Integrationspolitik

Zu viele Türken?

Leser-Kommentar | 27. Dezember 2011, 10:17

Politische Bildung und die Blendgranaten der Mehrheitsgesellschaft

Die kürzlich veröffentlichte Studie zum Meinungs- und Wertebild der Wiener Jugend ist in der Tat erschütternd und für die türkische Community in Österreich mehr als besorgniserregend. In der Tat sind die Ergebnisse für Politik und Medien eine schallende Ohrfeige. Nicht etwa weil es derlei Gedanken in der Jugend gibt, sondern weil sich Politik und Medien jahrelang vor einer wirklichen Verantwortung allen (!) Menschen in Wien und Österreich gegenüber gedrückt haben und lieber auf billigen Stimmenfang gingen oder eben umstandslose Auflagensteigerung betrieben haben.

Neubildung der verspielten vertrauensbildenden Maßnahmen?

Denn das Ergebnis der Studie scheint in Zahlen zu bestätigen, welches Thema genau tatsächlich die TürkInnen in Österreich bislang dazu brachte sich emotional unwohl zu fühlen. Die Wahrnehmung des für "zuviel" empfunden werdens. Der Türke versuchte es jahrelang zu erklären, eine Studie hat es in Zahlen ausgedrückt.

Jugend in Schutz nehmen

Es gilt, im Zuge der Veröffentlichung dieser Studie eine Jugend in Schutz zu nehmen, die ja von Kindesbeinen an den "bösen Türken" als Feindbild einer ansonsten angeblich zivilisierten und friedvollen "österreichischen" Welt konstruiert und hingestellt bekommen hat: Der Türke wurde ja schuldig gemacht für alle Unannehmlichkeiten einer globalisierten und schnelllebigen Welt, da er sowohl für schlechte PISA-Ergebnisse verantwortlich sein soll, wie auch für allgemeine Kriminalität oder etwa erhöhte Rindfleischpreise im letzten Sommer. Der Türke ist stets der erste Tatverdächtige - nicht nur für Krone & Co.

Ergebnis: Antisemitismus und Turkophobie?

Nun durften wir lesen, was ein mögliches Gegengift für demokratiegefährdende Tendenzen in den Köpfen unserer Jugendlichen sein könnte: Ein paar extra Stunden politische Bildung (- also Zeitung lesen, oberflächliche Gespräche über Demokratie und gesellschaftlichen Frieden führen und Dokumentationen über die NS Vergangenheit der deutschsprachigen Länder ansehen). Das ist zu wenig, denn das kann auch nicht als Gegengift wirken, da es offensichtlich lediglich Symptome einer Krankheit erkennt, aber nicht die eigentliche Ursache. Antisemitismus und Turkophobie sind in erster Linie die traurigen Ergebnisse einer problematischen politischen wie auch medialen Kultur in diesem Land. Nur in dem Maße wie es alltäglich geworden ist, "den Türken" als Gegenentwurf zu allem Guten zu machen, konnte sich ein entsprechendes Bild in den Köpfen unserer Jugend bilden.

Zeit für Paradigmenwechsel

Auch wenn manche Politiker und Journalisten versucht sein werden, die Schuld wiederum zu „exportieren" und sie etwa bei türkischen "Banden" und gewalttätigen Erfahrungen der Jugend mit eben diesen in den Parks und Plätzen dieser Stadt zu lokalisieren, werden sie dennoch an der Lächerlichkeit dieser Konstruktion nicht herum kommen oder anders gesagt: So viele Parks und Plätze und böswillige Banden gibt es in dieser Stadt gar nicht, die ein solches Ergebnis auch nur ansatzweise erklären könnten.
Politische Bildung wird eine ehrliche Verantwortung der Schaltzentralen unserer Demokratie nicht ersetzen können, auch ist es eine zweifelhafte Bürde, die Politiker und Journalisten den LehrerInnen damit auf bürden. In erster Linie müssen sich die Medien und Parteien dieses Landes nun ernsthafte Gedanken machen, ob ihre Art und Weise mit Türkei-relevantem umzugehen, demokratie-tauglich und vor allem redlich ist.

