Camp im Irak

UNHCR sucht Asylländer für iranische Volksmujahedin

Gudrun Harrer, 27. Dezember 2011, 21:16

Oppositionellen-Camp Ashraf im Irak wird geschlossen

Bagdad/Wien - Zwar haben die 3400 Bewohner von Camp Ashraf 65 km nördlich von Bagdad einen Aufschub bekommen, das Schicksal ihrer vor 25 Jahren während des Iran-Irak-Kriegs gegründeten Ansiedlung ist dennoch besiegelt. Die irakische Regierung will die iranischen Oppositionellen der Volksmujahedin (PMOI), die mit Saddam Hussein kollaboriert haben, nicht mehr im Lande haben und wollte Camp Ashraf zu Jahresende auflösen. Das soll nun erst im April geschehen.

Bis dahin sollen die Bewohner nach und nach in eine frühere US-Militärbasis übersiedeln, wo das UNHCR ihre Fälle einzeln behandeln wird. Darauf einigten sich am Dienstag Bagdad und die Uno. Washington begrüßte dies und rief die PMOI zur Kooperation auf.

Nach der Invasion 2003 standen die Volksmujahedin als Flüchtlinge unter US-Schutz, obwohl sie in Washington als Terrororganisation geführt werden. 2006 übernahmen bulgarische Truppen der Multinational Force das Lager, nach deren Abzug wurde es 2009 der Kontrolle Bagdads übergeben. Seither beklagen die Mujahedin Übergriffe, bei einer Attacke der irakischen Armee im April kamen mehr als dreißig ums Leben.

Am Sonntag wurde das Lager mit Katjuscha-Raketen angegriffen. Die PMOI behaupten auch, 400 iranische Revolutionsgardisten hätten ein Gebäude im Camp bezogen. Sie haben Angst, von Bagdad an Teheran ausgeliefert zu werden, was für viele einem Todesurteil gleichkäme.

Deshalb weigerten sie sich bisher, Camp Ashraf anders als in ihrer Gesamtheit zu verlassen. Eine Bedingung der irakischen Regierung für eine Verlängerung des Camps war jedoch, dass 400 bis 800 Bewohner noch vor Jahresende verlegt werden müssen.

Die Bewohner von Camp Ashraf als Strandgut der Geschichte zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Dass Premier Nuri al-Maliki die Saddam-Freunde und ihre Familien nicht liebt, ist verständlich. Aber der Verdacht besteht, dass er beim Umgang mit den PMOI bereit ist, Wünsche Teherans zu erfüllen. Die Frage spaltet die irakische Innenpolitik. Die PMOI haben stets Ayad Allawi, den antiiranischen Gegenspieler Malikis, unterstützt, dessen Partei Iraqiya hat nun ihrerseits zum Schutz der PMOI aufgerufen.

Trotz aller Appelle und Bemühungen auch der Uno hat sich bisher jedoch kein Land gefunden, der die im Irak festsitzenden PMOI aufnimmt. Das liegt auch daran, dass sie wissenschaftlich als militärisch-politisch-religiöse Sekte eingestuft wird, mit Menschenrechtsverletzungen in den eigenen Reihen.
In der EU wurden die PMOI, die bereits den Schah bekämpften, von der Terrorliste gestrichen, wie betont wird, aus formalen Gründen und nicht, weil ihnen der Europäische Gerichtshof - erst vor wenigen Tagen die höchste Instanz - die Verwicklung in Terror_akte abspricht. Das tun hingegen stets ihre Lobbyisten. Der US-Sonderbeauftragte für Camp Ashraf, Daniel Fried, widersprach jedoch bei einem US-Parlamentshearing Mitte Dezember dieser Darstellung entschieden.  (DER STANDARD Printausgabe, 28.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3
Die Tatsache
00
23.1.2012, 14:19
Antwort von General David Phillips

