Einserkastl rau

Wofür?

Einserkastl | Hans Rauscher, 26. Dezember 2011, 18:15

Gebührenerhöhungen wären leichter zu ertragen, wenn man wüsste wohin das Geld fließt

Zu Weihnachten übten sich die höchsten Autoritäten des Landes wieder in Gerechtigkeitsrhetorik. Kardinal Schönborn mahnte, beim Sparen für die Budget-"Sanierung" dürfe man nicht "bei den Ärmsten" beginnen. Bundespräsident Heinz Fischer erklärte, die Lasten müssten gleichmäßig verteilt sein, und das bedeute auch Steuererhöhungen für Wohlhabende.

Kann man so unterschreiben; nur mit einem winzig kleinen Zusatz: Fast jeder wird auch zu persönlichen Opfern bereit sein, sei es durch Kürzung von Leistungen, sei es durch Erhöhung von Steuern, wenn er das Gefühl hat, dass das Geld auch richtig verwendet wird. Die Besserverdiener werden freudiger mehr (und neue) Steuern zahlen, wenn sie die Gewissheit haben, ihr Opfer wird nicht dafür verwendet, um weiter flotte Fünfziger in Hackler- oder Invalidenfrühpension gehen zu lassen, die zum Teil an exotischen Stränden stattfindet.

Bezieher von staatlichen Leistungen werden eher der einen oder anderen Kürzung zustimmen, wenn sie nicht das Gefühl haben, damit würden weiter die liebsten Kinder der Landeshauptleute finanziert - sinnlose Kreisverkehre, Subventionen für Trachtenvereine und die Abdeckung von Fehlspekulationen mit Wohnbaugeldern. Nicht bei den Ärmsten sparen und gerecht belasten ist schon okay; nur, wofür geben wir das Geld her? Das würden viele gern genau wissen, auch von den höchsten Autoritäten des Staates. (DER STANDARD-Printausgabe, 27.12.2011)

Kommentar posten
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cicero53
00
28.12.2011, 17:37
KOSTEN verursacht von wem???

I would prefer not to
01
28.12.2011, 11:08

S. g. Herr Rauscher,
Ich befürchte, dass Sie das Problem nicht ganz verstanden haben.

Die "Vollbeschäftigung" ("Nur wer arbeitet soll auch essen") ist ein Modell von gestern. Die Frühpension ist nur ein Merkmal davon.

Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, dass Werkzeuge und Maschinen seine Arbeit verrichten.
Das ist heute zum große Teil der Fall.
Hat vor gar nicht allzu langer Zeit ein Arbeiter in der Landwirtschaft 2 -3 Menschen ernährt, so sind es heute weit über 100.

Die Aufgabe des 21. Jh. wird es sein das zu erkennen. Und für Menschen ohne "Arbeit" im klassischen Sinn Aufgaben zu finden und daraus folgend ist die zweite Aufgabe die Verteilung grundlegend neu zu gestalten.

mikromalist
 
00
27.12.2011, 20:53
rau hat schon recht.

Das Kernproblem ist: Wir können als Gemeinschaft hackeln, wie die Blöden, wir schaffen die Produktivitaet nicht, die notwendig wäre die politischen Versprechungen zu bedienen.
Und das hat gar nichts mit dem kreditgeschoepften Geld und dem Zinseszins zu tun.

Jede Familie, die Haushaltsgeldverwalter hat, hat das Problem.
Mehr Haushaltsgeld wird meist nicht gehen, wenn nur der Vater arbeitet.
Aber es könnte sein, dass der Verwalter bestimmte Familienmitglieder bevorzugt, ihnen immer die teuersten Sportgeraete kauft, die teuersten Medikamente und andere vernachlässigt ...

Als Linker, wuerde ich genau das zuerst beseitigen.

Und sorry, genau diese Zweiklassengesellschaft unterstützt auch die SPOe.

David Mungo
20
27.12.2011, 16:39
Bitte um mehr Präzision beim verbalen Hammerschlag.

