Ende der Sesshaftigkeit

27. Dezember 2011, 17:45
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Regisseur Peter Konwitschny verlässt die Leipziger Oper

Leipzig - In Wien, an der Staatsoper, hat er im Dezember seine in Zürich erarbeitete Mafiaversion von Leos Janáceks Aus eine Totenhaus gezeigt. Und wiederum kurz davor, im November, konnte man die Ideen des deutschen Regisseurs Peter Konwitschny in Graz erleben (bei Tschaikowskys Pique Dame). Beide Male jedoch hieß es, Konwitschny sei wegen einer Erkrankung (man sprach von Burnout) nicht in der Lage, im gewohnten Ausmaß an Proben teilzunehmen.

Von einer gewissen Logik ist also auch die Meldung, Konwitschny habe als Chefregisseur der Leipziger Oper um die Auflösung seines Vertrags zum 1. Jänner 2012 gebeten, der an sich bis 2014 laufen sollte. Das Opernhaus zeigte sich jedenfalls überrascht vom Ansinnen des 66-Jährigen, entsprach aber seinem Wunsch. Und: Intendant Ulf Schirmer dankte dem Künstler für seine seit 2008 laufende Arbeit und "eine Vielzahl von außergewöhnlichen und aufregenden Theaterabenden".

Für das Opernhaus ist dieser Abgang zweifellos ein Verlust; Konwitschny gehört zu den bedeutendsten Regisseuren der zeitgenössischen Opernlandschaft. Er ist mit der Leipziger Oper aber auch biografisch eng verbunden: Sein Vater Franz Konwitschny war von 1949 an bis zum Lebensende (1962) Gewandhauskapellmeister in Leipzig gewesen. Der 1945 in Frankfurt am Main geborene Konwitschny dürfte also im Opernhaus, wo sein Vater tätig war, einige Eindrücke gesammelt haben.

Welche Auswirkungen Konwitschnys Kündigung auf den Spielplan bis Saisonende haben wird, könne man, so hieß es seitens der Leipziger Oper, noch nicht ermessen. Offen sei vor allem die für den 2. Juni geplante Premiere von Christoph Willibald Glucks Iphigenie auf Tauris. Bei dieser Inszenierung hätte Konwitschny Regie führen sollen.   (Ljubisa Tosic  / DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2011)


Probleme mit Intendant Schirmer

Am Mittwoch erläuterte Peter Konwitschny in einem Interview mit dem Sender MDR Figaro seine Probleme mit der städtischen Kulturpolitik. Der neue Intendant Ulf Schirmer sei ihm ohne ein einziges vorheriges Gespräch über gemeinsame Ziele vor die Nase gesetzt worden: "Ein Oberbürgermeister muss doch einen Intendanten finden, der dazu passt. Sonst verstehe ich das nicht. Warum denn einen Intendanten, der jetzt etwas ganz anderes macht?"

Schon im Sommer habe er gemerkt, dass die Chemie zwischen Intendant Schirmer und ihm nicht stimme. Schirmer habe den Spielplan 2012/2013 "völlig neu zusammengestellt, ohne mich als Chefregisseur nur ein einziges Mal heranzuziehen", berichtete er. "Jetzt bei der Bauprobe für unsere Uraufführung hat Herr Schirmer sich über das Stück so negativ geäußert, dass ich wusste: Es hat keinen Zweck. So unterschiedliche Auffassungen können nie konform gehen."

Über Bürgermeister Burkhard Jung, der die Neuausrichtung der Oper verteidigte, meinte Konwitschny: "Die Politiker müssten erst einmal wieder begreifen, dass die Oper etwas sehr Wertvolles zum Erhalt unserer Zivilisation beiträgt, weil sie Menschen-bildend und Werte-bildend wirkt. Sie können nicht einfach die althergebrachten Dinge auf die Bühne bringen, nur in der Hoffnung, dass dann mehr Zuschauer kommen. Das stimmt gar nicht." (APA)

  • Schon seit einiger Zeit macht er sich rar: Regisseur Peter Konwitschny.
    foto: standard / cremer

    Schon seit einiger Zeit macht er sich rar: Regisseur Peter Konwitschny.

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