Regierung

Spanien fällt in Rezession zurück

26. Dezember 2011, 15:05

Der Wirtschaftsminister des Landes vermeidet das Wort "Rezession" und spricht lieber von "negativem Wachstum"

Madrid - Die spanische Wirtschaft fällt in die Rezession zurück, gab die neue Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy bekannt. Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte, die Wirtschaftskraft des Landes werde sowohl im viertel Quartal 2011 als auch in den ersten drei Monaten 2012 schrumpfen.

Er vermied das Wort "Rezession" und sprach stattdessen von einem "negativen Wachstum". Für das vierte Quartal dieses Jahres werde ein Rückgang der Wirtschaftsleistung im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um 0,2 oder 0,3 Prozent erwartet. Für den Anfang des kommenden Jahres gehe die Regierung erneut von einem Schrumpfen der Wirtschaftskraft aus. Von einer Rezession spricht man, wenn die wirtschaftliche Leistung eines Landes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht.

Entscheidungsjahr für den Euro?

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, wird 2012 das Entscheidungsjahr für den Euro - und Italien spielt dabei die entscheidende Rolle. "Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die europäische Währung überlebt. Und das wird von Italien abhängen", sagte Mayer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zu Beginn des nächsten Jahres werde Italien in eine tiefe Rezession stürzen. "Wenn es dem Land gelingt, da vor den Wahlen im Mai 2013 wieder herauszukommen - was ich erwarte -, dann kann Italien ein Vorbild für alle südeuropäischen Staaten werden. Ansonsten wird die Euro-Zone auseinanderbrechen."

Schäuble hält Situation für beherrschbar

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Situation für beherrschbar. In der EU gebe es eine große Entschlossenheit der Mitglieder, die Lage stabil zu halten. "Es wird noch ein paar Überraschungen und Aufgeregtheiten geben, aber wir sind in der Lage, das zu managen", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag".

Der CDU-Politiker bekräftigte im Gespräch mit der Zeitung seine Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer, die "aberwitzige Entwicklungen an den Finanzmärkten" abbremsen solle. "Wenn das weltweit zunächst nicht zu realisieren ist, dann müssen wir die Abgabe EU-weit oder auch nur in der Euro-Zone einführen." In der EU sei verabredet, die Chancen für eine solche Steuer in den ersten Monaten des kommenden Jahres auszuloten. "Ich möchte hier Fortschritte sehen", betonte der Minister.

Schäuble will für den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schnell eine hohe Schlagkraft erreichen - auch wenn Deutschlands Nettokreditaufnahme dafür im kommenden Jahr steigen könnte. Je schneller und je mehr der ESM Kapital habe, desto früher und besser könne er seine Aufgaben erfüllen, sagte der Minister. Verabredet sei bisher eine erste Tranche für Deutschland von 4,3 Milliarden Euro und danach jährlich vier weitere gleich hohe Zahlungen. "Möglicherweise werden wir aber diesen Prozess beschleunigen, um die Schlagkraft des Rettungsschirms schnell zu erhöhen", betonte Schäuble. Es müssten aber die Entscheidungen in Brüssel im Januar abgewartet werden.

Der CDU-Politiker räumte ein, die Nettokreditaufnahme könnte dadurch im nächsten Jahr steigen. "Auf die Verschuldung nach den Maastricht-Kriterien hätte das aber keinen Einfluss, da wir im Gegenzug am ESM-Kapital beteiligt sind." Für den dauerhaften Rettungsschirm ESM, der bei Bedarf klammen Euro-Staaten unter die Arme greifen soll, geben die Staaten nicht nur Garantien, es wird erstmals Kapital bar eingezahlt.

Italien hat nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Eurozone, gemessen an der Wirtschaftsleistung, und sitzt auf einem Schuldenberg von circa 1,9 Billionen Euro. Regierungschef Mario Monti hat einen drastischen Sparkurs angeschoben. Das Maßnahmenpaket des früheren EU-Kommissars sieht unter anderem eine Rentenreform und Steuererhöhungen vor. Der im November als parteiloser Chef einer Expertenregierung eingesetzte 68-Jährige will das Land aus der Schusslinie der Finanzmärkte bringen. Experten befürchten, der Euro würde einen Zahlungsausfall der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone nicht überstehen. (APA)

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24 Postings
Neoliberal National der Untergang!
00
Ja weil die Retter nix können die braunen!

Na abwarten überall nur Versagen was dass alles an Geld kostet und die stecken es sich ein und haben für nächstes Mal noch mehr die ewiggestrigen Behaupter dass wir von den Deutschen abstammen!
Portier und Klofrau, aber sonst raus aus dem Hohen Haus!

