Kreatives Lernen

iPad-Klasse an Wiener Montessori-Schule

Reportage | Karin Tzschentke, 24. Dezember 2011, 10:26
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    foto: hendrich

    Mittelalterliches gepaart mit modernen Arbeitswerkzeugen: In der Klasse 4b in Breitenlee hat jedes Kind einen Tablet.

Volksschule nimmt am Apple Education Programm teil - US-Studien belegen um 70 Prozent höheren Lernerfolg mit Apple-Tablet

In der Klasse 4b der Volksschule Breitenlee am Rande Wiens herrscht tiefstes Mittelalter. Eine junge Ritterin legt gerade mit Hilfe ihrer Knappinnen ihre schwere Rüstung an: Brustharnisch, Arm- und Beinschienen, Panzerhandschuhe, zuletzt der wuchtige Helm und den Schild. Fertig. Die Reckin ist bereit. Nicht fürs Turnier, sondern fürs Foto, das ihre Mitschülerinnen schneller als ein Streitross schießen: mit einem iPad. Eine Stunde später wird es Teil einer Präsentation zum Thema Rittertum sein, die die Mädchen in ihrer Klasse zeigen.

iPad-Klasse an Montessori-Schule

"Frau Lehrerin, wo hast du die Rüstung her?", fragt ein Bub Barbara Zuliani, die überall gleichzeitig zu sein scheint, um den Kindern zu helfen. "Das ist großes Lehrerinnengeheimnis", antwortet sie und schmunzelt. Kein Geheimnis ist, dass dank ihres Engagements alle 23 Kinder der Montessori-Klasse seit Ende Oktober über ein iPad verfügen können.

Die Vorgeschichte: 2009 richtet Zuliani für Kinder und Eltern ein Klassenblog ein, über das alle Beteiligten auch außerhalb der Schulzeiten kommunizieren können - und davon auch fleißig Gebrauch machen. "Die Eltern haben mehr Einblick in alle Klassen-Aktivitäten, kaum ein Kind vergisst noch etwas."

"Apple Distinguished Educator"-Programms

Aufgrund ihres Erfahrungsberichts über das Blog erhielt die Pädagogin heuer im Frühjahr eine Einladung zur einer Konferenz des "Apple Distinguished Educator"-Programms. Der kalifornische Computerhersteller vernetzt darin weltweit Lehrer, die neue Anwendungen für den Unterrichtsgebrauch entwickeln. In Zuliani wuchs der Wunsch herauszufinden, inwieweit Kinder auf Tablets ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen und dabei gleichzeitig gefördert werden können. Für vier Wochen stellte ihr der Hersteller daraufhin fünf Geräte zum Test im Klassenzimmer bereit.
Werk-, nicht Spielzeug

Die Begeisterung, mit der die Kinder mit dem neuen Tool arbeiteten, Möglichkeiten entdeckten und Projekte durchführten, sprach für sich. Die Enttäuschung war groß, als die Tablets wieder zurückgegeben werden mussten. Zuliani steckte den Kopf nicht in den Sand, sondern stellte ihr Forschungsprojekt "Einsatz des iPads im Volksschulunterricht" bei Netidee vor, einem Wettbewerb zur Förderung der Internetnutzung in Österreich - und beeindruckte. Netidee unterstützte ihre Forschungsidee, von dem Geld finanzierte sie die Geräte.

iPad als vielseitiger, aber nicht ständiger Begleiter

Seither ist das iPad vielseitiger, aber nicht ständiger Begleiter im Unterricht. "Manchmal sind es nur fünf Minuten, die wir die Tablets benutzen", sagt Zuliani. Zum Beispiel, um mit der App "Skill Builder Spelling" aktuelle Lernwörter zu üben. Oder wer als Erster mit seinen Aufgaben im Mathematikbuch fertig ist, kontrolliert diese mit dem Taschenrechner am iPad. Besonders beliebt ist "Comic Life", mit dem die Kinder für den Sachunterricht schon zahlreiche kleine Geschichten verfasst und illustriert haben.

