Präsident Peres ruft zum Protest gegen religiöse Fanatiker auf

Bericht | Anna Giulia Fink, 27. Dezember 2011, 20:22
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    Demonstration in Beit Shemesh gegen die Frauendiskriminierung von ultra-orthodoxen Juden.

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    Proteste außerhalb einer Synagoge in Beit Shemesh.

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    Die beiden Herren hatten sich offenbar einiges auszurichten.

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    Ultra-Orthodoxe in Beit Shemesh.

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    Das Schild weist Frauen darauf hin, sich angemessen zu kleiden.

Tausende Israelis auf Demonstration - Erneut Zusammenstöße zwischen Polizei und Ultra-Orthodoxen

Beit Shemesh - Israels Staatspräsident Shimon Peres hat seine Landsleute aufgerufen, religiöse Fanatiker in die Schranken zu weisen. Hintergrund ist der eskalierende Streit um die von ultra-orthodoxen Juden geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. "Die gesamte Nation muss mobilisiert werden, um eine Mehrheit aus den Händen einer kleinen Minderheit zu befreien", sagte Peres am Dienstag laut der israelischen Tageszeitung Haaretz. Er rief dazu auf, an der für heute geplanten Demonstration gegen religiöse Fanatiker in Beit Shemesh, südwestlich von Jerusalem, teilzunehmen. Mehrere tausend Israelis folgten seinem Aufruf am Dienstag Abend.

"Kampf um das Wesen Israels"

Der Parlamentarier der linken Meretz-Partei, Nitzan Horowitz, bezeichnete die Debatte über die Rechte der Frauen als Kampf um das Wesen Israels. "Hier steht nicht ein einzelner Stadtteil oder eine bestimmte Buslinie auf dem Spiel, sondern der Charakter des Staates. Wird Israel ein fortschrittliches und demokratisches Land sein oder eine abgeschottete und rückständige Gesellschaft?", sagte der Politiker bei der Kundgebung. Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie: "Israel soll nicht wie der Iran werden" oder "Die Mehrheit bricht ihr Schweigen".

Vorgeschichte: Auseinandersetzungen mit Polizei

Mehrere hundert ultra-orthodoxe Juden hatten sich am Montag in Beit Shemesh gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Demonstranten hatten lautstark eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben gefordert. Dabei war nach Polizeiangaben ein Beamter leicht verletzt worden, mindestens sechs Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen. Mehrere Polizisten und Journalisten waren Augenzeugen zufolge attackiert worden, Mülltonnen seien in Flammen aufgegangen.

Angriffe auf Kamerateams

Den Auseinandersetzungen war der Notruf eines Fernsehteams des Senders Channel 10 vorausgegangen. Das Team hatte am Montag in der Stadt einen Beitrag über Bildung gefilmt und war anschließend laut Polizeiangaben von protestierenden Haredi, also Angehörigen des ultra-orthodoxen Judentums, umzingelt worden. Einige Stunden zuvor waren Polizisten und Beamte ebenfalls von Haredi-Angehörigen umzingelt worden, während sie versucht hatten, Schilder auf einer Straße zu entfernen, die Männer und Frauen dazu aufriefen, unterschiedliche Gehsteige zu benützen.

Erst vergangenen Sonntag war ein Kamerateam von 200 Ultra-Orthodoxen angegriffen worden, als es Schilder filmte, die Frauen aufforderten, nicht vor der Synagoge stehen zu bleiben. Die Polizei verstärkt ihre Patrouillen in Beit Shemesh nun.

Für Dienstag wurde eine Kundgebung gegen die Ausgrenzung von und Gewalttaten gegen Frauen durch die Ultraorth-Odoxen angekündigt. Mehr als 10.000 Menschen werden erwartet, schreibt die israelische Tageszeitung Haaretz. Busse aus Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und anderen Städten sollen weitere Demonstranten nach Beit Shemesh bringen, das Geld dafür stamme aus Spenden.


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"Heute steht nicht nur unsere Polizei auf, sondern wir alle als Nation. Wir alle - Religiöse, Säkulare, Traditionelle - müssen den Charakter unseres Landes gemeinsam verteidigen gegen eine Minderheit, die die nationale Sicherheit gefährdet", sagte Präsident Peres weiter gegenüber Journalisten. Angesprochen auf die Ultra-Orthodoxen in Beit Shemesh, befand Peres: "Sie sind nicht grenzenlos mächtig (wörtlich "not the masters of the earth"), schreibt Ynetnews, ein Nachrichtenportal, das von der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth, betrieben wird.

Haredi machen in Israel rund zehn Prozent der Bevölkerung aus, in zehn Jahren soll sich ihre Anzahl verdoppeln. Eine ultra-orthodoxe Familie besteht im Durchschnitt aus sieben bis acht Kindern. Zwischen 60 und 70 Prozent der Väter gehen keiner Arbeit nach, sondern werden vom Staat finanziert und widmen sich dem Studium der Tora.