Das eigentliche Problem ist ja wohl nicht, dass einer in Frühpension geht und danach sein Leben am Strand verbringt. Wenn die Pension berechtigt ist, warum soll danach nicht jeder tun dürfen, was er will? Strandurlaub ist nicht besonders anstrengend.

Ja, das Problem "an sich" ist noch nicht einmal, dass jemand unberechtigt in Pension geht und dann sein Leben genießt.

Das Problem ist eigentlich ausschließlich, dass Menschen sich viele Arbeitsjahre sparen, während andere in gleichwertiger körperlicher oder psychischer Verfassung das - sehr wohl arbeitend - bezahlen müssen, weil sie nicht so skrupellos sind und beim Arzt weniger jammern.

gerold wallner
00
27.12.2011, 17:23

die menschen, die angeblich beim arzt zu viel jammern (= möglicherweise aber wirklich krank sind), werden nicht mit exotischen stränden belohnt, sondern mit einem abzug bei der pension von bis zu 40 prozent ...

sociovation
01
27.12.2011, 17:17
Es gibt eigentich nur zwei mögliche Erklärungen

Entweder die zuständigen Fachärzte sind komplett inkompetent und können nicht zwischen einem Kranken und einem Simunlanten unterscheiden oder sie sind korrupt.
Oder fällt euch noch eine dritte Alternative ein?!

J. Reichhart
00
28.12.2011, 07:41
korrumpiert (geistig, fachlich, charakterlich)

trifft es ziemlich gut!

Rafflesia
 
01
27.12.2011, 14:36

Ich würde bereitwillig die erhöhte Hundesteuer zahlen, wenn das Geld wirklich den Tieren zu Gute käme, etwa durch Abriss und Neubau des verseuchten TSH, und nicht für "Repräsentationspflichten" irgendwelcher Bonzen. Aber Strafzahllungen für Tierfreunde - meine drei Hunde sind keine Luxuswuffis, sondern wurden alle aus schrecklichen Verhältnissen gerettet - um damit Sektgelage zu finanzieren, das stinkt mir.

Schnurz Homunculus
00
27.12.2011, 14:53
das stinkt mir

ist bei drei Hunden der richtige Ausdruck ;-)

chaucer
01
27.12.2011, 14:20
Christoph Schönborn

ist eine der "höchsten Autoritäten des Landes" wofür? Vertuschung? Heuchelei? (Immerhin ist die rkK eine der reichsten Organisationen des Landes, katholische Sozialprojekte werden aber zu 95 Prozent von der Öffentlichkeit finanziert...)
Abgesehen davon: So viele "flotte" Mitfünfziger gehen nicht in Frühpension. Da hat's im Regelfall schon mehr. Und manche davon wandern wegen der niedrigen Pension in billigere Länder wie in Südostasien aus. Kein Scherz. Dass die vielleicht noch was haben wollen von ihren Lebensabend sollte man ihnen nicht zum Vorwurf machen. Das ist entweder uninformiertes Geplapper - oder Heuchelei. Womit wir wieder bei Schönborn wären.

Nik M
02
27.12.2011, 13:56
Wofuer

problematisch an dieser Argumentation ist, dass damit jeder die perfekte Ausrede hat, keine Steuern zu zahlen. Ein Staat muss zwangslaeufig auch Ausgaben machen, mit denen der einzelne Staatsbuerger nicht einverstanden ist. Fuer die einen ists das Bundesheer und die EF, fuer andere die Verwaltung, fuer dritte die Lehrer, fuer wieder andere die Sozialausgaben, die Strassen, die OeBB, die Polizei, die Gerichte, das Parlament, die Regierung, die Pensionen, die Justiz, die Universitaeten, die neue Mittelschule, das Bankenrettungspaket - jeder kann sich etwas aussuchen, um keine Steuern zahlen zu wollen.

