Gebührenerhöhungen wären leichter zu ertragen, wenn man wüsste wohin das Geld fließt
Zu Weihnachten übten sich die höchsten Autoritäten des Landes wieder in Gerechtigkeitsrhetorik. Kardinal Schönborn mahnte, beim Sparen für die Budget-"Sanierung" dürfe man nicht "bei den Ärmsten" beginnen. Bundespräsident Heinz Fischer erklärte, die Lasten müssten gleichmäßig verteilt sein, und das bedeute auch Steuererhöhungen für Wohlhabende.
Kann man so unterschreiben; nur mit einem winzig kleinen Zusatz: Fast jeder wird auch zu persönlichen Opfern bereit sein, sei es durch Kürzung von Leistungen, sei es durch Erhöhung von Steuern, wenn er das Gefühl hat, dass das Geld auch richtig verwendet wird. Die Besserverdiener werden freudiger mehr (und neue) Steuern zahlen, wenn sie die Gewissheit haben, ihr Opfer wird nicht dafür verwendet, um weiter flotte Fünfziger in Hackler- oder Invalidenfrühpension gehen zu lassen, die zum Teil an exotischen Stränden stattfindet.
Bezieher von staatlichen Leistungen werden eher der einen oder anderen Kürzung zustimmen, wenn sie nicht das Gefühl haben, damit würden weiter die liebsten Kinder der Landeshauptleute finanziert - sinnlose Kreisverkehre, Subventionen für Trachtenvereine und die Abdeckung von Fehlspekulationen mit Wohnbaugeldern. Nicht bei den Ärmsten sparen und gerecht belasten ist schon okay; nur, wofür geben wir das Geld her? Das würden viele gern genau wissen, auch von den höchsten Autoritäten des Staates. (DER STANDARD-Printausgabe, 27.12.2011)