Frauenrechte

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Sonntag daran erinnert, dass Israel eine "westliche liberale Demokratie" sei, in der für Diskriminierung kein Platz sei. Vielen geht die Vorgangsweise gegenüber den Ultra-Orthodoxen im Land nicht weit genug, der israelische Staat sei zu nachgiebig ihnen gegenüber, wenn es um Frauenrechte geht.

Die Ultraorthodoxen stellen sich gegen das Recht auf Gleichheit von Männern und Frauen und die Frauenrechte, auch wenn diese in der israelischen Verfassung festgehalten sind. In Buslinien etwa haben sie eine strikte Geschlechtertrennung durchgesetzt, die jedoch in jüngerer Zeit immer wieder von Frauen in Frage gestellt wurde. In israelischen Medien häuften sich daher zuletzt Berichte über Aggressionen gegen ultra-orthodoxe Frauen, die sich der Rangordnung nicht unterwerfen wollten.

Die Haredi-affine Zeitung Yated Ne'eman, in Besitz der United Torah Judaism Partei warf Netanyahu zur gleichen Zeit vor, seine "loyalen Partner zu verraten". Moshe Gafni, United Torah Judaism-Abgeordneter in der Knesset, dem israelischen Parlament, warnte den Premier ganz offen davor, ihn im Falle "mangelnder Unterstützung" bei den kommenden Wahlen nicht mehr zu unterstützen. (fin, derStandard.at, 27.12.2011)

Kommentar posten
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Mehmet Ülker
43
28.12.2011, 20:21
Orthodoxe hin, Orthodoxe her... wie rückständig eine Religion auch sein mag...

...aber sogar diese ultra-orthodoxen Juden machen einen tausendmal zivilisierteren Eindruck als die Scharia-Anhänger.

In Israel kann man gegen die Orthodoxen demonstrieren, gegen sie agieren, propagieren...

In der islamischen Welt jedoch selten ohne tödlichem Ausgang. Wer gegen Scharia-Fundis kämpfen will, riskiert praktisch sein Leben...

Das ist der Unterschied. Weil der Islam dessen Verbreitung und Praxis um jeden Preis und mit Gewalt auf seinen Banner geschrieben hat.

Wer diese Tatsache nicht erkennen will, steckt seinen Kopf in den Sand.

Tomás Borge
00
13.4.2012, 07:56
...bin dafür diesen Radikalen

freie Ausreise nach Afghanistan zu ermöglichen.

Dort können sie sich dann mit den Taliban verbünden.

Hans Meier459
13
29.12.2011, 16:09
In Israel kann man gegen die Orthodoxen demonstrieren,

ja solange bis sie nicht mehr als nur 10 Prozent ausmachen. Hier meinen 10 Prozent, man muß sich nach ihnen richten.

Wrdl Wrldbrmpfd
00

Wie gesagt: sie "meinen" man müsste sich nach ihnen richten und andere haben eine andere Meinung. Wenn Sie den Unterschied zwischen einer Meinung und einem Schlagstock nicht kennen, dann haben Sie diesen Unterschied noch nie erlebt.

Potator
32
28.12.2011, 13:58
Fundamentalisten

Im arabischen Raum und sogar in den USA gibt es weit mehr Fundamentalisten als in Israel. Dort würde - anders als in Israel (Peres) - kein Präsident sich trauen die Bevölkerung zum Protest gegen die Fundis aufzurufen. Man darf auch nicht vergessen, dass die Mehrheit aller Juden entweder säkular ist oder der Reformbewegung angehört und gerade im modernen Judentum gibt es keine Frauendiskriminierung!

SK26
01

und damit das so bleibt muss man die fundamentalisten in ihre schranken weisen

Der Waehlerwille
 
34
28.12.2011, 13:49
Israel kämpft gegen die Extremisten im eigenen Land.

In den Nachbarländern tut man dies vorsichtig formuliert... "eher nicht".

Tomás Borge
01
13.4.2012, 07:57
...aber durchgeknallte radikale Siedler

werden nicht juristisch bearbeitet.

Wrdl Wrldbrmpfd
00

Das war brillant.

the cato eater
03
28.12.2011, 13:14
ein großes problem israels liegt

im wahlsystem das keine mindestklausel für den parlamentseinzug wahlwerbender parteien kennt. so kann jede mikrosplittergruppe, wenn auch nur mit einem abgeordneten, in der knesset einziehen. zusammen können dann derartige politsekten so etwas wie das zünglein an der waage werden und ständig die politische arbeit mit ihrem archaischen jenseitsschrott stören und müll absondern der mehr mit den taliban als sonstwem gemeinsam hat.

bereits in der weimarer republik hatte dieser missstand fatale konsequenzen. da im parlament zeitweise bis zu 30 fraktionen vertreten waren, die einander bei jeder gelegenheit blockierten, war es für hitler ein leichtes ein demokratisches parlament als "quatschbude" zu diskreditieren. das zog beim primitivpöbel.

Timagoras
 
53
28.12.2011, 11:58

religiöse fanatiker, die den staat in dem sie leben ablehnen, werden von eben diesem staat (nicht nur finanziell) unterstützt und hofiert.

wieso eigentlich? das ist doch völlig absurd.
das wäre so, als würde man in Österreich das Engelwerk oder die VAPO finanziell fördern und deren mitglieder mit sonderrechten unterstützen.

