Chinas Finanzmarkt ist und bleibt streng kontrolliert
Wieder einmal macht die Rede vom absteigenden US-Dollar die Runde. Dass China und Japan ihre Währungen direkt handelbar machen und den Greenback als Verrechnungswährung ausschalten, werde den Dollar schwächen und den chinesischen Yuan zur zweiten Leitwährung katapultieren, lautet das Kalkül.
Weit gefehlt. Chinas Finanzmarkt ist und bleibt streng kontrolliert. Die flexiblen Finanzflüsse, auf die Unternehmen und Marktakteure im Zeitalter der Globalisierung angewiesen sind, gibt es im Land des Lächelns nicht. Die Anleihen, die internationale Anleger in chinesischer Währung halten dürfen, sind mit 18 Milliarden Dollar ein Tropfen im globalen Finanzozean. Die Kontingente, die Chinas Führung ausländischen Fondsgesellschaften zum Kauf von Wertpapieren in China zur Verfügung stellt, sind ebenso winzig im Vergleich mit wirklich internationalen Märkten.
Jene Analysten, die hoffen, dass sich Chinas Währungspolitik im derzeitigen Jahr des Hasen und dem am 23. Jänner beginnenden Jahr des Drachen besonders schnell öffnen werde, werden enttäuscht sein. Die chinesische Führung hat immer wieder klargemacht, dass sie Währungspolitik im Zeichen der Schnecke macht.
Es besteht kein Zweifel. Chinas Währung wird dank der hohen Wirtschaftsdynamik eine wichtigere Rolle spielen und der US-Dollar eine kleinere. Doch dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2011)