Nach Anschlägen

Christen fliehen aus dem Norden Nigerias

27. Dezember 2011, 16:36

Führung verlangt von Christen Verzicht auf Vergeltung - Trauerfeiern in mehreren Kirchen

Abuja - Aus Furcht vor weiteren Anschlägen der radikalislamischen Sekte Boko Haram sind in Nigeria viele Christen aus dem von Gewalt erschütterten Norden des Landes geflohen. Vor allem aus den Städten Kaduna, Maiduguri und Potiskum hätten die Menschen die Flucht in den Süden angetreten, berichteten Augenzeugen am Dienstag. Darunter seien viele Einwohner aus südlichen Gebieten, die über die Weihnachtstage in den Norden gereist seien oder dort Geschäfte hätten. "Ohne sie ist unsere Wirtschaft nichts wert", sagte ein Händler auf einem Parkplatz in Maiduguri.

Bei Bombenanschlägen auf katholische Kirchen waren in Nigeria am Weihnachtstag mindestens 40 Menschen getötet worden. Zu den Angriffen bekannte sich die Boko-Haram-Sekte, die sich selbst als "nigerianische Taliban" bezeichnet. Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden leben hauptsächlich Christen, im Norden Muslime. 

"Vergeltung ist nicht die Antwort"

Nach der Anschlagsserie vor allem auf Christen mit 40 Toten an den Weihnachtstagen hat die nigerianische Staatsführung den Verzicht auf Vergeltung gefordert. "Vergeltung ist nicht die Antwort", sagte der Sicherheitsberater von Präsident Goodluck Jonathan, Owoye Azazi, am Dienstag. "Nigeria muss als Nation überleben."

Der Sultan von Sokoto, Mohammed Saad Abubakar, sagte nach einem Gespräch mit dem Präsidenten, es gehe nicht um einen "Konflikt zwischen Muslimen und Christen", sondern zwischen "bösen und guten Menschen". Der Sultan von Sokoto ist der höchstrangige Muslim-Führer in Nigeria, Präsident Jonathan ist ein Christ aus dem Süden des Landes. Nach dem 90-minütigen Gespräch mit dem Sultan äußerte sich der Präsident nicht persönlich zu den Anschlägen. "Die guten Menschen sind zahlreicher als die bösen, also müssen die guten Menschen zusammenkommen, um die bösen zu besiegen", sagte der Sultan.

Hinterbliebene und Überlebende nahmen unterdessen in mehreren Kirchen an Trauerfeiern teil. Unter den Anwesenden war auch die 13-jährige Nancy, die bei den Attentaten ihre Eltern und ihre zwei Geschwister verlor, wie die Zeitung "The Nation" berichtete. Einer der Trauernden berichtete, bei einer der Explosionen sei seine schwangere Frau ums Leben gekommen. "Nach zehn Jahren Ehe hatte mich Gott mit einem Kind gesegnet, aber der Teufel hat meiner Freude ein jähes Ende bereitet", sagte er. (APA)

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19 Postings
WRN
17
28.12.2011, 05:27

Der gute Sultan sagte übrigens nciht dass er diesen Kampf bzw diese Gewalt ablehnt!

Er sagte dass es sich um einen Kampf zwischen Gut und Böse handle und dass die guten diesen Kampf gewinnen werden da sie zahlenmäßig überlegen sind.

In einem muslimisch dominierten Land (etwas über 50%) würde ich das eigentlich ganz klar als Gewaltaufruf bzw zumindest Gutheißung sehen.

rosa parks
31
28.12.2011, 13:34
Sie sitzen vor einem computer mit internetzugang.

kein mensch hindert Sie, Sich zu informieren. aber Sie wollen eh lieber pauschal herumhetzen als Sich mit der sache an sich auseinanderzusetzen, oder?

http://allafrica.com/stories/2... 80558.html

und was sagen Sie eigentlich zu den fünf muslimischen kindern, die heute früh von christen in die luft gesprengt wurden?