Auch die Köpfe in den Amtsstuben und Redaktionen dieser Republik haben auch zu rauchen, es gibt keine Alternative zu einem regelrechten Paradigmenwechsel mehr. Insbesondere in Zeiten wirtschaftspolitischer Ungewissheit kann jeder Funken einen gesellschaftlichen Großbrand auslösen und dem ist zuvorzukommen; denn das ist die eigentliche Verantwortung unserer Medien und Parteien, also nicht nur Parteienfinanzierungen und Presseförderungen einzustreichen, sondern verantwortungsvoll und redlich der österreichischen Gesamtgesellschaft - in all ihren Facetten und ohne Ausschluss "der" Türken - zu dienen. (Leser-Kommentar, Ercan Karaduman, derStandard.at, 27.12.2011)

Links zum Thema

Über den Umgang mit Umfragedaten

Verunsichert, verängstigt und alleingelassen

Autor

Ercan Karaduman ist in Österreich geborener und aufgewachsener Türke. Er ist Pressesprecher und analysiert als Experte für Europäische Politik, politisch strategische Entscheidungsgrundlagen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 352
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heidi 25
00
14.1.2012, 23:49

ich gebe herrn Wolfram vollkommen recht..und gratulation an das Mädchen egal ob österreicherin oder türkin suuuuuuuper....

salzwasser
37
28.12.2011, 19:52

Einfach eine Zumutung, wenn das ein AKP-Mann schreibt.
Wenn Türken in den Westen einwandern, haben sie sich anzupassen. Wenn nicht, sollten sie daheim bleiben.
Integrationsmaßnahmen sollen finanziert werden, aber unter Bedingungen. Es ist nicht einzusehen, Millionen an Euro für Parallelgesellschaften auszugeben.
Aus und Ende.

Hass Prediger
01
29.12.2011, 12:41
Immer dieses "sollen sich anpassen"

alles schön und gut aber dan sagen Sie doch mal, woran soll man sich anpassen? Zählen Sie auf, was eigentlich die österr. Kultur genau ist, damit man auch weiß, woran man sich anzupassen hat. Immer wieder hört man: "de soin si gfölligst an unsa Kultua aunpassn de Tschuschn" aber ich frage mich immer wieder was die wirkliche ÖSTERR. Kultur ist, wenn sich net mal die Steirer und Kärntner untereinander mögen!

MARKUS HOCHSTAFFL1
 
01
28.12.2011, 16:24
Der Standard hat berichtet:

Zuwanderung: Österreich und die USA an Spitze
Österreich hat anteilsmäßig so viele Migranten wie die USA rechnete die OECD in einem Bericht vor.

Wittgenstein
14
28.12.2011, 14:12
Klare Antwort:

Ja

Wittgenstein
01
28.12.2011, 14:10
Ohne Heiraten zwischen den Bevölkerungsgruppen

gibt es keine Integration, sondern es entwickeln sich Parallelgesellschaften.

MARKUS HOCHSTAFFL1
 
03
28.12.2011, 17:54
Heirat und Islam

Muslimische Männer dürfen anders-ungläubige Frauen heiraten den die Kinder sind dann Moslems.
Muslimischen Frauen ist das Heiraten von anders oder ungläubigen Verboten.

Igel
10
10.1.2012, 17:07

...aber sie tuns halt selten; besser eine Türkin heiraten und eine Österreicherin als Geliebte bzw Freundin....:)

young dracula bites twilight
11
30.12.2011, 11:25

Da wissen Sie Bescheid. Hat Ihnen ein Türke ein Mädchen weggeschnappt?

Traditionelle Türken heiraten nur Türkinnen. Da brauchens keine Angst um katholische Österreicherinnen zu haben oder habens Angst um christliche Türkinnen?

RTA
 
44
28.12.2011, 04:43
Adorno schrieb

"Ein Schema, das in der Geschichte aller Verfolgungen sich bestätigt hat, ist, dass die Wut gegen die Schwachen sich richtet, vor allem gegen die, welche man als gesellschaftlich schwach und zugleich - mit Recht oder Unrecht - als glücklich empfindet."

Die ehrenwerten Poster beweisen uns dies in der Realität.

