Scharfe Kritik

Wirtschaftskammer will beim Klimaschutz sparen

26. Dezember 2011, 17:38

Strafzahlungen sollen billiger werden

Bei der Strafzahlung von rund einer Milliarde Euro für die österreichische Zielverfehlung beim Kioto-Klimaschutzprotokoll gebe es großes Einsparungspotenzial, so Stephan Schwarzer, Experte in der Wirtschaftskammer Österreich: "In Anbetracht der Schuldenthematik ist es unverständlich, dafür mehr Geld auszugeben als notwendig."

Schwarzer schlägt vor, dass künftig nur mehr günstigere Zertifikate um vier bis fünf Euro pro Tonne CO2 gekauft werden - bisher hat die Republik Zertifikate mit einem Durchschnittspreis von zwölf Euro erworben.

In der Wirtschaftskammer regt sich Kritik an den Klimaschutz-Zahlungen: Aussteigen kann Österreich zwar nicht, aber bei einer Milliarde Euro ginge es auch billiger. Österreichs Unternehmen sollten über Aufträge profitieren.

***

Wien - Wenn es um die eine Milliarde Euro geht, die Österreich wegen Zielverfehlungen beim Kioto-Klimaschutzprotokoll in etwa zu zahlen hat, ist man in der Wirtschaftskammer (WKÖ) über den eingeschlagenen Weg der Bundesregierung gar nicht zufrieden:

Diese Strafzahlungen ließen sich deutlich herunterschrauben, erläutert Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umwelt- und Energiepolitik in der WKÖ. Statt einer Milliarde Euro müsste es möglich sein, die Zukäufe fehlender Emissionsberechtigungen so herabzusetzen, dass insgesamt nur etwa 700 bis 750 Millionen Euro anfallen. Denn aufgrund der stagnierenden internationalen Klimaschutzpolitik sind die Preise bei allen Arten internationaler Emissionszertifikate zurückgegangen. "Diesen Vorteil gilt es zu nutzen", sagt Schwarzer, der seit kurzem auch im Expertenbeirat des österreichischen Klima- und Energiefonds sitzt. Österreich, meint er, habe bisher immer die Rolls-Royce an Zertifikaten gekauft, "die Volkswagen tun's aber auch".

So lag der Durchschnittspreis an Emissionszertifikaten, die Österreich bereits gekauft hat, bei zwölf Euro je Tonne CO2 (Kohlendioxid). Mittlerweile aber kosten die günstigsten Zertifikate nur mehr zwischen vier und fünf Euro je Tonne. Diese Zertifikate sind nicht ident mit den Firmen-CO2-Verschmutzungsrechten im Rahmen des EU-Emissionshandels, die ebenfalls an Marktwert verloren haben.

Nach Meinung des WKÖ-Experten sollten heimische Firmen davon profitieren, dass Österreich um hunderte Millionen Euro Emissionszertifikate im Ausland aufkaufen muss, um die Lücke zu schließen, die sich aus den Vorgaben des Kiotoprotokolls ergeben (siehe Wissen). Schwarzer plädiert dafür, dass bei einem Kauf von Emissionszertifikaten in Ländern wie Indien, China oder Tschechien festgelegt wird, dass das Verkaufsland die Mittel in Bereichen einsetzt, in denen österreichische Betriebe besonders wettbewerbsfähig sind: also Gebäudesanierung, erneuerbare Energien, Biomassekraftwerke oder Verstromung von Deponiegasen.

Dadurch könnte so mancher Auftrag an österreichische Firmen gehen und die Budgetmittel, die für Zertifikatekäufe ins Ausland fließen, auf Umwegen im Inland wirksam werden. Fix festschreiben lässt sich ein solcher Rückfluss jedoch nicht; das ist im Kiotoprotokoll nicht vorgesehen.

