In der Nationalbank-Tochter Münze Österreich gab es keine Innenrevision, das interne Kontrollsystem schwächelte
In der Nationalbank-Tochter Münze Österreich gab es keine Innenrevision, das interne Kontrollsystem schwächelte. Der Ex-Chef überwies Privatausgaben vom Konto der Gesellschaft, seinen Bonus bekam er trotzdem.
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Wien - Das interne Kontrollsystem der Notenbank-Tochter Münze Österreich AG hat (bis vor kurzem) zu wünschen übriggelassen. Zu diesem Schluss kamen Wirtschaftsprüfer Peter Wundsam, der nach dem Ausscheiden von Münze-Chef Kurt M. tätig wurde, und die Konzernrevision der Nationalbank (OeNB) im vorigen Februar. Letztere ortete "erheblichen Nachholbedarf, die internen Strukturen und Ordnungen zu verbessern", und gab eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen ab. Von Kontrolle der Firmenkreditkarten und Dienstreiseanträge über Abschaffung des Zugriffs auf die Kassa des Münzshops bis zur Archivierung aller Personalverträge in der Personalabteilung. Sie alle wurden inzwischen umgesetzt, wie von einem Sprecher betont wird.
M. war wegen privater Nutzung der Firmenkreditkarte und von Konten der Münze am 13. Oktober 2010 gefeuert worden. Bloß ein Zitat aus dem Wundsam-Bericht: "Eine betriebliche Veranlassung von Einkäufen in Luxusboutiquen kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden." Ende Oktober trennte sich der Aufsichtsrat unter Wolfgang Duchatczek trotzdem einvernehmlich vom damals schwerkranken M. - was die Münze 309.000 Euro kostete.
Aus den Berichten erhellen sich Details zur unorthodoxen Verabschiedung des Managers. Er schuldete der Münze, wie berichtet, 104.000 Euro, im Entlassungsschreiben vom 13. Oktober schrieb Duchatczek vom "unautorisierten Negativsaldo". Den Betrag zahlte M. ein: am 12. Oktober.
Als Anwälte ein juristisches "Restrisiko" bei der Entlassung orteten, nahm Aufsichtsratschef Duchatczek Vergleichsgespräche auf. Daraus erwuchs eine "Nettovereinbarung" von 240.000 Euro: M. bekam seine 2007 vereinbarte "vollständige vertragliche Abfertigung von sechs Monatsgehältern" (170.00 Euro brutto; 160.000 netto) sowie eine "weitere freiwillige Abfertigung von 139.122 Euro".
So kam er auf die 240.000 Euro - plus 8000 Euro netto: M.s aliquoter Jahresbonus. Sein Malus (M. schuldete der Münze damals 10.000 Euro) wurde abgezogen.
Was die OeNB-Revision, unter anderem, kritisierte: Bei den Verrechnungskonten (für Mitarbeiter mit Firmenkreditkarte) gebe es "keinen Mahnlauf und keinen Ausgleich übers Jahresende". Mehr noch: Durch die Trennung der normalen Gehaltsverrechnung vom Verrechnungskonto "kam es bei M. dazu, dass der Negativsaldo durch die Kreditkartenbenutzung trotz Vorschusszahlungen weiter anstieg und nie mit dem Gehalt saldiert wurde".
M. verwendete freilich auch das "Bankkonto der Münze für private Zwecke", stellten die Revisoren fest - und zwar für die Bezahlung der Studiengebühren seines Verwandten. 2009 gab er zwei Mal Aufträge an die Bank der Münze, Geld an die Columbia University zu überweisen. Mit unterschrieben (offizieller Überweisungszweck: "M. M. Studiengebühr; drittes Semester") hat ein Mal (24.735 Dollar) ein Bereichsleiter, ein Mal der zweite Vorstand.
Bar-Abholung
Beim Inkasso sei man M. länger nachgelaufen; dann ging es recht leger: Auf Betreiben einer Buchhalterin wurde der das Geld "unter vier Augen im Büro des Vorstands übergeben, sie bezahlte den Betrag dann ... in bar an der Kassa ein", schrieb die Revision.
Fragezeichen blieben bei der Auflösungsvereinbarung für M. Die sah eine Zahlungsfrist von zwei Wochen vor, die Überweisung erfolgte aber schon "nach wenigen Tagen". Das lag an einer Weisung des zweiten Vorstands, die mit "dem Wunsch des Aufsichtsratsvorsitzenden nach einer raschen Lösung des Falles" begründet wurde. Die Crux: Die Revision fand später noch Aufwandsbuchungen (für M.; Anm.), "die bei der Abrechnung der Ansprüche nicht berücksichtigt wurden". Laut Münze ist aber "alles zurückgeflossen, alle Konten sind glattgestellt".
Als "Gebot der Stunde" forderten die Prüfer - eine eigene Innenrevision für die Münze AG. Auch die gibt es inzwischen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2011)