Kommandeur der US-Militärpolizei für Camp Ashraf:
„Ich bin seit Jahrzehnten von Beruf Militärpolizist, und ich habe es mit Tatsachen zu tun. Tatsache ist: Die Leute von Camp Ashraf sind keine Terroristen. Ich habe gehört, dass man sie als Sekte bezeichnete, als manipulierte Gefolgsleute eines charismatischen Führers. Die Leute von Camp Ashraf vertreten eine Sache – wahrhaftig die höchste: Freiheit, Demokratie, Toleranz, Gleichheit. Wenn der Glaube an diese Werte Leute zu einer Sekte macht, nun, dann möchte ich wohl dazu gehören. Und was die manipulierten Gefolgsleute betrifft – haben Sie je versucht, einen Anwalt, Arzt, Künstler oder Musiker zu einem blinden Gefolgsmann zu machen? Viel Glück!“ www.ncr-iran.org

Taban Mehr
00
29.12.2011, 09:48
Desinformationskampagne!

„Militärisch-politisch-religiöse Sekte mit Menschenrechtsverletzungen in den eigenen Reihen“ sind die Bezeichnungen der Mullahs, um die iranische Hauptopposition zu diskreditieren. H.Clinton, C.Ashton, Ban Ki-moon, duzende hochrangige politisch verantwortliche internationale Persönlichkeiten und tausende Parlamentarier sind keine Kinder ein „solch schlechte Menschen!!!“, wie im Artikel, zu unterstützen. Es wäre sinnvoller, wenn die Verfasserin sich erst besser informieren würde. Fakt: Volksmujahedin sind aber doch inhaltlich bei der Gerichte in England, Frankreich, EU, und aber auch in Camp Ashraf mehrmals durchleuchtet und es wurde kein Link zum Terrorismus gefunden. Wir IranerInnen betrachten solche Vorwürfe als Beleidigung.

soseies
24
28.12.2011, 16:03

die uno (unhcr) such asylländer für terroristen....

ja mei, was soll man das sagen.....

don holz
11
28.12.2011, 20:34

Falsch, die UN sucht Asylländer für politische Flüchtlinge, die unter den Schutz der Genfer Konventionen fallen. Ansonsten hätte die UN sie nicht ins Programm der Asylsuchenden aufgenommen.

Die Terrorlistung war und ist politische Willkür und hat keinerlei rechtliche Grundlage.

lassen Sie mich durch
10
29.12.2011, 08:50

Millionen Dollars Schützen eben.

supermike
10
28.12.2011, 17:17
In Österreich wäre noch viel Platz

Warum sollte man deren Camp nicht einfach ins Marchfeld verlegen ?
Oder in die Steiermark auf den Truppenübungsplatz Seetaleralpe - dort können die auch direkt vor Ort fleissig weitertrainieren.
Und Darabos kann ein paar alte Panzer spenden bevor er die einschmelzen lässt.

lassen Sie mich durch
21
28.12.2011, 14:38

kann verstehen das die Iraker keine Terroristen in ihr land haben wollen.
Saddam ist weg und seine alten verbündeten und Terror Freunde wie die Mujahedins müssen auch langsam aufgelöst werden,die sollten ihren alltag nach gehen und die finger von Terror lassen.

unglaublich das es hier in Forum menschen gibt die eine Terrororganisation Offen begrüssen und unterstützen.

don holz
11
28.12.2011, 20:32

Die Gruppe hat seit 2001 den bewaffneten Widerstand gegen das Mullahregime (für mich übrigends was anderes als Terrorismus) offiziell aufgegeben. Die Terrorlistungen sind und waren Good Will Aktionen gegenüber dem Mullahregime und haben keinerlei rechtliche Grundlage, wie es mehrere Gerichte bestätigt haben. Überhaupt führen nur noch 4 Länder die PMOI auf ihren Listen (Iran,Irak,USA,Kanada). Man sollte immer vorsichtig sein, was Politikum ist und was rechtlichen Bestand hat.

Die Terrorlisten sind nach 9/11 mehrfach missbraucht worden, das weis mittlerweile jeder. Bei der PMOI sogar davor.

