China öffnet Finanzmarkt

Im Zeichen der Schnecke

Kommentar | Lukas Sustala, 27. Dezember 2011, 18:07

Chinas Finanzmarkt ist und bleibt streng kontrolliert

Wieder einmal macht die Rede vom absteigenden US-Dollar die Runde. Dass China und Japan ihre Währungen direkt handelbar machen und den Greenback als Verrechnungswährung ausschalten, werde den Dollar schwächen und den chinesischen Yuan zur zweiten Leitwährung katapultieren, lautet das Kalkül.

Weit gefehlt. Chinas Finanzmarkt ist und bleibt streng kontrolliert. Die flexiblen Finanzflüsse, auf die Unternehmen und Marktakteure im Zeitalter der Globalisierung angewiesen sind, gibt es im Land des Lächelns nicht. Die Anleihen, die internationale Anleger in chinesischer Währung halten dürfen, sind mit 18 Milliarden Dollar ein Tropfen im globalen Finanzozean. Die Kontingente, die Chinas Führung ausländischen Fondsgesellschaften zum Kauf von Wertpapieren in China zur Verfügung stellt, sind ebenso winzig im Vergleich mit wirklich internationalen Märkten.

Jene Analysten, die hoffen, dass sich Chinas Währungspolitik im derzeitigen Jahr des Hasen und dem am 23. Jänner beginnenden Jahr des Drachen besonders schnell öffnen werde, werden enttäuscht sein. Die chinesische Führung hat immer wieder klargemacht, dass sie Währungspolitik im Zeichen der Schnecke macht.

Es besteht kein Zweifel. Chinas Währung wird dank der hohen Wirtschaftsdynamik eine wichtigere Rolle spielen und der US-Dollar eine kleinere. Doch dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2011)

juuni
00
28.12.2011, 15:50
mir wäre

nicht aufgefallen, dass China und andere stärker regulierte Länder (Brasilien, Indien, in gewisser Hinsicht Türkei) durch nichtinternationalisierte, regulierte Finanzmärkte ein Nachteil erwachsen wäre. Auch die Unternehmen sind wohl bessere Dinge als ihre Konkurrenten (?) in Europa oder den USA.

barney
05
28.12.2011, 09:59
was ist gut, was ist schlecht...

"Die flexiblen Finanzflüsse, auf die Unternehmen und Marktakteure im Zeitalter der Globalisierung angewiesen sind, gibt es im Land des Lächelns nicht."
Klingt da so etwas wie Enttäuschung mit? Warum denn?
Vielleicht hat China gerade deswegen keine Angst vor Rating-Agenturen! Vielleicht braucht China gerade deswegen keine Schuldenbremse! Vielleicht gibt es in China gerade deswegen keine von Brüssel eingesetzte Banker-Regierung wie in Griechenland und Italien!
Aber in der kleinen Welt des Standard muß es halt Standard bleiben: Russen und Chinesen sind BÖÖÖSE!!!

stronzl bär
00
28.12.2011, 18:17

Das ist keine Sache von gut und böse. China macht ökonomisch damit im Moment etwas richtig (oder aUCH NCIHT9: China und Rusland sind übrigens böse. Das ist und bleibt ein Faktum! tadäädääädäädääm ;)

Porqué no te callas?
01
28.12.2011, 08:29

"Land des Lächelns " - ist thailand. oder?

RF
05
27.12.2011, 19:15
"Doch dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern."

Sehr geehrter Herr Sustala, Sie denken in österreichisch/europäischen Kategorien, also erwarten Sie eine Schnecke. So ein Prozess wird nur 5-10 Jahre dauern. Die Eigendynamik, die so ein Prozess gewinnt, ist enorm. Zuerst wird getestet, wenn es funktioniert, dann ist die Ampel auf Grün.

Reich sein muss sich lohnen!
12
27.12.2011, 19:12

Wohin uns unsere Liberalisierung der Finanzmärkte gebracht hat, sehen wir ja seit 2008.
Ich bin mir sicher, die Chinesen sind nicht so doof diesen Fehler nachzumachen.

noldman
00
27.12.2011, 19:34
Wieso den Amis hat das ganze ja rießen Vorteile

gebracht. Wäre der Dollar keine weltweite Leitwährung, dann wären die USA bereits Pleite. Dass es derzeit keine wirkliche Alternative zum Dollar gibt (aufgrund von weltweiten Abkommen kann der Euro derzeit den Dollar nicht gefährden und das obwohl die Fundamentaldaten hinter dem Euro viel fester sind als beim Dollar) ist das einzige das die USA noch über Wasser hält.

Reich sein muss sich lohnen!
11
27.12.2011, 19:37

Die USA profitieren davon, dass ihre Währung die Weltwährung ist - aber nicht von ihren deregulierten Finanzmärkten (die haben 2008 die Krise ausgelöst).

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