Verbotene Kinderwerbung mit Stickersammelbuch

27. Dezember 2011, 09:29
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Landesgericht Salzburg gibt einer Verbandsklage gegen Spar statt

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat Spar wegen seiner Werbung für das Stickersammelbuch "Wüsten und Steppen" ("Hol dir hier das Buch dazu") auf Unterlassung geklagt. Diese Werbeaussagen richten sich direkt an Volksschulkinder und würden eine "unzulässige direkte Kaufaufforderung und damit verbotene aggressive Werbung" darstellen. Dies habe das Landesgericht Salzburg bestätigt, heißt es in einer VKI-Aussendung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Die Entdeckungsreise zu den Wüsten und Steppen beginnt! Hol Dir das Buch dazu" lautete die Überschrift und darunter war zu lesen: "Stickersammelbuch zum Sensationspreis Euro 1,99". Begleitet wurde dies von der Zeichentrickfigur Garfield, der neben einer mit Stickern gefüllten Schatztruhe inmitten einer Wüstenlandschaft lehnte. 2.500 solcher Plakate wurden in 1.400 Standorten der Spar-Filialen aufgestellt. Außerdem wurden Flugblätter an alle Haushalte mit der Aufforderung versendet: "So wird dein Stickersammelbuch voll: Blaue Sticker-Briefchen um nur Euro 0,50 kaufen." Eltern bekamen darüber hinaus bei jedem Einkauf ab zehn Euro ein grünes Sticker-Briefchen gratis dazu.

Liste verbotener Methoden

Die EU-Richtlinie gegen unlautere Geschäftspraktiken enthält eine Liste von absolut verbotenen Werbemethoden, erklärte der VKI. In Umsetzung der Richtlinie sei gemäß Ziffer 28 des Anhanges zum Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) eine direkte Aufforderung an Kinder in der Werbung, die beworbenen Produkte zu kaufen bzw. ihre Eltern oder andere Erwachsene dazu zu überreden, unter allen Umständen verboten.

Spar habe dem Gericht weismachen wollen, dass sich diese Werbung an Erwachsene, insbesondere an Lehrer, Pädagogen und Eltern, richte und nur im "untergeordnetem Ausmaß" an Kinder, so die Konsumentenschützer.

"Dieses wohlbegründete Urteil des Landesgerichtes Salzburg ist eines der ersten zum Verbot von Kinderwerbung in Österreich. Es legt ausführlich dar, weshalb in diesem Fall Kinder und nicht Erwachsene die Zielgruppe der Kaufaufforderung sind. Damit wird ein wichtiges neues Kapitel für den Konsumentenschutz in der Praxis eröffnet - der Schutz der Kinder vor aggressiver Werbung", sagt Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI. (red/APA)

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Das Urteil im Volltext: verbraucherrecht.at

  • Die "Stickermania" stößt nicht überall auf Begeisterung.
    foto: spar

    Die "Stickermania" stößt nicht überall auf Begeisterung.

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