Es gibt keinen belegbaren Beweis für terroristische Anschläge und Planungen der PMOI in Europa, daher hab ich null Probleme, die Gruppe zu unterstützen

lassen Sie mich durch
10
29.12.2011, 07:49

Es gibt keinen belegbaren Beweis für terroristische Anschläge und Planungen der PMOI in Europa, daher hab ich null Probleme, die Gruppe zu unterstützen

was genau wollen die Unterstützen,das was diese Gruppe an zielen hat,oder das was die Iraner im Iran haben wollen diese gruppe hat keine unterstützung bei der Bevölkerung im Iran.

somit Unterstützen Sie menschen die im Iran von Volke nicht gewollt sind.

don holz
00
29.12.2011, 15:46

Ich denke nicht, dass das Volk das Regime will und Demokratie. Beide Ziele verfolgt die PMOI und der NWRI. Das reicht für mich als Legitimität. Der Rest ist unbewiesen und aufgrund der mörderischen Zensur im Iran nicht nachprüfbar.

khiabani
01
29.12.2011, 09:18

ich verstehe diese argumentation von wegen, die haben keine unterstützung im iran nicht.
zum einen wer ist in der lage im iran eine umfrage durchzuführen um die beliebtheit einer oppositionsgruppe festzustellen, dessen anhänger mit mindestest mehrjährigen gefängnistrafen bestraft werden, schlimstenfalls, und nicht gerade selten, mit dem tode.
zum anderen tragen 30 jahre anti pmoi dauerpropaganda des regimes nicht gerade zur freien meinungsbildung bei.
und selbst wenn 95% der iraner gegen diese gruppe sind, heißt das noch lange nicht, dass sie deswegen ihre fundamentalen rechte verlieren.

lassen Sie mich durch
10
29.12.2011, 10:30

mal wirklich was soll da für eine umfrage gemacht werden,wer gegen die eigene bevölkerung 8 jahre den Saddam unterstützt,hat in eine gesellschaft wie der Iranische keine hinter türchen offen gelassen,dazu braucht es keine umfrage, und ausserdem haben die Menschen mit so vielen alltag Problemen zu kämpfen das die keine Mujahedin oder Ajatollas mehr Hören Sehen oder riechen können.

khiabani
01
29.12.2011, 11:31

und noch was: die pmoi hat nicht 8 jahre lang auf saddams seite gekämpft. die ersten 2 jahre waren sie auf iranischen seite an der front trotz anfeindungen seitens der revolutionsgarden.
nach 2 jahren hatt saddam gemerkt dass er nicht weiterkommt und die pmoi hat mit saddam einen friedensvertrag ausgehandelt nach der die grenzen von vor dem krieg anerkannt werden und der irak reparationen zahlen muss.doch die IR wollte "über karballah nach jerusalem (rahe ghods az karballast)" und hat somit den krieg 6 jahre verlängert ohne auch nur das geringste zu erreichen.
mal abgesehn davon dass der khomeinistische iran nicht so unschuldig am ausbruch des krieges war, wie viele iraner behaupten.

khiabani
01
29.12.2011, 11:19

achso Sie haben also kontakt zu allen iranern? ich weiß von einigen iranern die in den letzten jahren das land verlassen haben bzw. verlassen mussten weil sie mit der pmoi zusammen gearbeitet haben. also haben Ihre verallgemeinerungen nicht viel zu bedeuten.
und wie erwähnt, selbst wenn die große mehrheit nichts von ihnen hält, heißt das nicht dass sie deswegen keine rechte haben

lassen Sie mich durch
10
29.12.2011, 12:01

sagt dir der name Khalkhali etwas.

der Irre der massen weise Iraner erschiessen liess,nur weil der verdacht stand das Sie zu Mujahedin gehören,dieser irre hat auch familienangehörige von mir erschiessen lassen,weil die Pasdarans der meinung waren die Mujahedins treffen sich in den Bergen Damavands und lasst uns mal welche von den Jungs und Mädels verhaften.

die Ajatollas sind keine freunde von mir,ebenso wenig die Mujahedins, ihre so genannte Friedens vertrag ist nicht von der Regierung damals unterzeichnet wurden,sondern von ihre Mujahedin freunde die einseitig gehoft haben mit diesen pakt im Iran an die macht zu kommen.