Kein Wunderding, aber höherer Lernerfolg

Selbst bei den Buchstabentagen der Taferlklassen der Volksschule Breitenlee sind zwei vom Elternverein angeschaffte iPads schon beliebtes Werkzeug: Auf der berührungsempfindlichen Oberfläche zeichnen die Schüler mit ihren Fingern die Zeichen nach. Wer sich nicht vorstellen kann, wie die Tablet-Flunder die Kreativität und Medienkompetenz der Schüler und Schülerinnen hebt, wird dies in einer Masterarbeit nachlesen können, an der die Lehrerin in ihrer Freizeit arbeitet. "Das iPad ist kein Wunderding", sagt Zuliani, "aber es gibt US-Studien, die belegen, dass mit dem Gerät der Lernerfolg um 70 Prozent höher ist."

Julia und ihre Gruppe sind mit der Online-Präsentation der Kleidung der Ritter fast fertig. "Wenn etwas mit Rot unterlegt ist, dann weiß ich gleich, dass ich was falsch gemacht habe", sagt sie. "Frau Lehrerin, die Burg wird angegriffen, schreibt man das ,angegriffen' da groß?", tönt es aus einer anderen Ecke.

Das Krux mit dem Internet

Mittelalterlich mutet auch die schulische Internet-Infrastruktur an, die Zuliani zur Verfügung steht. "Es dauert oft sehr lang, bis die zwei Computer hochgefahren sind, die uns vom Stadtschulrat zur Verfügung stehen, und die Netzverbindung steht." Ein drahtloses Netzwerk steht nicht zur Verfügung. Sie nutzt daher ihr eigenes Handy als Hotspot, in dem jeweils fünf Schüler gleichzeitig surfen können. Jetzt hat die rührige Lehrerin auch dafür eine Lösung gefunden: Mobilfunker "3", dem sie von ihren Nöten berichtete, stellt ihrer Klasse einen drahtlosen Internetzugang und Hotspot für unlimitierten Zugang zwei Jahre lang zur Verfügung. Weihnachten ist da. (DERSTANDARD/Printausgabe, Karin Tzschentke, 24.12.2011)

Kommentar posten
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Knochenschwund, Krüppelfinger und Kurzsichtigkeit ...

für unsere Kinder!
Ich finde es immer wieder schlimm, Kinder beobachten zu können welche mit iPad, Phone, ect. geistig völlig in eine eigene Welt abdriften!
Geistig gebannt, ohne einfluss von Umgebungsfaktoren sitzen manche Sprösslinge vor Ihren Pad´s uns chatten mit ihren Freunden ... wenns eine Bombe daneben zerreist würden viele das nichtmal mitbekommen! Arme Kinder, die mit 10 vielleicht alles wissen und gesehen haben, aber nicht wissen, wie Kuhkacke riecht ect.!

Franz Josef Lolinger
20
27.12.2011, 20:52

Hier riechts nach faulen Äpfeln!

Freebird
10
27.12.2011, 22:54

Dann mach deinen Hosenstall zu.

freddy001
03
27.12.2011, 09:48

Neue Medien eignen sich vor allem für die Vermittlung kleinerer Informationseinheiten ("Verfügungswissen") . Die Vermittlung komplexer Wissensstrukturen, die auf wenig sicherem Wissen aufbauen, sondern kognitive und sozial-kommunikative Fertigkeiten, auch im Umgang mit vielschichtigem, unsicherem Wissen erfordern ("Orientierungswissen"), kann dagegen dadurch zurückgedrängt werden.

richman1
02
27.12.2011, 05:55

Ich hoffe das alle die hier negativ schreiben auch Lehrer von Beruf sind und es in ihren Klassen besser machen.
Man kann doch durchaus altbewährtes mit neuem kombinieren.
Ob IPad, Galaxy Tab...ist doch egal. Sinnvoll wäre es auch wenn alle Schulbücher als IBooks vorhanden wären. Dann müßten die Kinder nicht mit den schweren Schultaschen rumlaufen...sie bräuchten nur mehr die Hefte zum Aufgabe schreiben und für die Schulübungen.

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ist ja auch leichter ...

30 Kinder mit iPads zu beschäftigen als mit Sinnvollen Schulaufgaben! Ich und meine Mitschüler haben vor fast 30 Jahre auch ohne Elektronik in der Schule was gelernt!

