Weil die Regierung auf Härte setzte, gewann die bis dahin wenig bekannte Gruppe Sympathisanten
Die Strategie ist offensichtlich: Mit dem Anschlag auf drei Kirchen in Nigeria am Christtag wollen die Islamisten Zwietracht zwischen Christen und Muslimen schüren und damit die politischen Trennlinien in einem Staat verstärken, in dem Ängste vor einem Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden ohnehin leicht abzurufen sind. Trotz des "christenfeindlichen Brandings" darf man aber nicht vergessen, dass Boko Haram auch Gewalt gegen Muslime anwendet, Sufis etwa oder solche, die Bier trinken. Mit dem Terror zu Weihnachten sicherte sich die Gruppe nun aber weltweite Aufmerksamkeit, was die Sorge nährt, dass sich Boko Haram stärker international betätigen will.
Boko Haram ist schon längst mehr als eine absonderliche Sekte, sie befindet sich seit 2009 in einer Art Krieg mit der nigerianischen Regierung. Damals hatten Sicherheitskräfte das Hauptquartier von Boko Haram gestürmt, den Anführer und wohl auch viele Unschuldige getötet. Gerade weil die Regierung auf Härte setzte, gewann die bis dahin wenig bekannte Gruppe Sympathisanten.
Die Dynamik ist verhängnisvoll. Boko Haram wurde zur politischen Kraft aufgebaut. Präsident Goodluck Jonathan kündigte nun an, mehr Geld für Sicherheit auszugeben. Auch die USA versprechen zu helfen, weil sie die Kooperation von Boko Haram mit Al-Kaida-Ablegern im Maghreb und in Somalia fürchten. Damit wird Nigeria aber auch immer stärker mit islamistischem Terrorismus identifiziert. (DER STANDARD; Printausgabe, 27.12.2011)