Bisher teure Zukäufe

Im Auftrag des Bundes hat die Kommunalkredit Public Consulting bereits Zertifikatskäufe über 45 Millionen Tonnen CO2 getätigt und dafür 500 Millionen Euro aufgewendet. Bis zum Vertragsende von Kioto 2012 muss Österreich noch 30 Millionen Tonnen CO2 durch Zukäufe kompensieren. Bisher wurden dafür grob 360 Millionen Euro veranschlagt; nach Berechnung von Schwarzer könnte mit 120 bis 150 Millionen Euro das Auslangen gefunden werden.

Ein Austritt aus dem Kiotoprotokoll nach dem Beispiel Kanadas ist laut Schwarzer keine Option: "Das ist für Österreich rechtlich nicht möglich, da die EU als Ganzes Mitglied des Vertrages ist." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2011)

Kommentar posten
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Jürgen Gschwendtner
00
Zuwanderung nicht berücksichtigt!

als der Kyoto-Vertrag in den 90ern vereinbart wurde waren in Österreich etwa 500.000 Menschen weniger. Wie wird das bei den Strafzahlungen berücksichtigt? Bzw. kann man die Zuwanderer zahlen lassen (evtl. ein Tip an die FPÖ). Andere Länder haben immer weniger Einwohner, daher auch weniger CO2!

wirsinddiedoofen
00
28.12.2011, 01:43
ich wollte mir eigentlich einen kommentar hierzu sparen

aber:

"spoarn, spoarn, egal wos kost"

wookie0
00
27.12.2011, 16:49

tinyurl.com/unillinois

Metal Heini_
00
27.12.2011, 16:32

Wieso begreift keiner, dass es fürs Klima egal ist, wo Co2 ausgesetzt wird. Ob die Produktion nach Indien weiterhin verstärkt verschoben wird oder von Ägypten Zertifikate fürs Co2 verschleudern gekauft werden ist es ein Nullsummenspiel. Nur für die Händler nicht, die damit abcashen. Hier macht es Sinn.

Wenn die Pensionisten auf Kosten der jetzigen Generation leben, dann leben wird halt auf den Kosten der nächsten und können somit auf die Umwelt weiterhin pfeiffen.

11th Doctor
00
27.12.2011, 16:22
Es wird also teuer...

Bevor jetzt um (700 aufwärts) Millionen Zertifikate gekauft werden, könnte man zur schnellen CO2 Einsparung spontan einige Wochen alle österreichischen Verkehrsmittel gratis anbieten. Wäre immer noch billiger, man könnte die CO2 Reduktion noch schaffen und die weihnachtsbelasteten Haushaltsbudgets wären auch entlastet (Sprit ist ja auch nicht billig).
Nur so ein Gedanke, vielleicht haben ja unsere bezahlten Vertreter bessere Ideen....

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
00
27.12.2011, 15:40
Strafzahlungen nutzlos

Welchen Sinn soll es haben, Geld, das für den Ausbau der erneuerbaren Energie benötigt wird, als Strafe für eben zuwenig erneuerbare Energie-Infrastruktur zu verballern?

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01
27.12.2011, 15:35
Irgendwelche

********** haben diesen "Selbstverwaltungskörper" und die "obligatorische Mitgliedschaft als Strukturelement" im Verfassungsrang verschraubt.

Imagine that!

Neben anderen "Kammern" und der ""obligatorischen Mitgliedschaft als Strukturelement".

Erstaunlich, welche Formulierungen Politiker finden, wenn sie Potemkin'schen LOL-Institutionen und deren nichtsnutzigen Lobbyisten die Lizenz zum legalen Plündern und Wegelagern erteilen und das Ganze zum Teil einer Verfassung machen.

Aus dieser Position heraus geht die "Kammer" nun her und fordert öffentlich und mit dicker Hose, die Sabotage der Lebenserhaltungssysteme dieses Planeten.

Mit ausdrücklicher Erlaubnis jener bürger-, und umweltfeindlichen Parteien, die diesen Wahnsinn lancierten.

Kritiker1A
32
27.12.2011, 14:36
österreichische Zielverfehlung beim Kioto-Klimaschutzprotokoll gebe es großes Einsparungspotenzial

Ja genau man braucht nur den Vertrag zu Kündigen.

