Weihnacht aus der Sprühdose

27. Dezember 2011, 18:07
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Schneeschlacht aus der Sprühdose und Äpfel ohne Ende - auch in China wird Weihnachten gefeiert

Was stellt man sich unter Weihnachten in China vor? Ich hatte zunächst angenommen, dass diese Tage von der chinesischen Bevölkerung ignoriert würden, denn Weihnachten ist weder ein offizieller noch ein kulturell verankerter chinesischer Feiertag. In China versteht sich die große Mehrheit der Bevölkerung als Atheisten mit Hang zu Konfuzianismus, Daoismus oder Buddhismus; Christen gibt es sehr wenige.

Im Land des Kitsches

Doch entgegen meiner Erwartungen wird durchaus auch in China Weihnachten gefeiert, und es ist Wert, sich dieses Spektakel anzusehen. Die Besonderheit liegt in der Mischung aus westlich-amerikanischen Elementen, die vor allem aus Medien bekannt sind, und chinesischen Spezifika. Zunächst einmal lassen es sich die Geschäfte im Land des unendlichen Kitsches nicht nehmen, alle erdenklichen Flächen mit amerikanischen Weihnachtsmotiven zu schmücken. Doch hier gilt die Devise „je mehr desto besser", und so können sich unter Santa Claus und Weihnachtsbäumen auch Ostereier, Halloweenmotive und Valentinstagsherzen mischen.

Die Valentinstagsherzen aber haben einen Sinn: In einigen asiatischen Ländern, wie beispielsweise in Japan, ist der erste Weihnachtstag das Äquivalent zum Valentinstag, ein Tag für Verliebte und Pärchen also. Wer an diesem Tag alleine ist, der ist doppelt traurig.

Friedensäpfel

An Weihnachten selbst werden auch Geschenke ausgetauscht, nur die Auswahl ist interessant: Das chinesische Weihnachtsgeschenk sind monumental verpackte, horrend teure Äpfel. Es ist für den uneingeweihten Laowai erst nach einigen Erklärungen verständlich, wie es zu den Äpfeln kommt. Heiligabend heißt hier "Pingan Ye", Friedens-Nacht. Das chinesische Wort für "Apfel", "Pingguo", beginnt mit derselben Silbe wie "Pingan", also Friede. Äpfel zu verschenken kommt also zu diesem Anlass einem Friedenswunsch gleich. Da jeder Chinese Äpfel verschenkt, steigen die Preise für dieses ansonsten eher uninteressante Obst ins Unermessliche. Ein aufwendig in Zellophan verpackter Apfel kostet zu Weihnachten etwa einen Euro oder sogar mehr.

Kunstschnee

Zu Weihnachten gehört aber auch, so die westlichen Medien, Schneeidylle. Was macht man aber, wenn es, so wie in Kunming, nicht schneit? Man macht sich seinen eigenen Schnee. Am 24. Und 25. Dezember findet auf der Hauptfußgängerzone Kunmings eine riesige Schneeschlacht mit Kunstschnee statt - dafür mit Mundschutz und Halloweenmasken.

Alle Geschäfte und hunderte Straßenhändler versorgen die Anwesenden mit Schneespraydosen, die sich verkaufen wie warme Semmeln. Jeder, der sich der Zone nähert, geht das Risiko ein, ohne Erbarmen eingesprüht zu werden. Die Atmosphäre kommt dann wirklich einem Schneegestöber gleich. Deswegen werden an diesen Tagen wahrscheinlich mehr Mund- und Kleidungsschutz verkauft als sonst im ganzen Jahr. Wenn man die "Kriegszone" passiert hat, ist man bereit für ein ausgiebiges Weihnachtsessen mit Familie oder Freunden.

Doch auch wenn es wenige sind, so gibt es in China dennoch Christen. Einige Minderheiten in Yunnan, wie die Lisu und die Lahu, wurden im 20. Jahrhundert missioniert. Die Lisu haben in jedem Dorf mindestens eine Kirche, und sie feiern Weihnachten mit einem Festgottesdienst sowie Feuerwerken und Tänzen. (An Yan, 27. Dezember 2011, daStandard.at)

  • Bunt gemischte Weihnachtsdekoration
    foto: shunsuke suzuki

    Bunt gemischte Weihnachtsdekoration

  • Schneeschlacht auf der Hauptfußgängerzone
    foto: shunsuke suzuki

    Schneeschlacht auf der Hauptfußgängerzone

  • Unvorsichtige werden gnadenlos eingesprüht
    foto: shunsuke suzuki

    Unvorsichtige werden gnadenlos eingesprüht

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