Anschläge in Nigeria

Gefährliche Dynamik

Kommentar | Adelheid Wölfl , 26. Dezember 2011, 18:04

Weil die Regierung auf Härte setzte, gewann die bis dahin wenig bekannte Gruppe Sympathisanten

Die Strategie ist offensichtlich: Mit dem Anschlag auf drei Kirchen in Nigeria am Christtag wollen die Islamisten Zwietracht zwischen Christen und Muslimen schüren und damit die politischen Trennlinien in einem Staat verstärken, in dem Ängste vor einem Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden ohnehin leicht abzurufen sind. Trotz des "christenfeindlichen Brandings" darf man aber nicht vergessen, dass Boko Haram auch Gewalt gegen Muslime anwendet, Sufis etwa oder solche, die Bier trinken. Mit dem Terror zu Weihnachten sicherte sich die Gruppe nun aber weltweite Aufmerksamkeit, was die Sorge nährt, dass sich Boko Haram stärker international betätigen will.

Boko Haram ist schon längst mehr als eine absonderliche Sekte, sie befindet sich seit 2009 in einer Art Krieg mit der nigerianischen Regierung. Damals hatten Sicherheitskräfte das Hauptquartier von Boko Haram gestürmt, den Anführer und wohl auch viele Unschuldige getötet. Gerade weil die Regierung auf Härte setzte, gewann die bis dahin wenig bekannte Gruppe Sympathisanten. 

Die Dynamik ist verhängnisvoll. Boko Haram wurde zur politischen Kraft aufgebaut. Präsident Goodluck Jonathan kündigte nun an, mehr Geld für Sicherheit auszugeben. Auch die USA versprechen zu helfen, weil sie die Kooperation von Boko Haram mit Al-Kaida-Ablegern im Maghreb und in Somalia fürchten. Damit wird Nigeria aber auch immer stärker mit islamistischem Terrorismus identifiziert. (DER STANDARD; Printausgabe, 27.12.2011)

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10 Postings
txxx666
00
28.12.2011, 14:39
Nigeria - gespaltenes Land...

Wir dürfen gespannt sein, wie sich der "christlich"-abendländische Westen und die von ihm dominierten Organisationen (UNO, NATO usw.) nun verhalten werden, wenn diese bürgerkriegsähnlichen Zustände anhalten bzw. eskalieren und eine Spaltung des Landes droht. Im muslimisch dominierten Sudan wurde ja erst vor einigen Monaten der christliche Süden, mit dem Segen der "Weltgemeinschaft", abgespalten. Ob "wir" das so beim momentan eher "christlich" dominierten Nigeria auch akzeptieren würden? Ich wage es zu bezweifeln...
http://bit.ly/u7bAKn

Erwin Wolfram
00
27.12.2011, 16:54
...

ich seh jetzt keinen unterschied zu oestereich...

Frodo Der Hobbit
00
27.12.2011, 00:49

was diese sekte offenbar am besten charakterisiert, ist der kampf gegen den westen, oder gar seine verteufelung. zumindest wäre das der erste anhaltspunkt, der zu prüfen ist.
es mag erklärbare gründe geben, zb im zusammenhang mit kontaminierenden industrien oder ausbeutung von bodenschätzen, oder waffenhandel an zwei verfeindete stämme.
derartiges müsste aufgearbeitet werden.

auf der seite der konsequenzen, da sollte man auf keinen fall einer al-kaida ähnlichen taktik auf den leim gehen. das heisst, die attentate nehmen wohl die wütende reaktion im westen vorweg, die hauptsächlich die religion in den mittelpunkt stellt.
das ergebnis ist weitere polarisierung, und verstärkte probleme für afrika.

maxbz
18
26.12.2011, 19:50
Warum engagiert sich immer nur der Westen?

Warum kooperiert hier nicht mal die Türkei oder ein anderes islamisches Land mit Nigeria, statt die USA?
Warum helfen nicht die, die den angeblich gemäßigten Islam vertreten gegen Auswüchse der Islamisten? Sie müssten es doch besser können. Oder wollen sie etwa gar nicht?

Dr Stänkerer
00
27.12.2011, 18:46
Wakeup call: Nigeria=Öl!

Da sind noch immer die Amis eingesprungen, ganz selbstlos und humanitär.

juuni
10
27.12.2011, 16:31
wohin

willst du denn mit dieser Frage hinaus? Ganz ehrlich, was hat die Frage mit dem Artikel zu tun?
Ich kanns dir sagen:
Gar nichts.
Die "Frage" ist ganz durchsichtig nur dazu da, antimuslimischen Rassismus zu schüren durch eine Kulturkampfweltsicht, in der dann "der Westen" (Erfinder alles Guten und schönen und ganz besonders der "Freiheit", der "Demokratie" und nicht zu vergessen, des "Fortschritts", wie man v.a. an dir selbst "sehen kann") und "der Islam" (ganz böse, ganz rückständig, expansiv, dunkel und zum Fürchten mit Turbanen und Kopftüchern) als handelnde Subjekte auftauchen.

anders and
 
50
26.12.2011, 22:31
was Sie da alles annehmen

sagt viel über Sie aus - aber nichts über die Wirklichkeit.

Glauben Sie tatsächlich es gäbe keinerlei Kontakte zwischen der Türkei und Nigeria?

Wobei sich auch die Frage stellt was die Türkei gegen eine radikale Splittergruppe tun soll.
Was tun denn die USA gegen radikale christliche Splittergruppen in Nigeria?

http://www.huffingtonpost.com/2009/10/1... 24943.html

johannes schenk1
01
27.12.2011, 08:58
Achtung, hier werden Themen vermischt! Tatsächlich ist der Juju - Glaube

in Nigeria älter als das Christentum und von diesem getrennt. Allerdings vermischt sich das Ganze neuerdings. In Nigeria wimmelt es von Freikirchen- die Pastoren sind Nigerianer, teilweise mit dem traditionellen Hexenglauben aufgewachsen.
bin auch sicher, dass die großen Kirchen (Anglikaner, Katholiken) mit diesem Problem zu kämpfen haben, selbst wenn die offiziellen Aussagen dieser Kirchen dagegen sind.
Die kleinen aber sind unabhängig - das heißt sie können diese beiden Glauben ganz offiziell vermischen.
Ich bin ziemlich sicher, dass auch die Muslime mit dieser Vermischung mit Hexenglauben zu kämpfen haben.
Alles in allem ist der Hexenglauben aber in Nigeria und fast ganz Afrika kein christliches sondern ein allgemeines Problem.

anders and
 
31
27.12.2011, 09:11
welche Vermischung von Themen?

Hier geht es um den Ableger einer kalifornischen Kirche, gegen deren Umtriebe die USA nichts tun, oder?

Boko Haram ist der Ableger einer islamischen Bewegung, gegen den die Muslime in anderen Ländern nicht einschreiten.

Warum sollte sich das nicht vergleichen lassen?

juuni
11
27.12.2011, 16:35
psst!

Stör das verlumpte Kleinbürgertum nicht bei ihrem Einsatz für Aufklärung und Demokratie, prinzipiell gegen alle Arten von Religion, aber gegen eine ganz besonders, nämlich die, die für die lärmenden Jugendlichen in der U3 und für islamistischen Terror in Nigeria und nicht zu vergessen durch mangelnde Integrationsbereitschaft für Rassismus in Europa verantwortlich ist...

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