Aufbruchsstimmung im Biosphärenpark

26. Dezember 2011, 17:54
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Die Tourismuswirtschaft im Salzburger Lungau hofft auf das Unesco-Gütesiegel Biosphärenpark

Salzburg - Wenn der Geschäftsführer des Lungauer Regionalverbandes Josef Fanninger über das Projekt Biosphärenpark spricht, wird er euphorisch: Die Unesco-Auszeichnung "ist eine historische Chance" für den kleinsten der sechs Salzburger Bezirke. Dann könne man endlich beweisen, "was im Lungau steckt".

Mitte 2012 könnte es so weit sein: Die Unesco-Experten haben im Vorfeld signalisiert, dass sie sich den Lungau gemeinsam mit vier Kärntner Gemeinden in den angrenzenden Nockbergen als Biosphärenpark vorstellen können. Vor Weihnachten haben die Lungauer den Antrag formell eingebracht.

600 Parks

Das Prädikat wird für Regionen vergeben, die sich durch besondere landschaftliche Merkmale, schützenswerte Lebensräume und nachhaltiges Wirtschaften auszeichnen. Derzeit gibt es weltweit rund 600 solcher Parks.

Der Lungau ist allein schon von seiner Topografie einzigartig: Eingebettet zwischen den Niederen Tauern im Norden, der Hafner-Gruppe im Westen und den Nockbergen im Süden bietet das auf über 1000 Meter liegende inneralpine Becken ein besonderes Klima: kalt, aber mit den meisten Sonnenstunden Österreichs.

Touristische Impulse

Die verkehrsmäßige Abgeschiedenheit der rund 20.000 Einwohner des Lungau wurde erst durch den Bau des Tauerntunnels 1975 beendet. So konnte sich altes Brauchtum aber auch ein einzigartiger Architekturstil erhalten. Heute werde "der ursprüngliche Nachteil, dass wir nicht so entwickelt sind wie andere Regionen, zu einem Vorteil", sagt Fanninger.

Der Regionalmanager erwartet sich von der Unesco-Auszeichnung vor allem touristische Impulse. Diese hat der Bezirk auch dringend notwendig. Da rund die Hälfte der Betten im Lungau Privatzimmer sind, diese aber immer weniger nachgefragt werden, sind die Nächtigungszahlen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Erst ein Sonderhilfsprogramm des Landes in der Höhe von zwei Millionen Euro konnte diese Entwicklung im Sommer 2011 stoppen.

Finanzierung durch das Land

Welche Einzelprojekte den Biosphärenpark als "Modellregion für nachhaltige Entwicklung" mit Leben füllen sollen, weiß noch niemand. Ein Höhenwanderweg mit geführten naturkundlichen Touren ist im Gespräch. Mariapfarr wiederum setzt auf den Pilgertourismus und möchte die Pfarrkirche "Unsere Liebe Frau" von den katholischen Behörden in Rom zur Basilika aufwerten lassen.

Zur Finanzierung hat das Land für die Jahre 2012 bis 2014 je 100.000 Euro zugesagt. Mit EU-Mitteln und Geldern aus allen 15 Lungauer Gemeinden kommt ein Jahresbudget von 250.000 Euro zusammen. Und um die Unesco-Vorschriften zu erfüllen, müssen fünf Prozent der Region unter Naturschutz gestellt werden.

Bohren nach Gold

Die Skigebiete wiederum würden frei von allen Beschränkungen bleiben. Auch die Tauernautobahn steht nicht im Widerspruch zum Biosphärenpark. Selbst ein in Hintermuhr möglicher Goldbergbau wäre kein Hindernis, sagt der Mauterndorfer Bürgermeister und Obmann des Regionalverbandes Wolfgang Eder (VP).

Derzeit werden in den bis Ende des 19. Jahrhunderts ausgebeuteten Goldadern im oberen Murtal von internationalen Bergbaufirmen Probebohrungen durchgeführt - mit durchaus guten Erfolgsaussichten. Fachleute bezweifeln freilich, dass sich ein möglicher Goldbergbau mit dem Biosphärengedanken vertragen würde. Auch wenn der hochgiftige Goldgewinnungsprozess selbst nicht im Lungau erfolgen, sondern nur das metallhaltige Gestein abgebaut würde, müssten sich zum Transport Tag für Tag dutzende Lkws durch das enge Murtal zwängen.

"Kulturfreie Zone"

Während der Biosphärenpark von der Mehrheit der Lungauer Politik unterstützt wird, hat die Lokalpolitik andere Zukunftsprojekte versenkt. 5,8 Millionen Euro - rund 70 Prozent der Baukosten - hätte das Land dem Bezirkshauptort Tamsweg für den Bau eines Kulturzentrums samt Großraum-Sportstätte bezahlt. Und obschon der Lungau bis heute nicht einmal über ein Kino verfügt, hat die schwarz-blaue Mehrheit im Tamsweger Gemeinderat das Vorhaben versenkt und die Millionenförderung liegengelassen.

"Tamsweg bewirbt sich um den Titel 'kulturfreie Zone'", ätzt der Frontmann der Lungauer Kultband Querschläger, Fritz Messner, im Standard-Gespräch. Bürgermeister Alois Lankmayr (VP) argumentierte das Aus für das Kulturhaus "Kubus" mit den zu erwartenden Betriebskosten. Die angefallenen Planungskosten von über 600.000 Euro muss die Gemeinde aber dennoch übernehmen.

Die Anti-Kultur-Aktion der Tamsweger ÖVP ist vor allem für die Landes-Schwarzen blamabel. Landesvize Wilfried Haslauer hatte das Kultur- und Sportzentrum im August noch als "Lebenselixier" für die Region und "Impuls für die Wirtschaft" gefeiert. (Thomas Neuhold, DER STANDARD-Printausgabe, 27.12.2011)

  • Der Hochofen von 1867 in Bundschuh zeugt vom Bergbau im Salzburger Lungau. Eine Renaissance ist möglich.
    foto: lungau.travel

    Der Hochofen von 1867 in Bundschuh zeugt vom Bergbau im Salzburger Lungau. Eine Renaissance ist möglich.

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