Feuerwerk: Bunte Lichter, die gefährlich werden können

30. Dezember 2011, 18:03
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Millionen Euro geben die Österreicher rund um den Jahreswechsel für Feuerwerke und Knallkörper aus

Wien - Zwei, drei Meter fliegen die Reste der Hand nach dem Knall weg. Zurück bleibt ein Stumpf - am Arm der Schaufensterpuppe hängen die Reste von Kunststoffmasse herunter. Die Auswirkungen der Explosion eines zu lange festgehaltenen Böllers sind allerdings nicht das Ergebnis eines Experimentes erlebnisorientierter Jugendlicher. Im Gegenteil. Beamte des Entschärfungsdienstes im Bundeskriminalamt wollen in einer Schottergrube bei Zwentendorf demonstrieren, dass die pyrotechnischen Gegenstände, mit denen die Österreicherinnen und Österreicher zum Jahreswechsel so hantieren, nicht ungefährlich sind.

Rund zehn Millionen Euro werden rund um Neujahr für Feuerwerkskörper ausgegeben. 80 Prozent stammen aus asiatischer Produktion, sagt Entschärfer Thomas Csengel bei einer Presseveranstaltung. Was an sich noch kein Problem ist, allerdings wird der Großteil davon per Hand gefertigt, was im Vergleich zu Maschinen die Fehleranfälligkeit erhöht (siehe Artikel "Das Feuerwerk aus Kinderhand").

Größere Bedenken hat die Polizei beim Einkaufsort. Denn das benachbarte Ausland ist bei den Hobby-Feuerwerkern beliebt - besonders Tschechien. Auf den Märkten dort wird allerdings Ware angeboten, die in Österreich für den Normalsterblichen illegal ist. Wie die sogenannten Feuerwerksbomben. Die kleinsten davon sind etwas größer als Handgranaten, tödlich können sie dennoch sein. Denn bei der Detonation entwickeln sie Geschwindigkeiten bis zu 500 Kilometer pro Stunde. Die Folgen eines Treffers auf den Kopf sind verheerend, wie die von der Polizei präsentierten Leichenfotos belegen.

Zum Problem, den Kopf nicht rasch genug wegzuziehen, kommt ein weiteres: Die Bomben werden in Rohre gesteckt, ehe die Lunte angezündet wird - professionelle Feuerwerker haben dafür eigene Fiberglasrohre. Die Laien verwenden aber oft simple PVC-Rohre, was zu Unfällen führen kann.

Gefährlicher Transport

Doch auch der Transport legaler Explosivartikel kann nicht ungefährlich sein, zeigt eine weitere Demonstration. Die Annahme: Ein Auto mit feuerwerksgefülltem Kofferraum ist in einen Auffahrunfall verwickelt. Die Folge: erst ein Lichterfest, dann ein Vollbrand. Nachdem aus dem Heck die Lichteffekte geschossen sind, züngeln rund fünf Minuten später die ersten Flammen aus dem Radkasten, ehe innerhalb kürzester Zeit der Wagen in Vollbrand steht.

Einen dritten Punkt gibt es, auf den die Exekutive hinweist: Wer bei Straßenhändlern kauft, kann nie ganz sicher sein, in welchem Zustand die Ware ist. Denn bei zu kalter oder zu feuchter Lagerung kann sich die chemische Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ändern.

Zufrieden ist man bei der Polizei mit dem Pyrotechnikgesetz 2010. Vor allem die sogenannte Durchsuchungsermächtigung freut die Beamten - haben sie nun doch das Recht, bei begründetem Verdacht auf einen Verstoß gegen die Paragrafen auch in den Taschen und Kofferräumen nachzusehen.

3,3 Tonnen beschlagnahmt

Was gar nicht so selten vorkommt: Mehr als 3,3 Tonnen Feuerwerkskörper wurden im Jahr 2011 bisher beschlagnahmt. Ein Knall- und Lichterfest beim Polizeiball wird damit allerdings nicht veranstaltet. Die explosive Unterhaltung kommt auf ein Bundesheergelände und wird dort in Gruben, mit einer Erdschicht bedeckt, gesprengt.

Apropos Knallkörper: Für deren Hasser gibt es relativ gute Nachrichten. Die lautesten Exemplare, solche mit einem sogenannten Blitzknallsatz, sind ab dem 4. Juli verboten. Allerdings erst ab dem Jahr 2017. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 28.12.2011)

  • Keine Kunstaktion, sondern eine nicht unrealistische Übungsannahme: Ein Auto mit einem Kofferraum voller Feuerwerkskörper ist in einen Unfall verwickelt - innerhalb von Minuten brennt es aus.
    foto: robert newald

    Keine Kunstaktion, sondern eine nicht unrealistische Übungsannahme: Ein Auto mit einem Kofferraum voller Feuerwerkskörper ist in einen Unfall verwickelt - innerhalb von Minuten brennt es aus.

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