3D-Bilder aus der Nanowelt

27. Dezember 2011, 13:07

Neues Analyseverfahren misst Atomabstände in Halbleitern und klärt biologische Strukturen auf

3D-Bilder aus der Nanowelt liefert ein neues Verfahren, das ein internationales Wissenschafter-Team mit Beteiligung von Linzer Wissenschaftern entwickelt hat. Das Mikroskop macht Nanometer-kleine Strukturen (Nanometer bedeutet ein Milliardstel Meter, Anm.) sichtbar. Es lassen sich damit Eigenschaften von Halbleitern ebenso studieren, wie hochauflösende dreidimensionale Darstellungen von biologischen Proben liefern. Die Entwicklung wurde kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature Communications" vorgestellt.

Synchrotron-Strahlung

Die Wissenschafter nutzen für ihr Verfahren sogenannte Synchrotron-Strahlung. Diese entsteht in einem Teilchenbeschleuniger (Synchrotron), in dem geladene Teilchen fast auf Lichtgeschwindigkeit gebracht werden. Magnetfelder halten die Teilchen dabei auf einer kreisförmigen Bahn, beschleunigt werden sie von einem elektrischen Feld. Das Wissenschafterteam, darunter Julian Stangl vom Institut für Halbleiterphysik der Universität Linz, nutzt dazu einen Teilchenbeschleuniger der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble, Frankreich, eine gemeinsame Forschungseinrichtung von 19 Staaten, darunter Österreich.

"Am CERN ist das ein unerwünschtes Abfallprodukt"

Doch Stangl und seine Kollegen interessieren sich gar nicht für die rasenden Teilchen, in ihrem Synchrotron-Experiment sind das Elektronen. Sie benutzen bloß die hochenergetische Röntgenstrahlung, die frei wird, wenn die Teilchen von den Magneten auf die Kreisbahn gezwungen werden. "Für einen normalen Teilchenbeschleuniger am CERN ist das ein unerwünschtes Abfallprodukt", so Stangl im Gespräch mit der APA. "Am Synchrotron der ESRF benutzen wir die Strahlung für unsere Experimente."

Röntgenstrahlen

So können die Wissenschafter einen Röntgenstrahl von sehr geringem Durchmesser erzeugen, der die Probe abtastet. Der Röntgenstrahl wird von den Atomen der Probe gebeugt und ein Detektor zeichnet das Beugungsmuster auf. Aus einer Serie solcher Beugungsmuster berechnet ein Computer die dreidimensionale Struktur der Probe. Die Auflösung des Bilds ist dabei feiner, als der ursprüngliche Röntgenstrahl dick ist. Linse benötigt das Synchrotron-Mikroskop keines, so die Forscher.

Direkt aus den Messdaten die Struktur der Probe berechnen

"Mit dem von uns entwickelten Analyseverfahren kann man direkt aus den Messdaten die Struktur der Probe berechnen. Bei anderen Verfahren muss man zuerst ein Modell entwerfen, und es so lange in einer Computer-Simulation verbessern, bis es zu den Messdaten passt. Das ist furchtbar mühsam, und es kommt dabei nichts heraus, das nicht in der Modellannahme steckt", so Julian Stangl vom Institut für Halbleiterphysik der Universität Linz. Doch auch die Messungen mussten die Forscher anpassen, damit sie die Daten mit dem neuen Analyseverfahren überhaupt auswerten können, sagt Stangl.

Struktur von Halbleitern

Die Wissenschafter untersuchten mit dem neuen Verfahren die Struktur von Halbleitern. "Was man bei Halbleitern wissen möchte, sind die Abstände zwischen den Atomen. Sie beeinflussen beispielsweise, wie schnell sich elektrische Ladungsträger im Halbleiter bewegen, und damit, wie schnell ein Bauteil schalten kann. Mit Röntgenbeugung kann man die Atomabstände in den Halbleiterkristallen sehr genau messen", so Stangl. An einem Synchrotron kann man gleich mehrere Proben messen. Während man an einem Messplatz Halbleiter untersucht, kann man auf einem anderen die Struktur von biologischen Makromolekülen, zum Beispiel von Enzymen unseres Körpers, bestimmen. (APA)

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