von seinen vier Kindern dienen zwei im US-Militär.

Nach Jahrzehnten an Universitäten machte er sich 1996 selbstständig und begann von Texas aus seine Einsichten zu verkaufen - Journalisten stehen genauso auf seiner Kundenliste wie Weltkonzerne. Sobald die Stratfor-Webseite wieder funktioniert, werden sie alle wohl Tipps erhalten, wie man sich vor Hackern schützt. (Eric Frey, DER STANDARD Printausgabe,28.12.2011)

Fritz14
10
28.12.2011, 13:12
"Mit seiner Prognose, dass die Türkei zur Großmacht wird, traf er jedenfalls ins Schwarze."

Wie bitte?

motd
01
28.12.2011, 09:05
A Aufblasener Günstling der Mächtigen

Erwin Wolfram
01
28.12.2011, 01:40
...

naja wenn jemand blind ist muss er nicht taub sein bzw nicht tippen koennen... zwar ist die gesamte kulturelle produktion des westens gegen die aufstrebenden staaten und raeume, aber sie werden in 50 jahren gerade vorne sein :-)... es hilft halt nichts nur weil man glaubt man kann jeden auslaender abzocken sich eine strahlende zukunft vorherzusagen, weil man in diesem fall seine ressourcen schon ueberverplant hat und abhaengig ist und der markt weiss das schon laengst... ich wunder mich immer fuer welchen mist die ihre mathematiker und computer einsetzen... eine extrapolation ist fuer 50 jahre wohl kaum ausreichend...

my eyes
06
28.12.2011, 01:09

so eine laudatio kann natürlich nur von frey kommen. unpackbar.

Jasper Perky
00
28.12.2011, 10:09
Laudatio?

Lies den Titel nochmal.

IncontinentIceweasel
03
28.12.2011, 14:34
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