Der dicke Michl
21
28.12.2011, 14:08

Seit wann fördert Österreich kirchliche Gruppen nicht mehr? Die anerkannten Gruppen genießen Sonderrechte, zumindest bei der Gewinnbesteuerung.

Timagoras
 
52
28.12.2011, 15:53
"Die anerkannten Gruppen genießen Sonderrechte, zumindest bei der Gewinnbesteuerung"

.
und seit wann lehnen diese "anerkannten gruppen" in Österreich den österreichischen staat ab?

was haben Sie an
"religiöse fanatiker, die den staat in dem sie leben ablehnen"
nicht verstanden?

bitte zeigen Sie mir die religiösen gruppen in Österreich, die diesen staat ablehnen bzw. bekämpfen, und trotzdem vom staat gefördert und finanziert werden.

als kleine lernhilfe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neturei_Karta

abgesehen davon halte ich es für durchaus unangebracht, dass religiöse vereine und sekten in Österreich (bzw. Europa) überhaupt irgendwelche sonderrechte, vergünstigungen und zuwendungen erhalten.

Der dicke Michl
30
28.12.2011, 22:32

Also wenn ich das, was unter Ihrem Link steht, korrekt interpretiere, dann lehnen diese Leute nicht "den Staat" als solches, sondern lediglich den Staat Israel als Judenstaat ("ein Königreich"), also als nicht-säkularen Staat, ab. Wäre Israel irgendein anderer Staat ("Exil"), dann hätten die kein Problem damit. Ich finde das nicht so schlimm. Denn ein moderner Staat sollte grundsätzlich säkular und Religion Privatsache sein.

Und wenn wir schon so genau sind (wie Sie): Seit wann ist die VAPO eine Religionsgemeinschaft?

Timagoras
 
02
28.12.2011, 23:23
"dann lehnen diese Leute nicht "den Staat" als solches, sondern lediglich den Staat Israel"

.
richtig.
und ich habe Sie gefragt, welche - vom staat geförderte und unterstützte - gruppen in Österreich den staat Österreich ablehnen bzw. bekämpfen (und ich bezog mich dabei nicht auf ausschließlich religionsgemeinschaften).

die antwort blieben Sie mir wohl schuldig? ;o)

drKannibalFekter
 
25
28.12.2011, 12:29
wieso eigentlich?

so absurd ist das leider doch nicht. die politik hat diese fanatiker genutzt um land zu erobern, weil die siedler genau zu dieser gruppe gehören. die geister die man rief sind jetzt stark und wollen mehr macht.

Wrdl Wrldbrmpfd
00

Da irren Sie. Diese Fanatiker leben seit 3500 Jahren in Irael. Dazu gesellen sich einige US-Fundis, die glauben, jeder Jude, der nicht so lebt wie zu Zeiten von König David, ist ein Warmduscher.

Timagoras
 
32
28.12.2011, 12:40
"die geister die man rief sind jetzt stark und wollen mehr macht."

.
dann gehören sie eben in die schranken gewiesen.
"wehret den anfängen" gilt auch für aufkommenden religiösen fundamentalismus (und nicht nur in Israel).

antworten, statt bewerten
01
28.12.2011, 10:35

Man muss sich ernsthaft darüber Gedanken machen, wohin diese Art der bdinggslosen Staatsunterstützung führt! Das meine ich nicht ironisch; klar, es wird nicht auf die ganze Gesellschaft angewandt, deshalb ist die Aussagekraft beschränkt, aber man sieht doch (anscheinend) was passiert, wenn die Männer nicht arbeiten müssen, und das auch noch religiös gedeckt ist!
Vom Hackeln wird man vielleicht nicht so weise wie vom Studium des Glaubens, dafür aber meist auch nicht so verrückt!

Timagoras
 
20
28.12.2011, 12:18
"Vom Hackeln wird man vielleicht nicht so weise wie vom Studium des Glaubens"

.
da bin ich mir gar nicht mal so sicher. oft ist es vermutlich sogar umgekehrt ;o)

denke
00
28.12.2011, 10:26

Das Problem haben sie durch die Freistellung religiöser Frauen vom Militärdienst selbst geschaffen.
Wenn sie das nicht abstellen, haben die Ultras bald die Mehrheit.

fibiundchillie
13
28.12.2011, 09:42
Staatspräsident ruft die Bürger seines Landes dazu auf,

die Fanatiker in die Schranken zu weisen.

In welchem Nachbarstaat Israels hörte man jemals solches, vom dortigen Staatsoberhaupt?

Gurben Gurben
00

Das fragen sie am besten die die Länder die solche Regime installierten und unterstützen.

alessandro di aqua
00
28.12.2011, 09:38
jede Art von Radikalismus ist entschieden abzulehnen

schade um das ansonsten sehr liberale Israel - wenn man einmal Tel Aviv und Jerusalem gesehen hat, dann merkt man die enormen Unterschiede zwischen den beiden Städten und das nur in so geringer Distanz

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