Steuerpläne im Zusammenhang mit dem Sparen kann man sich sparen
Der Begriff des Sparens hat im Lauf der Zeit einen enormen Bedeutungswandel erfahren. Zehn Spalten und sechs unterschiedliche Deutungsansätze braucht Grimms Wörterbuch der deutschen Sprache, ehe es zum "heutigen Sprachgebrauch" kommt - da wird "haushälterisch mit den an Geld, Gut usw. verfügbaren Mitteln arbeiten" als Konzept des Sparens angegeben. So wurde das 1905 ins Wörterbuch geschrieben, so hat man es auch bisher verstanden, wenn eine Regierung Sparbegriffe in die politische Diskussion gebracht hat.
Aber weder diese noch die anderen sechs Deutungen (die vom Vermeiden, Schonen, Weglassen im weitesten Sinne handeln) hat Wiens Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Häupl im Sinne, wenn er vorschlägt, das von der Bundesregierung geplante Sparpaket zu zwei Dritteln mit neuen Steuern zu befüllen. Das ist tatsächlich eine ganz neue Deutung des Begriffs - aber keine nützliche.
Sie lenkt davon ab, was auf Bundesebene inzwischen verstanden wurde: Die Republik muss mit den vorhandenen Mitteln besser haushalten, also sparen im besten ökonomischen Sinne. Da ist zu fragen, was man sich sparen kann - im Sinne des Weglassens unnötiger Landesregelungen und länderspezifischer Sonderwege. Häupl als Landeshauptmann könnte sich da etwas einfallen lassen.
Steuerpläne stehen auf einem anderen Blatt. Im Zusammenhang mit dem Sparen kann man sie sich sparen. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.12.2011)