Johannes Benn
26
28.12.2011, 16:08
.

die heutige debatte um einwanderung nach europa, westliche/europaeische identitaet, antirassismus wird immer noch mit den mitteln von gestern gefuehrt. als adorno lebte war tatsaechlich die europaeische mehrheitsbevoelkerung gegenueber allen minderheiten in einer position der staerke. heute ist sie das nicht mehr, aus demographischen und mentalen gruenden ist sie in jeder hinsicht ins hintertreffen geraten.
die mehrheitsbevoelkerung kann gar niemanden mehr "verfolgen" dazu ist man zu alt, zu schwach, zu wenig.

Lilith Boessse
 
02
28.12.2011, 13:00
mag schon sein,

alles intelligente, gebildete menschen, die philosophen und denker.

nur mitunter a bißl lebensfremd, bzw. womöglich dazu neigend, sich selbst durch ihre weisheiten besser darzustellen als sie - vielleicht - sind, sich abzuheben von denen, über die sie reden.

kann ein pfarrer über eheprobleme reden? klar, aber ....

es wird zeit, dass wir endlich beginnen, über die unstimmigkeiten zwischen den einzelnen "parteien" zu reden! wird schon sein, dass da einiges unschönes zu tage kommt, aber verschweigen ist wohl noch viel gefährlicher (auf dauer).

außerdem, wenn es keine - echten - probleme gibt, kann man eh darüber reden, oder was ist da dann gefährlich dran?

super Typ
01
29.12.2011, 17:19

Wenn Sie mit "Reden" einen herrschaftsfreien Dialog meinen, wo man nicht dem anderen gleich von vorneherein ausrichtet, er sei hier der Gast, der sich anzupassen und ansonsten die Papp'n zu halten habe, dann wäre das sehr wünschenswert, aber offensichtlich nicht von vielen gewollt.

absurdistanerin
37
27.12.2011, 23:32

schon komisch, dass es um Zuwanderer z.B. aus Lateinamerika oder (Fernost-)Asien nicht so große Probleme gibt und es auch nicht ganz so schwer ist, von beiden Seiten, Brücken zu schlagen.
Könnte daran liegen, dass wenige zugewanderte Völker mit so einer Vehemenz und Penetranz auf ihre Rechte und ihren Nationalismus pochen und so wenig dazu bereit sind, der "neuen Heimat" entgegen zu kommen. (und gleichzeitig entschuldige ich mich für die verallgemeinernde Aussage bei den vielen zugewanderte Türken, die genau diesen Willen gezeigt haben und deren Stolz und Ehre trotzdem nicht gebrochen ist)

super Typ
52
28.12.2011, 01:27
Wir in den USA sagen immer:

schon komisch, dass es um Zuwanderer z.B. aus Osteuropa oder Asien nicht so große Probleme gibt und es auch nicht ganz so schwer ist, von beiden Seiten, Brücken zu schlagen. Nur mit den Latinos gibt es solche Probleme. (Illegale Einwanderung, Bandenkriminalität etc.)

Vielleicht haben ja verschiedene Migrantengruppen einfach verschiedene Migrationsgeschichten. Aber nein, soziologische Erklärungen sind Gutmenschengequatsche. Als strammer Rechter weiß man halt, dass die Menschenrassen von Natur aus verschieden und untereinander nicht verträglich sind.

absurdistanerin
23
28.12.2011, 09:05
Nur weil mir auffällt, dass in der Integration(spolitik) was schief läuft/gelaufen ist, bin ich noch lange keine Rechte!!!

soziologische Erklärungen sind für mich keineswegs Gutmenschengequatsche, mir ist schon klar, dass unterschiedliche Kulturen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen zu uns kommen und dies ein wichtiger Aspekt der Integration ist. Aber es ist halt nicht nur der böse Österreicher allein...

Es wundert mich ja schon fast der Grundtenor aller Postings hier im Forum, wenn man davon ausgeht, dass das typische Standard-Leser-Puplikum doch eher links orientiert ist. Scheinbar dürfte das Thema doch mehr Leuten unter den Nägeln brennen als geahnt. Oder schließen die Gutmenschen ignorant ihre Augen vor diesen Beiträgen, weil das ja eh alle falsch sehen?

super Typ
01
29.12.2011, 17:27

Der typische Poster auf derStandard.at ist nicht der typische Standard-Leser. Das ist ein großes Missverständnis.

Sie fangen mit einer suggestiven Frage an, warum es gerade mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe Probleme gäbe, wollen dann aber von Kulturalismus nichts wissen.

