Gerade der davor noch gefeierte John Paulson hat sich mit Wetten auf Bankaktien verspekuliert
Die Turbulenzen an den Märkten haben 2011 viele Hedgefonds auf dem falschen Fuß erwischt. Gerade der davor noch gefeierte John Paulson hat sich mit Wetten auf Bankaktien verspekuliert.
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Wien - Die Hedgefondsbranche hat 2011 Federn lassen müssen. Zwischen Jänner und November haben die spekulativen Anlagevehikel im Schnitt 4,4 Prozent verloren, so der Branchendienst Hedge Fund Research. Die Fonds, die sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen, konnten sich damit dem Sturm an den Kapitalmärkten, der den Weltaktienindex MSCI World knapp zehn Prozent fallen ließ, nicht entziehen. Die Hedgefondsindustrie, die rund 2000 Milliarden US-Dollar verwaltet, enttäuscht damit viele ihrer Investoren, die diese Vehikel kaufen, um unabhängiger von den großen Anlageklassen Aktien und Anleihen zu sein.
40 Prozent der institutionellen Anleger sind mit den Erträgen der Hedgefondsinvestments unzufrieden, wie die Analysten von Preqin, einer international tätigen Beratungsfirma für alternative Investments, in einer aktuellen Umfrage feststellen. Das ist mehr Frust als etwa 2008, als die Kreditkrise auch zu einem drastischen Anschwellen der Pleiten in der Hedgefondsindustrie führte.
Gleichzeitig konnte die Industrie ihre hohen Gebühren auch trotz der aktuellen Krise bewahren. In der Branche gilt die Formel "2/20", also zwei Prozent Managementgebühr und 20 Prozent Gebühr auf die erwirtschafteten Gewinne. Etablierte Fonds verlangen deutlich mehr.
Dabei sagt der Erfolg in der Vergangenheit wenig über die zukünftigen Erträge aus. Die Wetten von Hedgefondsmilliardär John Paulson sind dafür symptomatisch. Paulson machte 2008 und 2009 mehrere Milliarden Dollar Gewinn, denn er setzte auf das Platzen der Immobilienblase in den USA. Der Erfolg in der Kreditkrise lockte immer mehr Investoren an, heute verwaltet seine Firma Paulson & Co. mehr als 30 Milliarden Dollar. Sein Vermögen beläuft sich mittlerweile laut aktueller Schätzung des Magazins Forbes auf 15,5 Milliarden Dollar.
Doch 2011 war ein sehr schlechtes Jahr für Paulson. Mit Wetten auf steigende Bankaktien ist der 55-Jährige eingefahren, denn die Eurokrise hat Banktitel weltweit abstürzen lassen. So hat etwa die Bank of America seit Jahresbeginn rund 60 Prozent an Wert verloren. Zudem hat der Hedgefondsinvestor mehr als 500 Millionen Dollar mit der Aktie des chinesischen Forstunternehmens SinoForest verloren. Vorwürfe bezüglich geschönter Zahlen hatten die Aktie auf einen Sinkflug geschickt.
Absturz und Aufstieg
Der Advantage Plus Fonds aus dem Hause Paulson & Co. hat laut Medienberichten seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent verloren, der Flaggschifffonds Advantage immerhin mehr als 35 Prozent.
Natürlich gibt es auch Fonds, die im schwierigen Kapitalmarktumfeld 2011 stark zulegen konnten. So haben einige Hedgefondsmanager gewarnt, dass die Entwicklung in China nicht nachhaltig sei. Einige wenige haben zu dieser These Produkte lanciert, die gegen China wetten. Angesichts des massiven Kreditbooms in den vergangenen Jahren setzt etwa der Schotte Hugh Hendry darauf, dass einige japanische Zulieferer in Probleme kommen, wenn sich Chinas Wachstum abkühlt. Laut Informationen von Investoren hat der China-Fonds von Hendry's Hedgefondsunternehmen Eclectica Asset Management dieses Jahr 52 Prozent zugelegt. (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2011)