GIS, Tiroler Gebietskrankenkasse und Parteien als Hacker-Ziele
Die heimische IT-Welt stand heuer spätestens seit dem
Sommer im Bann der Hackergruppe Anonymous. GIS, Tiroler
Gebietskrankenkasse sowie politische Parteien waren die
prominentesten Opfer. Neben der Empörung über die Angriffe war eine
weitere Reaktion eine intensive Diskussion darüber, wie viele Daten
der Bürger gespeichert und vor allem wie sicher diese vor
unerwünschten Zugriffen sind.
SPÖ und FPÖ
1. Juli - Die Webseiten von SPÖ und FPÖ werden attackiert. Statt
der Startseite der Sozialdemokraten ist über Stunden das Logo der
Hackergruppe Anonymous sichtbar. Die SPÖ-Seite wird so stark
beschädigt, dass teils eine Neuprogrammierung notwendig wird. Auch
Benutzerdaten werden gekapert. Die FPÖ-Homepage ist nicht erreichbar
und wird am 11. Juli erneut Ziel der Hacker.
GIS
12. Juli - Anonymous schlägt wieder einmal zu und hackt die
Homepage der GIS (Gebühren Info Service). Unter http://www.gis.at ist
statt der Startseite das Logo der Hacker sowie ein blaues Pony zu
finden. Außerdem publiziert Anonymous einen "kleinen Auszug" privater
Adressen inklusive Geburtsdaten von Gebührenzahlern aus den Reihen
der Polizei und des Innenministeriums. In einem anonymen Email
berichten die Hacker, dass sie auch ein komplettes Backup der
GIS-Datenbank erstellt hätten. Tatsächlich wurden 214.000 Datensätze
gestohlen, darunter 96.000 mit Kontodaten, wie die
GIS-Verantwortlichen nach Tagen einräumen.
Die Grünen
28. Juli - Nun werden auch die Grünen Opfer der
Online-Aktivistengruppe. Die Bundespartei teilt mit, dass ihre
Webseite Ziel eines Hacker-Angriffs war. Dies habe Anonymus via
"versteckter Nachricht" auf dem Grünen Webserver bekanntgegeben, die
man gefunden habe. Die Hacker verschaffen sich Zugriff auf insgesamt
13.000 Login-Daten von Admins und Usern und kopieren zudem die Daten
von Unterstützern öffentlich zugänglicher Online-Petitionen. Nur
wenige Tage später wird die Homepage neuerlich attackiert.
Facebook
11. August - Geht es nach einem Teil der Hacker-Gruppe Anonymus,
so soll Facebook am 5. November das Gesicht verlieren. Wie die
Aktivisten in einem Video ankündigen, wollen sie an diesem Tag mit
der "Operation Facebook" zum Großangriff auf den Social
Media-Giganten blasen und ihn "vernichten".
12. August - Ein Anonymous-Mitglied meldet sich bei der APA und
teilt mit, dass es sich bei der angekündigten Facebook-Attacke um
einen Fake handeln würde. Die Hacker-Gruppe würde nie ein Datum und
ein Ziel nennen, das entspräche einfach nicht ihrem Stil und würde
auch nur Gegenmaßnahmen ermöglichen. Tatsächlich bleibt der
angekündigte Angriff im November aus.
IRC
21. August - Anonymous wird nach Angaben eines ihrer Mitglieder
selbst zum Opfer: Der IRC (Internet Relay Chat, Anm.) Server
irc.anonops.li, das (frühere) Hauptkommunikationsmedium, wird
gehackt. "Anonymous ist nun völlig unkoordiniert unterwegs. Keiner
weiß, was passiert, oder besser: Was wird nun passieren", so der
Insider zur APA.
Zum Angriff bekennt sich das Hacker-Team TeamPoison. Von diesem
werden im Internet die persönlichen Daten der wichtigsten Mitglieder
von Anonymous und der Hackergruppe Lulzsec veröffentlicht - samt
Login-Daten inklusive Passwort. Nicht gerade schmeichelhaft
beschreibt TeamPoison Anonymous und Lulzsec als "unterbelichtete
Vollidioten".
Polizei
26. September - Der Österreich-Ableger von Anonymous, AnonAustria,
veröffentlicht die Daten von rund 25.000 Polizisten im Netz, die von
einem polizeinahen Verein stammen. Die Gruppe stellt in Abrede, dass
sie die betroffene Seite gehackt hätte - die Daten seien ihnen
vielmehr "zugänglich gemacht" worden.
Tiroler Gebietskrankenkasse
28. September - AnonAustria schlägt erneut zu und veröffentlicht
die Daten von Personen, die bei der Tiroler Gebietskrankenkasse
versichert waren. Unter den Betroffenen sind u.a. Schlagersänger
Hansi Hinterseer, Schauspieler Tobias Moretti und Skifahrerin Nicole
Hosp. AnonAustria betonte auf ihrem Twitteraccount, dass sie die
Daten von 600.000 Versicherten nicht durch einen Hack erhalten,
sondern dass sie "zufällig darüber gestolpert seien".
Anonymous veröffentlicht neuerlich Daten via Twitteraccount.
Betroffen sind offenbar alte Daten von Ministerien, eine Umfrage der
Stadt Wien, aber auch das Strahlenregister.
WKÖ
4. Oktober - Die Web-Piraten legen 6.200 Kundendaten der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) offen. Dabei handelt es sich um
eine Datenbank des Fachverbands der Immobilien- und
Vermögenstreuhänder. (APA)