José Atento
10
27.12.2011, 10:20
Österreich wird folgen

und in das negative Wachstum verfallen.

Ruben Weil
00
27.12.2011, 10:11
Wer die Entwicklung von Argentinien mit

der Entwicklung in den Euroländern vergleicht wird viele Parallelen entdecken!

http://de.wikipedia.org/wiki/Arge... nien-Krise

Wie das Ganze ausging ist allgemein bekannt! Als deutscher Finanzminister würde ich natürlich auch positive Stimmung verbreiten. Besonders um Weihnachten herum! Die Realität sieht allerdings völlig anders aus!

Bob The Builder
03
27.12.2011, 09:16
"negatives Wachstum"

wenn ich so einen Sch.... höre zeigt sich bei meiner negativen Zustimmung ein deutliches Wachstum!

Neoliberal National der Untergang!
00
Manche bekommen Geld dafür wahrscheinlich!

weis waswill
01
27.12.2011, 02:22
So hart es klingt:

Aber die Südeuropäer haben offensichtlich eine unterschiedliche Mentalität in Bezug auf korrektes Finanzgehaben und zielstrebiges Arbeiten/Wirtschaften als wir Mittel-und Nordeuropäer!
Auch wenn man Fr. Merkl bereits in diesem Zusammenhang stark kritisiert hat - letztendlich hat sie Recht!
Zumindest ist nicht evident, das in Österreich, Deutschaland, Dänemark, etc..mehr als 30%, in manchen Ländern bis 70% der Bevölkerung Ihre steuern nicht oder nur teilweise korrekt bezahlen.
Vielleicht, wenn auch unpopulär, sollte man darüber einmal ganz offen in den EU Gremien diskutieren - und auch ganz konkrete und harte Massnahmen vereinbaren.

JackBodegar
01
27.12.2011, 09:50
und auch ganz konkrete und harte Massnahmen vereinbaren.

ich weiß ja nicht wie es in den südeuropäischen ländern ist...in deutschland wirst du bei steuerhinterziehung härter bestraft als wenn du jemanden ein messer in der rücken stichst oder besoffen jemand anderen tod fährst. vieleicht ist das der grund wieso in der brd fleisig steuern gezahlt werden. über solche gesetzte sollte man jedoch nicht nachdenken. ein kumpel von mir war ca 10 monate in untersuchungshaft, weil er davon wusste dass sein chef einen mitarbeiter lkw fahrer illegal beschäftigte...pro monat ein tag besuchszeit...schlimmer als ein schwerverbrecher für sowas hab ich nur noch kopfschütteln übrig...

Ökonomix
00
27.12.2011, 12:18
Und die Politiker gehen frei aus.

Die verantwortlichen in der CDU-Steuer und Korruptionsaffäre wurden nie angeklagt. Zwei ihrerer höchstrangigen Vertreter sitzen heute als Bundeskanzler und Finanzminister in der Regierung.

kants richtschnur
01
26.12.2011, 21:28
wir kehren zum alltag zurück:

der monatliche eurorettungsgipfel.

Peter_23
14
26.12.2011, 21:55
Monatlich stimmt nicht mehr. Zwischen den "Eurorettungsgipfeln" sind nur noch ca. 14 Tage (2 Wochen)

Und die Abstände zwischen den "Eurorettungsgipfel" werden immer kürzer. Irgendwann haben wir dann jede Stunde einen "Eurorettungsgipfel" der natürlich der letzte und alles befreiende Gipfel sein wird. Und pro Stunde werden dann Billiarden aber Billiarden von Euro rausgeworfen (=verpuffen) und die Märkte jubeln wieder mal.

Und 59 Minuten später gibt es dann schon wieder den nächsten Show-Down. Toll.

Ach, es ist wirklich spannenden dem Zusammenbruch bei den bisher weltgrößten Pyramidenspiel zuschauen zu dürfen. Jede Menge interessante Beobachtungen.

Bin gespannt, ob wir es bis zu einer Stunde zwischen zwei "Eurorettungsgipfel" schaffen werden. Oder ob nicht schon vorher allerlei Nerven reissen werden.

Thomas turnbichler
14
26.12.2011, 18:42
Die Weihnachtruhe war kurz

Schon bröckelt und schwächelt das nächste Euromitglied. In Spanien droht nicht nur die Rezession, vor allem die vielen regionalen Sparkassen können ihre laufenden Kredite nicht mehr zurückbezahlen. Hier wird früher oder später der spanische Staat gezwungen sein, Hilfskredite und Schuldenübernahme zu sprechen.

Es wird dazu führen, dass der Schuldenhaushalt steigen wird und gleichzeitig die Schuldenaufnahme für den Staat erschwert nicht mehr zu tragen ist.