Mann ohne Nerven
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Darum haben sie wohl auch diesen Nick gewählt

Es kommt immer auch darauf an, was mit diesen Dingern gemacht wird. Es gibt auch sinnvolle Applikationen auf den Pads, falls sie das noch nicht wissen sollten.

phishhead
22
27.12.2011, 14:30

also....zum deinem ersten satz hat spucks schon alles gesagt.

und der großteil der kritiker hier hat nichts gegen den einsatz neuer medien bzw das engegement der lehrerin.

apple is zZ die krönung des markenbewusstseins und komplett geschlossen. massenmanipulation vom feinsten, sogar inklusive personenkult.

schon klar, einer muss die dinger für die schulen herstellen, aber ein ganzes ökosystem, hinter dem ein einziger hersteller steht, der sogar unter verdacht steht, medien zu zensieren, kann nciht das richtige für die medienkompetenz kleiner kinder sein.

und du bringst in deinem posting dss obligatorische "is doch egal, welches, ich bin ja nicht so verbohrt", und schreibst dann gehorsam von "IBooks" - freud läßt grüßen.

richman1
02
27.12.2011, 22:20

Du hast schon recht das die meisten hier nichts dagegen haben mit dem Einsatz neu Medien in der Schule....darf halt nur nichts von Apple sein oder :-))?
Der Kampf Apple gegen MS oder Linux ist genauso unsinnig wie "mein BMW ist besser als Mercedes, Audi usw...Und wegen "Freud lässt grüßen" ich hab beide Tablets (IPad und Galaxy Tab) :-)

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so ein BLÖDSINN!!!

das hat mit Apple nichts zu tun! Aber wie sollen ein oder 2 Lehrkräfte überprüfen was 30 Schüler während des Unterrichts auf ihren Pads machen??
Ich zeig meiner Tochter den Umgang mit digitalen Medien ect. lieber selbst als mich auf Lehrkräfte zu verlassen welche ich persönlich kaum kenne!
Kinder welche wie geistig behindert vor ihren Technik Klump sitzen und stundenlang Moorhühner abschießen tun mir leid! Diese Kinder werden von Ihren Erziehungsberechtigten vernachlässigt und mit diesen Spielzeugen ruhig gestellt!

Spucks
43
27.12.2011, 10:42
"Ich hoffe das alle die hier negativ schreiben auch Lehrer von Beruf sind und es in ihren Klassen besser machen."

Warum? Darf man neuerdings nur mehr Meinungen zu Dingen haben, die man selbst macht?

Freebird
23
27.12.2011, 11:25

Er meint damit die Besserwisser und Alleschecker, die zu wirklich allem und jedem ihren Senf klugschei...en meinen zu müssen, ohne auch nur die Spur einer Ahnung zu besitzen.

Spucks
21
27.12.2011, 16:34

Nein nein, er schreibt klar, dass er von denen redet, die hier negativ schreiben. Was somit heisst: Bist du kein Lehrer, darfst du zu Lehrmethoden keine Meinung haben. In weiterer Folge kann man das natuerlich auf Alles umlegen, denn warum sollte das nur fuer Lehrer gelten. Man darf also keine politische Meinung haben, wenn man nicht selbst Politiker ist, man darf medizinische Behandlungen nicht kritisieren, wenn man selbst nicht arzt ist, man darf Unfreundlichkeiten von Verkaeufern nicht kritisieren, wenn man nicht selbst im Verkauf taetig ist, usw.

freddy001
13
27.12.2011, 09:51

Einfach die Schulbücher als eBook aufs Tablet knallen bringt genau nichts. Um einen wirklichen Lernerfolg auf diesen Geräten zu erzielen, müssten die Schulbücher dementsprechend mit multimedialen Fähigkeiten erweitert und adaptiert werden. Nur: wer zahlts?

·Übermorgen·
00
31.12.2011, 16:35
Anstatt jedes Jahr Unmengen von Büchern zu drucken?

Das Layouten, das Drucken und das Papier für neue Bücher kostet ja nichts, oder?

Also besser wäre es man investierte dieses Geld in ein zukunftsträchtige Technologie als in tote Bäume. Andererseits verdienen ja genug Leute derzeit an diesen toten Bäumen. Da wird sich also nicht so schnell was ändern.