khiabani
00
29.12.2011, 15:24

das mit Ihren verwandten tut mir leid. aber ich verstehe Sie nicht, wenn man gegen die IR ist dann auch konsequent.
fakt ist, dass saddam den krieg beenden wollte, nicht weil er ein ach so guter mensch war,er hatte eingesehen, dass er den krieg nicht gewinnen konnte.also von irakischer seite hätte dieser krieg beendet werden können und wer einen friedensvertrag vorschlägt ist irrelevant solange dieser den krieg auf eine für beide seiten akzeptable weise beendet.für das iranische regime war dieser nicht akzeptabel,aber das regime war auch nicht vom volk legitimiert. ich bin mir sicher,dass das volk den krieg nicht mehr wollte.er diente nur der machterhaltung der mullahs

lassen Sie mich durch
00
30.12.2011, 07:55

Mann kann nicht gegen alles sein was die Ajatollas machen, es gibt vernünftige politiker unter den Mullas,die aber nicht zu wort kommen.

die IRI an sich ist im Iran gescheitert,der nächste Schritt muss langsam vorran gehen und mit diese Krieg drohungen wird alles nur schlimmer.
die menschen brauchen eben zeit um sich gegen den Islamischen Herschaft durch zu setzen in eine Region wo der Iran mitten zwischen Pakistan Afganistan und Saudi Arabien liegt.

supermike
22
28.12.2011, 17:31
Unglaublich das es hier in Forum menschen gibt die eine Terrororganisation Offen begrüssen und unterstützen

Wurde doch von der ganzen Welt auch in Libyen gemacht. Dort wurde der Al Kaida Ableger LIFG bejubelt, mit Waffen und Sympatie unterstützt und von der NATO an die Macht gebomt.
Die LIFG war übrigens auch eine von den USA verbotene Terrorgruppe aber die wollten halt Gaddafi weghaben und "der Feind meines Feindes ist mein Freund".
Auf Dauer wirds aber eher ein Eigentor werden - der Amerikaner (und die europäische NATO) denkt aber nicht so weit bzw wird froh sein ausländische Feinde zu haben die von den inländischen Problemen (Finanzkrise, Korruption und Misswirtschaft) ablenken.

lapidus
22
28.12.2011, 13:03

Ich würde sie nach Kärnten schicken.

Taban Mehr
00
28.12.2011, 14:07

Hier schauen Sie mal Anti-Rassismus-Konferenz vom Ahmadinejad an!
http://www.google.de/imgres?im... A&dur=2667

der Rabe
68
28.12.2011, 10:39
Wenn der Terror im Interesse der USA ist,

ist es per definitionem nicht Terrorismus.
Die USA erheben Anspruch auf die Definitionsmacht.
Die antikubanischen, die antiiranischen, die antisyrischen Bomber sind in diesem Sinne Gutmenschen.

wieso auch nicht
02
28.12.2011, 15:23

Da steht ja drinnen, dass die USA sie als Terrororganisation betrachten. Schlägt Antiamerikanismus eigentlich aufs Leseverständnis?

soseies
10
28.12.2011, 22:09

wenn die usa diese als terroristen sehen, warum konnten sie dann über jahre unbehelligt im us besetzten irak werken...

khiabani
00
29.12.2011, 04:35

weil sie aus politischen gründen auf dieser terrorliste stehen. juristisch würde die klassifizierung nicht standhalten.
nahezu sämtliche europäische regierung , von england über frankreich und deutschland haben versucht diese gruppe auf der europäischen terrorliste zu halten und sind dank der unabhängigen europäischen justiz kläglich gescheitert.
die IR hat schon oft genung betont, dass die entfernung der pmoi von der us-terrorliste einer kriegserklärung gleich kommt.
fakt ist, kein rechtstaatliches gericht der welt würde die PMOI als terroristen einstufen. ist es das recht jedes menschen sich gegen tyrannei zu erheben.

soseies
10
29.12.2011, 09:51

"weil sie aus politischen gründen auf dieser terrorliste stehen...."

also kommen wir zum schluß, das alle terroristenlisten nur politische konstrukte sind und somit irrelevant....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.