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vergrößern 645x441Afonso Henriques - hier auf einer Darstellung bei der Schlacht in Sacavém - sagte sich 1139 beherzt von Spanien los, erklärte sich zum ersten König Portugals und Guimarães zur Hauptstadt des neuen Reiches.
Anreise: Zum Beispiel mit dem Flugzeug von Wien nach Porto, etwa mit Lufthansa, www.lufthansa.com, oder Air Berlin, www.airberlin. com. Weiter am besten mit dem Mietwagen, von Porto sind es 57 Kilometer nach Guimarães, ca. 30 Minuten Fahrzeit.
Allgemeine Infos zu Portugal: www.visitportugal.com
Foto-Credit: Juntas/wikipedia.org
vergrößern 480x640Unterkunft: Pousada Santa Marinha, Largo Domingos, Leite de Castro, Tel.: 00351/253 511 249. Einmal schlafen wie ein Augustinermönch - nur ganz luxuriös. The Yeatman, Rua do Choupelo, Vila Nova de Gaia, Tel.: 00351/220 133 100. Alles dreht sich um Wein in dem luxuriösen Hotel mit umwerfendem Blick auf die Altstadt von Porto.
Programminfos für Kulturhauptstadt Europas, 21. Jänner bis 31. Dezember 2012: www.guimaraes2012.pt.
Foto-Credit: degsyw/flickr.com unter cc-Lizenz
Auf der Straße nach Guimarães spielt das Autoradio den Song Canção do Mar von Dulce Pontes. Die Sängerin ist eine der Diven des portugiesischen Fado, der von der Unesco gerade zum Welterbe gekürt worden ist. Wie herrlich sehnsuchtsvoll die Melodie klingt, Sehnsucht nach dem Meer. Tatsächlich liegt die Küste von der grünen Hügellandschaft Serra da Penha und der Stadt, die im nächsten Jahr zusammen mit Maribor in Slowenien Kulturhauptstadt Europas wird, weit entfernt. Ein Blues mit arabischem Touch, der hier im Norden, wo die Mauren die kürzeste Zeit verbracht haben, beinahe seltsam klingt. Immerhin gilt Guimarães als die "Wiege der Nation". Von hier drängten die Christen seit dem 12. Jahrhundert die moslemischen Berber von der Iberischen Halbinsel.
Die Geburtsstadt Portugals hat eine umwerfende historische Altstadt und ist dennoch auf der touristischen Landkarte bisher kaum bekannt. Immer stand sie im Schatten der großen Nachbarstadt Porto, die 57 Kilometer südwestlich liegt. Ihr fast unaussprechlicher Name mag seinen Anteil daran haben, der phonetisch etwa so lauten müsste: Gimaraínsch. Einst verträumt, steht Guimarães jetzt auf der Bühne Europas und hat sich für das Megaereignis gut gerüstet.
"Aquí nasceu Portugal" - "Hier wurde Portugal geboren" prangt in markanten Lettern an einem Rest der alten Stadtmauer. Aus der 52.000-Einwohner-Stadt soll jener Teufelskerl Afonso Henriques stammen, der sich 1139 beherzt von Spanien lossagte, sich selbst zum ersten König Portugals und Guimarães zur ersten Hauptstadt erklärte. Bis heute sind die Vimaranenses, wie die Einwohner sich nennen, auf diese Vergangenheit stolz und haben sie eng mit dem Kulturprogramm für 2012 verknüpft. "Wir öffnen unser Herz", sagen sie. Herzen sieht man in Guimarães jetzt an allen Türen und Plakatwänden kleben.
Deshalb führt auch kein Weg an der romanischen Burg vorbei. Die Wehrmauern mit den zackigen Zinnen, den acht viereckigen Türmen und dem 27 Meter hohen Bergfried scheinen einem noch heute die Zähne zu zeigen. Auf dem Weg zum Eingang kommt man am bronzenen Heldendenkmal für Afonso vorbei, das an die Stunde null erinnert. Sein langer Schatten reicht weit in die Gegenwart und zum Largo João Franco, wo vor zehn Jahren eine moderne Gegenstatue des Bildhauers João Cutileiro aufgestellt wurde.
Historisches Pflaster lässt sich in Guimarães kaum umgehen. Fast lückenlos präsentiert der denkmalgeschützte Kern restaurierte Bürgerhäuser und Paläste, zig sehenswerte Kirchen und Klöster - vier mit dem Prädikat: besonders sehenswert -, stimmungsvolle Gassen und Plätze. Die Unesco würdigte das schon im Jahr 2001 mit dem Welterbe-Emblem. "Wir bieten 900 Jahre Geschichte und elf Monate Events", sagt Rui Catarino, Geschäftsführer der Organisation "Guimarães 2012", die für das Kulturprogramm zuständig ist.
Mut zum Experiment
Historisches und Zeitgenössisches in den verschiedensten Darstellungsweisen zu verknüpfen, sei so prickelnd wie der Vinho Verde, der Wein, der für den Norden typisch ist. Mit einem Budget von 25 Millionen Euro wurde ein abwechslungsreicher Kalender für Musik, Theater, Tanz, Literatur, Kunstausstellungen, Kino und mit zahlreichen national und international renommierten Künstlern organisiert, wie etwa dem portugiesische Starregisseur Manoel de Oliveira, Filmemachern wie Peter Greenaway und Jean-Luc Godard, aber auch dem peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.