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jedes 2. Jahr ein iPad ist natürlich billiger ...

weil die Dinger im Schuleinsatz ja bestimmt so lange halten! Die Eltern meiner Generation schwitzen alle weil wir mit 5000 Schilling Taschenrechnern herumgelaufen sind ...
Und gebraucht wurden die Rechner ÜBERHAUPT nicht! Gut, in Mathe, Oberstufen wurden ein paar Graphen damit erzeugt ... selber Zeichnen ... Fehlanzeige! Ob die Schuler dadurch mehr konnten? Ja&nein ... Taschenrechner bedienen - JA ; Funktionsgraph zu x=y² Zeichnen - NEIN ... ob das Fortschritt ist??

·Übermorgen·
00

Nun, wenn sich jeder Schüler sein Tablet und dessen Versicherung (Ja, so etwas soll’s geben.) selber zahlen muss, dann halten die sicherlich lange genug.

Und das Taschenrechner Argument lasse ich jetzt mal nicht gelten. Nicht jeden Sch…marrn muss man auswendig können. Viel wichtiger ist es die Zusammen zu verstehen und sich selbst Wissen beschaffen/erarbeiten zu können.

Spirogyra
26
26.12.2011, 23:13
Kreativitätsförderung...

durch Anbieten von Hard- und Software, die von ganzen Heerscharen an Programmierern, Usabilityexperten, Designern etc. möglichst herausforderungsfrei gestaltet wurde? Total schlüssiges Konzept. Demnächst: Muskelaufbau durch Liegegips.

Naja, zum Glück waren die Kids ja immer schon robust gegenüber pädagogischem Sendungsbewusstsein und werden hoffentlich auch die Gratis-iPads mit unverfälschter Kreativität gegen den Strich bürsten, bis sich was originär Schöpferhaftes (Designerbob, Leberkässemmelschläger, gehackte Zeugnisdatenbank,...) Bahn bricht.

(°)(°)
10
30.12.2011, 00:45
Richtig!

Man hätt die Kinder vor einen Fernseher setzen sollen.

Oder besser vor einen alten mainframe mit OS390 drauf.

12345 ... weiter weiss ich nicht!
10
Spielplatz, Bolzplatz, freie Natur ...

ein 10 Jähriger Programmierer ist doch nicht normal!
Und wenn, dann wirft es ein peinliches Bild auf alle Berufsprogrammierer!
10 Jährige Maschinenbauer, Architekten, ect. gibts ja auch nicht ...

the explainer
00
26.12.2011, 23:02
das educationprovramm von apple ist an sich eine tolle sache

wenn man es schafft spiele und internetsurfen auf beliebigen seiten fern zu halten hat das ipad sicher unglaublich viel potential als lernwerkzeug.
was mich stutzig macht: ist montesori nicht eine privatschule? haben die nicht einmal das geld für einen adsl anschluss mit wlan router?
wie traurig ist das den?

Spucks
20
27.12.2011, 10:46
"ist montesori nicht eine privatschule?"

Montessori war eine Person, Montessori-Schulen sind Schulen, die nach dem Konzept und der Idee von Maria Montessori arbeiten. "Ist Montessori nicht eine Privatschule" ist in etwa so eine Frage wie "Ist der Daumen nicht rechts?"

Roland Schweiger1
20
26.12.2011, 23:01
get them while they are young ...

Also ja, ich bin absolut dafür dass Kinder sehr zeitig an den Computer "herangeführt" werden und es hat sich schon 100fach gezeigt wie spielerisch Kinder mit Computer umgehen. Aber a) hat der Lernerfolg nix mit apple oder nicht_apple zu tun und b) ist es schon witzig ausgerechnet eines der geschlossensten Systeme für so eine Klasse heranzuziehen ...

(°)(°)
01
30.12.2011, 00:47

Geh hin und zeig ihnen wie toll Andoid ist und schenk ihnen 25 Galaxy Tabs.

0815-Kommentar
22
26.12.2011, 18:35

die total offene gesellschaft wird mit total geschlossenen systemen unterrichtet. auch nicht schlecht.

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