Diesen Vertrag zu Unterzeichnen war grob fahrlässig von unseren Volksverrätern und müßte eigentlich dazu führen das diese Politiker diese Strafe aus der eigenen tasche bezahlen müßten.

Genowo
00
27.12.2011, 18:05
Sehr kurzsichtig gedacht!

anyuser
 
00
27.12.2011, 15:37

Fahrlässig war nicht die Unterzeichnung des Vertrags sondern das genau 0 Maßnahmen für die Erreichung des Ziels gesetzt wurden.
Aber sie gehören wohl auch zur Kategorie die glauben wir können mit unserer Umwelt weiter so verfahren wie wir es in den letzten 30 Jahren gemacht haben.
Es wird schon nix passieren...

Artefix
00
27.12.2011, 14:10
Klimaschutz, ja schon, aber ...

nur wenns auch a feins Gschäft is, und die Zeche soll am besten immer der Endkonsument zahlen (Strom, Transporte etc.), damit's der Wirtschaft weiter gut geht!

Kritiker1A
00
27.12.2011, 14:37
Was nützt der Vertrag und die Strafzahlung ?

Besser wäre es Österreich könnte die Milliarde direkt in Ökostrom etc. investieren.

Aber unsere Volksverräter haben entschieden dass Geld lieber sinnlos zu verpulvern, so wie viele andere Milliarden auch.

Ja bitte
00
27.12.2011, 17:08
"..dass Geld lieber sinnlos zu verpulvern,.."

Ja, schon. Nur machen das die Volksverräter mit genau DEN Maßnahmen die SIE hier selbst fordern!
Nehmen Sie nur die Solarstrom-Abzocke: Der Strom kostet zwischen 25 u. 38ct/kwh in Österreich:http://www.e-control.at/portal/pa... 2011_0.pdf
In Deutschland mit ~24ct/kwh nur minimal weniger.
Am Freien Markt kostet der Strom hingegen nur 4,5-5,2ct/kwh(http://www.eex.com/en/)
Hier nochmal eine kleine Statistik mit welchem Anteil am Umsatz diese Energien unterstützt werden:http://www.e-control.at/de/statis... ungsanteil

Ja bitte
00
27.12.2011, 17:08
Teil2

Dabei gibt es noch mehr negative Wechselwirkungen:
Wind, Solar und (in etwas geringerm Ausmaß) auch Wasserkraft sind von Prinzip aus nicht in der Lage BEDARFSGERECHT Strom zu liefern. Bei Wind ist es sowieso selbstredend, dass dieser nicht umbedingt weht wenn der Strom auch gebraucht wird, Aber bei Solar ist es eigentlich sogar noch schlimmer: Der Wind bringt immerhin ~2000Vollaststunden im Jahr, Solar nur etwa 1000h. Den Rest der Zeit liefern diese Energien zu wenig oder gar keinen Strom.
Bei Wasserkraft ist dieses Problem bereits seit der vorletzten Jahrhundertwende bekannt. Im Winter gibts meist Niedrigwasser aber den höchsten Stromverbrauch. Damals wie heute ist es nicht möglich auch nur annähernd die

Ja bitte
00
27.12.2011, 17:08
Teil3

benötigten Mengen an Strom (Saisonal!) zu Speichern. Daher brauchte auch Österreich seit es Strom gibt IMMER auch Kohle- Öl- und Gaskraftwerke. -Heute MEHR denn je, da wir heute nichtmal mehr Brutto annähernd soviel Strom erzeugen wie wir verbrauchen(nur ~2/3).
Auch Biomasse ist keine Lösung: Wenn sie in den Wald gehen sehen Sie wie viele hochwälder in der letzten Zeit schon Eingeschlagenwurden(Kahlschlag). Die vorhandenen Resourcen reichen nicht annähernd um unseren Energiebedarf zu decken. Biogas und Bio-flüssig werden aus Mais, Raps, Sonnenblumen Zuckerrüben und Getreide(Weizen, Gerste) gewonnen und Konkurieren zudem direkt mit dem Lebensmittel und Futtermittel Markt. -Warum glauben Sie, dass Kartoffeln und Brot so schnell teurer werden?