Auf das große Eröffnungsfest am 21. Jänner folgen 600 kulturelle Veranstaltungen sowie 200 Workshops an zwanzig verschiedenen Austragungsorten der Stadt, viele Open Air. Die Musik-Agenda reflektiert die portugiesische Dimension, wenngleich die großen Fadistas nicht dabei sind. Fado gehört nach Lissabon und Coimbra, für den Norden ist er untypisch. Vielmehr liegt ein starker Akzent auf dem Experimentellen, mit dem Guimarães 2012 Einwohner und Gäste zusammenführen will. So wurden 47 junge Musiker aus Europa eingeladen, um im neu gegründeten Experimentier-Orchester "Fundação Orquestra Estúdio" zu spielen. Ihnen stehen neu geschaffene Künstlerresidenzen zur Verfügung, die Guimarães auch über das Jahr 2012 hinaus zu einem Ort der Kreativität machen sollen. "Die Stadt soll nicht neu erfunden werden, aber wir wollen Brücken bauen für Künstler, Einwohner und Wirtschaft", sagt Catarino.
Im Rathaus rechnet der für Tourismus zuständige Stadtrat Amadeu Portilha mit rund 1,2 Millionen internationalen Besuchern, die vor allem aus Spanien, Brasilien, Japan, Amerika und Mitteleuropa anreisen sollen, sowie vielen Tagesgästen, die am neuen Kreuzfahrtterminal Leixões bei Porto andocken und in gut vierzig Autominuten in der Kulturhauptstadt sein können. "Das Ereignis ist eine große Chance, die Stadt sozial, ökonomisch und urban zu entwickeln", sagt Portilha. Seit Jahren befinden sich die einst florierenden Wirtschaftszweige wie die Textil- und Schuhindustrie im Niedergang. Die Arbeitslosigkeit der Region liegt bei 14 Prozent. Insgesamt spülte der Event rund 100 Millionen Euro in die Stadtkasse, von denen 70 Prozent für die Verbesserung der Infrastruktur, Bildungseinrichtungen und der Lebensqualität eingesetzt werden. Den Löwenanteil übernimmt die EU, dreißig Prozent die portugiesische Regierung, die ihren Anteil wegen der Finanzkrise allerdings gerade zusammengestrichen hat.
Aber auch sonst gibt sich die kleine Stadt mit der großen Geschichte als ehrgeizige Kulturhauptstadt zu erkennen. Die Lust auf Design weht durch manche Straße, sei es in den Geschäften des Kunsthandwerks oder in der Architektur, wo mit leichter Hand denkmalgeschützte Bausubstanz mit Design des 21. Jahrhunderts kombiniert wird. Kein Wunder, denn die Minho-Universität, die Guimarães sich mit Braga teilt, lehrt Architektur und Design. Das im Barockpalast Vila Flor untergebrachte Kulturzentrum erhielt einen ultramodernen Anbau in Würfelform. Wo früher der Wochenmarkt stand, wächst derzeit das neue Kunstforum Centro de Arte heran, ein eleganter Komplex auf 10.335 Quadratmetern, der im Juni 2012 eröffnet werden soll.
Ob alles rechtzeitig fertig wird? Baustellen gibt es viele, sagt man sich in Zeiten der Finanzkrise. Und so lassen sich die Vimaranenses weiter gelassen Stockfisch und Zicklein schmecken, die in den Restaurants unter mittelalterlichen Arkaden serviert werden. Die Flaneure schlendern in der Haupteinkaufsstraße Rua de Santo António und über den neu gestalteten Largo do Toural, dem zentralen Platz, wo das typisch portugiesische schwarz-weiße Muster im Kopfsteinpflaster dem ungeliebten Design-Grundriss der Altstadt weichen musste.
Am Largo da Oliveira hat dagegen seit Jahrhunderten alles seinen festen Platz. Wie in einem Wohnzimmer, irgendwie kuschelig. Rundum reihen sich zweistöckige Fassaden mit Holzbalkonen, Gitterfenstern und granitgerahmten Türen, die Kirche Nossa Senhora da Oliveira aus dem 14. Jahrhundert und ein Olivenbaum, der dem ältesten Platz den Namen gab. (Beate Schümann/DER STANDARD/Printausgabe/24.12.2011)
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Bis tief ins 18. Jahrhundert hinein war Spanien lediglich ein geografischer Begriff, der mit dem heutigen "Iberische Halbinsel" gleichzusetzen ist. Erst dann wurde der Terminus als Staatsname übernommen, als sich Karl III. (Carlos III) als erster "König von Spanien" nannte.
"Die portugiesische Sprache entwickelte sich im Westen der iberischen Halbinsel aus einer Form der gesprochenen lateinischen Sprache (Vulgärlatein), die von römischen Soldaten und Siedlern seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. auf die Halbinsel gebracht worden war. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches begann sich das Galicisch-Portugiesische unter Einfluss der vorrömischen Substrate und der späteren Superstrate getrennt von den übrigen romanischen Sprachen zu entwickeln. Ab dem 11. Jahrhundert sind schriftliche Dokumente überliefert, die auf Portugiesisch abgefasst wurden. Bis zum 15. Jahrhundert hatte sich die portugiesische Sprache zu einer reifen Sprache mit einer reichen Literatur entwickelt."
im 12. Jahrhundert nicht gegeben hat, und sich die portugiesische Nationalsprache aus dem Galicischen entwickelt hat, während das Kastilische (manchmal irrtümlich als "Spanisch" bezeichnet) es nicht einmal unter Francos rigoroser Sprachpolitik geschafft hat, alleinige Muttersprache aller Spanier zu werden.
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