bloody-nine
 
11
27.12.2011, 13:08
und nochwas:

standard online ist gebührenfrei. jetzt kann man natürlich argumentieren, würden wir bezahlen könnte sich der standard bessere kommentatoren leisten als den rauscher.
ich denk mir aber: wenn das angebot mal gebührenpflichtig sein sollte und rauscher immer noch schreibt stell ich die lektüre des standards ein.

myschkin
00
27.12.2011, 18:09

wenn sie wissen würden, wieviel der Kommentator verdient, würde sie jetzt schon das Lesen des Standards einstellen

Wyle E. Koyote
01
27.12.2011, 13:07
budgetbegleitgesetz - da kann man das nachlesen

aber statt recherche gibts das übliche frühpensionisten und beamtenbashing...

bloody-nine
 
03
27.12.2011, 13:06
mir ist schon klar dass das nicht einmal

eine richtige "kolumne" oder gar ein kommentar sein soll, sondern nur das launige halblustige einserkastl (glattauer, komm zurück!!!), aber trotzdem:

herr rauscher, sie unterscheiden sich, was intellektuellen gehalt, originalität und niveau betrifft, um genau gar nix mehr von jeannee, staberl & co.

Hubert Hawkins
07
27.12.2011, 10:45
Ganz einfach ...

Wir finanzieren mit unseren Geldern einen Apparat, der zunehmend nur noch sagen kann, dass er nichts für uns tun kann, weil kein Geld da ist.

Curd Hombre
00
27.12.2011, 14:47

...diese Argumentation hat was!

sociovation
34
27.12.2011, 10:10
Vorschlag zur Güte

Rauscher nennt jetzt sofort 100 österreichische Unternehmen, welche im letzten Jahr Mitarbeiter im Alter 50+ eingestellt haben oder er möge zu diesem Thema für immer schweigen.

</ lustig>
00
27.12.2011, 19:06
Wenn Unternehmen Mitarbeiter 50+

nicht einstellen, liegt das ausschließlich an einem unrentablen Preis-/Leistungsverhältnis.

Bergdolm
02
27.12.2011, 10:50

100 Finanzgauner, Verbrecher, leistungslose Großkassierer, dubiose Lobbyisten, Grafen und Gräfinnen, Steuervermeider, zwielichtige Politiker und "Leistungsträger" der "Mittelschicht" zu benennen, dürfte wohl die leichtere Übung sein.

J. Reichhart
01
27.12.2011, 10:41
also ich wüsst eins:

der orf gibt nicht nur jungen talenten eine chance wie dem nico pelikan, sondern auch bewährten kräften wie herrn karl amon, hauptsoch se san zuckerlrosa eingefärbt.

- rau -
56
27.12.2011, 10:35
Es geht nicht um Einstellungen von 50plus,

sondern um aktives anstreben von Frühpensionen.

Rene Stangeler
00
27.12.2011, 19:18
Die Leute haben aber keine Alternative,

entweder versuchen in Frühpension zu gehen oder bis zum 65. Lebensjahr mit Sozialhilfe/Mindestsicherung dahinvegitieren?
Welchen Job soll denn ein 53jähriger Bauhackler mit kaputtem Rücken bekommen? Umschulung auf Softwareentwickler oder was?

sociovation
00
27.12.2011, 16:34
-rau- hat vollkommen recht

Genau darum geht es.
Und darum gehören Unternehmen, die ihre ArbeitnehmerInnen spätestens mit 50 kündigen oder in Pension schicken ordentlich abgestraft, damit dieses "aktive Anstreben von Frühpensionen" durch die hiesiege Unternehmerschaft zum Zwecke der Gewinnoptimierung auf Kosten der Allgemeinheit endlich ein Ende hat.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
03
27.12.2011, 11:29

Beim Nachbarn boomt schon das Simulantencoaching:

http://www.spiegel.de/karriere/... 00,00.html

Gegen Bares, versteht sich.

! x Frühpension = 8000 Euro an den Berater.

Häufig Kunden aus dem Banken-, Versicherungs, Pharmawesen, lol.

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