Ja bitte
00
27.12.2011, 17:08
Teil4 -Die einzige Alternativenergie die sich aus

finanzieller Sicht weitgehend selbst decken könnte ist (Klein-)Wasserkraft. Dafür haben wir aber nichtmehr genug unverbaute Flüsse und aus Ökologischer Sicht wäre es ohnehin ein verbrechen ALLE Flüsse und Bäche zuzubetonieren, es soll ja Fische und andere Organismen geben die nur in FREIFLIEßENDEN Gewässern leben können.
Und so gesehen ist die einzige Energie die (wenn auch nicht wirklich "erneuerbar") das CO2 UND Resourcenprobem lösen kann ATOM.
Die Kosten MIT Entsorgung u. Rückbau finden Sie z.b. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Evol... ungskosten
Ein Abschreibzeitraum von 25Jahren ist bei 60-100Jahren Anlagen-Lebensdauer sogar noch recht rentabel. daher dürfte man mit 4-4,5ct/kwh auskommen(siehe Text).

Childerich von Bartenbruch
11
27.12.2011, 13:31
und sie werden in den medien ...

... weiterhin und trotzdem die öffentlichkeit mit ihrem "nachhaltigkeitsgeschwafel" belästigen und täuschen!

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
27.12.2011, 13:23
Jehova !

nick melin
 
12
27.12.2011, 13:19
Sie machen österreich kaputt

nehmen wir eine milliarde (die wir nicht haben)
und schmeißen wir sie beim fenster hinaus
ROT SCHWARZ GRÜN bei der arbeit

b_UT
19
27.12.2011, 13:12
Unverantwortlich

Hättens die Milliarde Euro in einen gscheiten Ökostromtarif gesteckt - PV und Gebäudesanierung entsprechend gefördert, wären viele zusätzliche Arbeitsplätze gesichert gewesen, wir bräuchten die Milliarde nicht woanders hin überweisen und beim Klimaschutz würde was weitergehen - aber NEIN - lieber geht man vor der Energielobby in die Knie, die keine Freude hat mit einem ordentlichen Ökostromgesetz - lässt Biomassekraftwerke zu Hauf pleite gehen und fördert aus Leibeskräften neue Pipelines.

Freie Welt
26
27.12.2011, 13:12
Wen ich dauernd Strafzettel wegen Falschparken bekomme,

sollte ich demnach also nichts an meinem Parkverhalten ändern, sondern Schritte in die Wege leiten, damit es die Parksheriffs "ein bisserl billiger" machen?

Vor Leuten wie Schwarzer habe ich wirklich Angst. Diese geballte Konzentration an fachlicher Inkompetenz, mangelndem Problembewusstsein und gesellschaftlicher Verantwortungslosigkeit gepaart mit konkreter Macht halte ich für hochgradig gefährlich.

Klar formulierte Protestschreiben an die WKÖ sind das Mindeste, was man hier als mündiger Staatsbürger tun sollte.

Kritiker1A
21
27.12.2011, 14:39
Wieso der Vertrag wurde ja von unseren Volksverrätern ohne Not unterzeichnet, und es wurden aber keine Maßnahmen gesetzt die Ziele auch zu erreichen.

Zudem haben unsere Volksverrräter vergessen den bereits hohen Anteil an Wasserkreaft und Wald miteinzubeziehen.

Die Strafzahlungen sind daher vollkommen unnötig und sinnlos.

Vorstadtmama
 
24
27.12.2011, 13:21
wenn der Nachbar (Kanada) die Strafzettel ohne Konsequenzen in den Müll wirft...

...und du wie der Musterbürger zahlst, ist das keine Strafe sondern Deppensteuer...

Peacefrog
01
27.12.2011, 14:17
Wenn der eine ...

... verantwortungslos handelt, dann sollen wir es genauso machen?

chelene chirsch
12
27.12.2011, 16:10

tut es denn canada ? sind wir verantwortungsvoll, wenn jeder neugeborene mit seinem anteil an einer weiteren milliarde schulden belastet wird ?

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