70.000 demonstrieren gegen Assad

27. Dezember 2011, 19:30
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Armeepanzer aus der Protesthochburg Homs abgezogen - Berichterstatter der Arabischen Liga seit heute vor Ort

Kairo - Vor dem Eintreffen einer Beobachterdelegation der Arabischer Liga in der syrischen Protesthochburg Homs haben Armeepanzer nach Angaben von Oppositionellen die Stadt 160 Kilometer nördlich von Damaskus verlassen. Elf Panzer wurden demnach am Freitagvormittag aus dem Stadtteil Baba Amro abgezogen, wo am Vortag rund dreißig Zivilisten von den Streitkräften erschossen worden sein sollen. Unklar sei, ob in Baba Amro noch Truppenfahrzeuge stationiert seien.

Die Regierungsgegner nutzten den Rückzug zu einer spontanen Großdemonstration. Nach Angaben von Aktivisten versammelten sich mindestens 70.000 Menschen in einem besonders umkämpften Stadtteil. Der Protestzug habe sich auf das Stadtzentrum zubewegt, meldete die Oppositionsgruppe. Sicherheitskräfte versuchten, den Zug mit Einsatz von Tränengas zu stoppen. Offenbar fühlen sich die Demonstranten durch den Besuch der Beobachter ermutigt, auf die Straße zu gehen.

Mustafa al-Dabi: "Sehr guter Besuch"

Die internationalen Experten der Arabischen Liga sollen sich ein Bild der Lage verschaffen. Die Delegation will ihren Einsatz am Mittwoch fortsetzen. Der Chef der Gesandten, der sudanesische General Mustafa al-Dabi, sprach von einem ersten "sehr guten" Besuch. "Ich kehre zu Treffen nach Damaskus zurück und werde morgen wieder nach Homs fahren", sagte Dabi. Sein Team verbleibe in Homs.

Kaum unabhängige Angaben

Der Fernsehsender Al-Jazeera zeigte aufgebrachte Syrer, die "Wir haben niemanden außer Gott" und "Nieder mit dem Regime" riefen. In einem ins Internet gestellten Video war zu sehen, wie Demonstranten die Beobachter um Schutz anflehten. Da die syrische Führung unter Präsident Bashar al-Assad die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen hat, lassen sich Angaben rund um die Proteste und das gewaltsame Vorgehen der Regierungskräfte kaum unabhängig überprüfen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bisher mehr als 5000 Syrer getötet. Die Staatsführung hat erklärt, sie gehe gegen islamistische Terroristen vor, die aus dem Ausland gesteuert würden.

Die Beobachter sollen überprüfen, ob Assad sich an einen Friedensplan hält, der den Abzug von Truppen aus Städten, die Freilassung von Gefangenen und die Aufnahme von Gesprächen mit der Opposition vorsieht. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass der auch internationale zunehmend isolierte Staatschef das Abkommen umsetzt. Die ersten 50 Beobachter waren nach wochenlangen Verhandlungen mit der syrischen Führung am späten Montagabend unter der Leitung von Dabi in Damaskus eingetroffen. Etwa 100 weitere sollen in Kürze folgen. Zum Auftakt ihres Besuchs in Homs kam eine Beobachter-Gruppe mit dem dortigen Gouverneur zusammen, wie der syrische Fernsehsender Dunia berichtete.

In der Hauptstadt Damaskus ereignete sich während einer Prüfung an der Medizinischen Fakultät ein blutiger Zwischenfall, bei dem laut der offiziellen Nachrichtenagentur SANA mindestens ein Student getötet und vier weitere verletzt wurden. Ein Student feuerte demnach aus einer Militärpistole gezielt auf Kommilitonen.

 

Freitag: 44 Tote

Am Freitag hatte der Konflikt eine neue Eskalationsstufe erreicht: Bei zwei zeitgleichen Selbstmordanschlägen auf Gebäude der Sicherheitskräfte in Damaskus starben nach offiziellen Angaben 44 Menschen. Die Regierung machte das Terrornetzwerk Al-Kaida für das Blutbad verantwortlich. Oppositionelle mutmaßten hingegen, dass die Regierung die Bombenattacken selbst inszeniert habe, um die Gewalt gegen die Demokratiebewegung zu rechtfertigen. Ein gefälschtes Bekennerschreiben der syrischen Muslimbrüder im Internet heizte diese Spekulationen noch weiter an.  (APA/AFP)

  • In den Straßen von Homs versammelten sich 70.000 Menschen, um zu protestieren.
    foto: derstandard.at/screenshot you tube

    In den Straßen von Homs versammelten sich 70.000 Menschen, um zu protestieren.

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    Die syrische Armee soll sich nach Angaben von Oppositionellen aus der Stadt Homs zurückziehen, jedenfalls mit ihren Panzern.

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    Bisher terrorisieren Milizen und Soldaten die Bewohner der drittgrößten Stadt Syriens.

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