Weiter kommt die desaströse Jugendarbeitslosigkeit dazu, einhergehend mit steigenden Sozialausgaben. In dieser Situation ist Spanien zudem noch im Eurokorsett gefangen, hat also keine eigene Währung um die Wirtschaft anzukurbeln.

Der Euro würgt diese Staaten, bis sie nicht mehr können.

Robert Cvrkal
 
05
26.12.2011, 17:19

Die Eurokrise spitzt sich immer mehr zu. Mit Italien und Spanien stehen zwei Staaten an der Kippe, die die Geberstaaten ohne Gefährdung ihrer eigener Ratings nicht auffangen können:

cvrkalrobertmeinte am 26.12.2011 12:03 Immer mehr Ökonomen sind der Ansicht, daß ein Abtragen der Staatsschulden nur über die Inflation und damit auf Kosten der Masse möglich ist. Internationale Experten sagen für den Euroraum jährliche Inflationsraten von 4 - 7 % voraus und die EZB hat sich längst von einer Hartwährungspolitik verabschiedet. Je länger mit den notwendigen Weichenstellungen gewartet wird, desto härter wird es die Bevölkerung treffen. Wir wollen mitbestimmen, denn wir müssen letztlich auch für alles bezahlen. 61 Leser sind auch dieser Meinung.

Hoerbis
10
27.12.2011, 05:37

Ich bin davon überzeugt, dass genau das die Absicht dahinter ist. (a) Muss man den ganzen "national-staatlichen" Traditionen & Ambitionen den Nerv ziehen, - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem "Nationalstaat Europa" mit nur mehr unselbstständigen Teilstaaten oder gar einer Aufsplittung in Regionen... und (b) das Geld-System (€) dabei hat nur eine Aufgabe: Den € dem $ auf Augenhöhe (Wechselkurs 1:1) zu bringen.

Von vielen noch als Verschwörungstheorie weggelächelt, führt kein Weg an einer globalen Regierung und einer globalen Währung vorbei - und im Vergleich zu dem was wir dann erleben werden, haben wir jetzt noch "demokratische Idealzustände".

so so ....
00
26.12.2011, 20:34

Wer sind die Geberstaaten ?

smeki
51
26.12.2011, 16:06

Protipp: Sparen!

so so ....
01
26.12.2011, 20:36

Protipp: volkswirtschaftliche Aufklärung anstatt Bedienung des Stammtisches zwecks Lagerbildung und Sicherung eigener Mehrheiten, wie das die saubere Fr. Merkel tut.

NONE
62
26.12.2011, 16:29

Protipp: Entfernen von Politikern, Einführung direkter Demokratie.

warp.faktor
119
26.12.2011, 15:27
In der Krise kommen die Unfähigsten ans Ruder!

Wirtschaftsminister Luis de Guindos war zuvor Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers für Spanien und Portugal

http://www.heise.de/tp/artike... 143/1.html

... "gelernt" hat er das an der Universität von Navarra, der Hochschule des Opus Dei, zu dem auch 4 weitere Minister der neuen spanischen Regierung gehören.

Wirklich beachtlich wie schnell Rechtsradikale in der EU Karriere machen.

walter helfmann
01
27.12.2011, 01:09
er ist nicht unfähig, sondern war

zu allem fähig.

odrr
02
26.12.2011, 17:03

Die Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Kabinettsliste dauerte nur anderthalb Minuten. Rajoy verlas die Namen der Minister und ließ anschließend keine Fragen zu.

http://www.faz.net/aktuell/p... 75696.html

NONE
14
26.12.2011, 16:30

Ob "Rechtsradikal" oder "Linksradikal" - es sind korrupte Personen egal von welchem "Lager".

warp.faktor
03
26.12.2011, 21:59
Widerspruch!

Hier geht es nicht nur um Korruption. Spanien war bis 1975 eine Militärdiktatur, deren Überbleibsel gerade wieder die Macht gekommen sind.

Das Opus Dei ist ein fanatisches katholisches Netzwerk, dass u.a. Diktator Pinochet in Chile unterstützt hat. Ich denke in diesem Zusammenhang, darf man von Rechtsextremismus sprechen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Opus... dei#Kritik

maNishma
00
27.12.2011, 10:17
naja

die regierung in spanien wurde noch immer demokratisch gewählt. daher würde ich nicht unbedingt allzu viele parallelen zu francos miliärdiktatur ziehen..

warp.faktor
02
27.12.2011, 11:55
Sie wissen selbst ...

... dass Spanien nur noch formell eine Demokratie ist. Die Regierung exekutiert die Auflagen von IWF, EZB und EU. Die Meinung der BürgerInnen ist irrelevant geworden.

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