Es ist auch ganz egal, ob man von bösen Österreichern oder von bösen Ausländern spricht. Diese schuldorientierte anstatt einer problem- und lösungsorientierten Redeweise ist schon das Problem. Es geht gar nicht darum, Probleme zu lösen, sondern Sündenböcke für die Probleme zu finden - zu benennen, wer an den Problemen schuld ist (als ob immer auf einer Seite eine Schuld liegen müsse) wird in den Vordergrund gestellt.

Bluestone
511
27.12.2011, 21:57

Interessant, daß Turkophobie und Antisemitismus gerade von den Türken gerne vermischt wird.
Und das am liebsten in der Opferrolle, obwohl sie religionsgemäß die meisten Antisemiten haben. Paßt eigentlich alles überhaupt nicht zusammen.

MAXIMA
38
27.12.2011, 21:19
... bla bla bla ...

... nicht das Land paßt sich an, sondern der Einwanderer paßt sich an das Land an, das ist eine strategische Entscheidungsgrundlage, die Herr Ercan Karaduman vermitteln sollte.

Sahin's Zahnlücke
50
27.12.2011, 22:34
Wie ?

Ist der Österreicher mit türk. Migrantionshintergrund jetzt kein "Türke" mehr?

Diskussion
320
27.12.2011, 19:09

Meine Freunde und ich selbst haben sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Migranten aus dem türksichen Milieu gemacht. Ich kenne einige wenige Beispiele, bei denen mir die Herkunft gar nicht bewusst war, weil sie sich in der Öffentlichkeit unauffällig verhalten.
Leider gibt es aber in meiner näheren Wohngegend in Favoriten wesentlich mehr Negativbeispiele- Lärm, verweigertes Deutschlernen, Abgrenzung, aggressives Verhalten von Jugendlichen. Mehrere meiner Freunde haben unangenehme Begegnungen mit türkischstämmigen Jugendbanden gehabt (Raub, Körperverletzung mit teilweise bleibenden Gesundheitsschäden).
Derartige Erlebnisse prägen natürlich die Einstellung gegenüber einer Gruppe- zumal wenn sie sich demonstrativ absondert.

Ingrid Goeschl
51
28.12.2011, 14:48

Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass in Favoriten grundsätzlich mehr Gesindel wohnt als in Hietzing.

young dracula bites twilight
00
30.12.2011, 01:03

Die Favoritner Türken sind frustrierter, weil sie anderen Jugendlichen kaum was abzocken können. Da sind die Hietzinger Türken schon fröhlicher.

Aber Spass beiseite. Die Unterschicht wird zunehmend aus (türkischen) Migranten gebildet. Da ists kein Wunder, dass die Jugendbanken nun türkisch geprägt sind.

Die Österreicher fladern lieber bei der eigenen Familie.

Chiricahua
315
27.12.2011, 19:06
was mich ankotzt

ist dieses ständige gewinsel, dass es an uns österreichern liegt und nicht an denen, die hierherkommen.
fakt ist: es gibt supertürken und es gibt solche, auf die man gerne verzichten kann. ebenfalls fakt ist, dass es die überall gibt, in frankreich, deutschland, österreich, der schweiz etc.
wer sich anpasst muss nicht integriert werden. funktionerit mit exjugoslawen, osteuropäern und westeuropäern. und mit vielen türken. aber nicht mit allen. also: an wem liegt es dann? genau. und schleichen...

Prof. Bienlein
33
27.12.2011, 22:45
Ich finde Ihre Wortmeldung...

...argumentativ jetzt etwas unbefriedigend. Weil "schleichen" werden sich die Leute wohl kaum, schon gar nicht die, die längst die Staatsbürgerschaft von Österreich besitzen.

Mit einem "Schleichts euch" gießt man eigentlich nur Öl ins Feuer, was zwar dafür sorgt, dass sich letztendlich alle die Köpfe einschlagen, aber auch nicht für mehr.

Wir sollten es vielleicht schaffen, bei all dem Miesen um uns herum noch eine Spur Menschlichkeit und auch Vernunft durchblicken zu lassen - im Denken und im Handeln. Das unterscheidet uns dann von den politisch rechten parolenschreienden Misantrophen unterschiedlichster Herkunft, deren Sinn und Zweck die stimmengenerierende Hetze, nicht aber die Lösungsfindung ist.

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