Ist der Zug für Windows Phone 7 abgefahren?

27. Dezember 2011, 11:37
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Weiterhin maue Verkäufe - Ex- Windows Phone Manager: "Microsoft buckelt nicht vor Mobilfunkern"

Die Verkaufszahlen sprechen eine klare Sprache - Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 (WP7) verkaufen sich nur schwer.
Auch der Marktstart des ersten WP7-Handys von Nokia, dem Lumia 800, ändert offensichtlich nichts daran.

0.17 Prozent aller Verkäufe in Großbritannien

Dies belegen aktuelle Zahlen aus Großbritannien, wo Android- und Apple-Geräte die Verkaufscharts anführen.

Gedanken

Charlie Kindel, ehemaliger General Manager der Windows Phone Group und einer der prominentesten Entwickler von Microsoft machte sich in einem Blogeintrag Gedanken über die Erfolge und Fehlschläge von Windows Phone 7. Seine Gedanken sind im Online-Blätterwald auf reges Interesse gestoßen.

Anfang des Jahres verließ Kindel den Redmonder Konzern, um sein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Produkt, das er hinter sich gelassen hat, behält er allerdings weiterhin im Auge. So hat er in seinem aktuellsten Blogeintrag erklärt, warum seiner Meinung nach Windows Phone bisher keine großen kommerziellen Erfolge feiern konnte. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass es sich um ein großartiges Produkt handelt.

Auf Kosten der Nutzer

Häufig wird er gefragt, wieso er diese Meinung vertritt, und wo dann der erhoffte Erfolg am Markt bleibt. "Ich glaube Microsofts Umgang mit Mobilfunkanbietern und Herstellern ist problematisch, während Google Spannungen mit Mobilfunkanbietern und Herstellern auf Kosten der Nutzer niedrig hält. Die Frage ist nur: Wird die Unzufriedenheit der Endnutzer mit Androids Widersprüchen und Aufteilungen soweit ausufern, dass sich dann schließlich doch das bessere Produkt durchsetzt?" 

"Positiver Kreislauf"

Dass Windows Phone bisher eine Aufteilung vermieden hat, hat laut Kindel einen Grund: Gerätehersteller, Mobilfunker, OS Anbieter und Endkonsumenten arbeiten in einem positiven Kreislauf. Das bedeutet, dass jeder am Markt von den anderen Teilnehmenden profitiert und selbst auch Beiträge leistet. So werden Spannungen niedrig gehalten und der Kreislauf wächst - gleich einem Schneeballeffekt. Je mehr Seiten ein Markt aber hat, desto schwieriger wird das System und desto schwieriger wird es für den Kreislauf, so der ehemalige Microsoft-GM.

Marktanteile

Kindel zufolge zerdrückt Android iOS und Windows Phone 7 bei Marktanteilen, weil seine offene Plattform Herstellern und Mobilfunkbetreibern erlaubt, mit allem davonzukommen, während sie Dutzende Geräte pro Jahr hinausschmettern. 

Android "bückt sich"

Google sei mit Android deshalb so erfolgreich (in der Stückzahl) weil Android Spannungen zwischen den Marktufern niedrig hält. Android "bücke sich" vor Geräteherstellern sowie Mobilfunkern. Hersteller können so tun, was sie am besten können, nämlich eine Menge Geräte produzieren. Genauso wie Mobilfunkbetreiber, die der Vermarktung von Geräten nachgehen. "Meine Hypothese", sagt Kindel, "ist, dass Google mit Android zu viel Aufteilung ermöglicht, was die Endnutzer früher oder später verrückt macht." 

Mittelfinger

Auf der anderen Seite könnte WP7 auf jedem Gerät lizenziert werden, Microsoft hat Spezifikationen, die alle Hersteller befolgen müssen, um das beste Nutzererlebnis zu gewährleisten. Indem Microsoft mit Windows Phone einen anderen Zugang hat, und Geräteherstellern und Mobilfunkern quasi den Mittelfinger ausstreckt, weil sie sich an diese Spezifikationen halten müssen, zeigen sich beide Seiten zögerlich. Besonders die Mobilfunker, die jährlich Milliarden für Marketingkampagnen ausgeben, und dann auch entscheiden, welche Geräte ihre Händler im Verkauf antreiben sollen. 

Kein Update

Microsoft sei zwar bei Design von Soft- und Hardware nicht so perfekt wie Apple, aber seine Vorgehensweise ist immer noch besser als die Hersteller und Mobilfunker wie irre durcheinander laufen zu lassen. Und damit ein massives Zersplitterungsproblem zu erzeugen. So kommt es zu kaum ein Jahr alten Smartphones, die die aktuellsten Updates vermissen. Damit weist Kindel auf die Ankündigung Samsungs, die Galaxy S Reihe nicht mit dem aktuellsten Android-Update Ice Cream Sandwich auszustatten. 

Zu spät?

Microsoft hingegen handle ausbalanciert. Der Machtkampf zwischen Mobilfunker, Hersteller und Entwicklern von Betriebssystemen sei ausgewogen. Allerdings könnte es zu spät sein, so Kindel. Wäre Windows Phone 2007 oder 2008 gestartet, sähe die Situation anders aus. Der Marktstart fiel aber auf 2010. Mit dem Nokia Lumia 800 könnte Windows Phone richtig durchstarten. Wenn Nokia bei der Marketingstrategie daneben haut, wird es Windows Phone mit sich in die Tiefe ziehen. (red, derStandard.at, 27.12.2011)

  • Das Lumia 800 und das Android-Vorzeigegerät Galaxy Nexus - Neben dem iPhone die aktuellen Top-Modelle der Smartphone-Welt.
    foto: standard/cremer

    Das Lumia 800 und das Android-Vorzeigegerät Galaxy Nexus - Neben dem iPhone die aktuellen Top-Modelle der Smartphone-Welt.

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