WRN
01
28.12.2011, 18:39

Ja da haben ganz klar die bösen Menschen zugeschlagen.

aber dass nach Ansicht der dortigen muslimischen Führung die bösen und die guten miteinander mehr oder weniger im Krieg sind weiß man eh nachdem man den Artikel gelesen hat

DerAndere34
01
28.12.2011, 12:08

jo

iregndwie hab ich auche das gefühl dass dieser sultan (der uns noch sicher viel freude bereiten wird) genau das gesagt hat was diese schwachmaten von boko haram hören wollen.

ein eindeutig zweitdeutige aussage.

naja, eh egal sind ja nur christen ...

Der Kluge
24
27.12.2011, 21:30

Christen fliehen? Mission accomplished. Wie im Irak, bald Ägypten, Syrien...

Chien de Pique
02
27.12.2011, 20:26

Es wäre wohl das Beste, auch diesen Staat nach den groben religiösen Bruchlinien zu zerlegen.
Interessant und wohl letztlich positiv ist (wie in etlichen anderen afrikansichen Staaten) das Nebeneinander von "traditional leaders" für Identität und Spiritualität und moderner, republikanisch-föderaler Verfassung und Administration.
Übersicht über die verschiedenen Emirate, Reiche usw.:
http://www.kingdomsofnigeria.com/kingdoms.php
http://www.rogerblench.info/Developme... r%2006.pdf

Chien de Pique
00
28.12.2011, 17:42

Gaddafi war ziemlich irre, aber zumindest der Indien- Vergleich ist doch nicht schlecht (wo, wenn auch nur kürzere Zeit, die traditional leaders ebenfalls eine große Rolle spielten). Ganz klar ist, dass man das Problem so nicht lösen, aber zumindest Rückzugsräume und eine gewisse Stabilisierung schaffen könnte. Grenzstreitigkeiten sind allerdings sicher eine realistische neue Dimension des Problems.

odrr
00
28.12.2011, 17:49

die idee gaddafis hatte was.....doch wurde von allen seiten damals in nigeria kritik ausgeuebt.

keine ahnung wo diese religionskaempfe uns noch hinfuehren, siehe heute die christen in bethlehem,die in der kirche "streiten", die moslems in bagdad, die ultraorthodoxen juden in beit schemesch,.........die fundis halten uns schon ziemlich auf trab.....

zebrafuss
01
28.12.2011, 05:20
chapeau, ein schönes hintergrundpapier, das aber zeigt, dass im norden die sogenannten traditional leaders eigentlich immer noch die leaders sind - also in der politik tätig.

gerade dieser sultan of sokoto, der sich auch als oberster religionsführer sieht - ähnlich wie die königin von england bis heute :) - ist eine ganz eigenartige figur. aber mehr noch: die nordischen eliten kontrollieren v.a. den öl-handel - aber eben nicht die nig. national petroleum corp., der der präsident vorsteht und das board sich nicht aus diesen eliten rekrutiert. (der basiskoflikt)

trad. rulers der yoruba sind auch entw. integriert oder verarmter landadel. in igbo-land ist die tradition überhaupt anders: es gab gewählte ortsführer und geistige führer, die sich heute als hüter alter religiös motivierter traditionen sehen (fragwürdige riten etc.).: die "elders"
hier eine umfrage:
http://www.nairaland.com/nigeria/t... 846.0.html

Espen Ruud
07
27.12.2011, 20:21
der Sultan

Gratulation... er bringt das Wort "Terror" wohl nicht über die Lippen. Dieses "Gute Menschen" - "Böse Menschen" (ein Schelm...) lässt schön alle Optionen offen. Anstatt sich klar gegen das Töten von Menschen aus Glaubensfragen zu stellen kommt so eine Wischiwaschi-Antwort.

raff1
00
27.12.2011, 22:32
hat selber angst. kann es ihm nicht verübeln.

Das Kapital ist die wahre Macht
13
27.12.2011, 18:23
Warum nicht nach Europa gehen?

Gutmenschen warten dort schon.

Nichts ist wahr, (fast) alles ist erlaubt
 
00
27.12.2011, 22:18

Ehrlich?
Da würde ich lieber die Gutmenschen dort sehen...

Halbmond
13
27.12.2011, 17:04
Wenn man von Weltall die Erde betrachtet ist sie so friedlich...

und unten angekommen frage ich mich was ist nur aus dieser schönen Erde geworden?

Igor Gassner
00
28.12.2011, 10:08
Die war noch nie friedlich

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