Der König von Schweden ist zart

23. Dezember 2011, 20:26
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Tomas Tranströmers Jugenderinnerungen als Hörbuch

 

Vielleicht lesen jetzt doch mehr Menschen Tomas Tranströmer. Hat doch der schwedische Autor jüngst den Literaturnobelpreis verliehen bekommen. Endlich ein Dichter, seufzten viele Lyrikaficionados auf. Endlich wieder ein sanfter, durch und durch menschenfreundlicher Schriftsteller, sagten viele, dessen Poeme nicht zwanghaft verdunkelt und metaphernverwuchert sind.

Und vielleicht lesen jetzt noch mehr seine zarten Kindheits- und Jugenderinnerungen. Die Tranströmer ansehen, wohlgemerkt nicht umgekehrt. Die Mutter und die erste Lektüre, Lehrer und Herkunft, Aufwachsen (als Scheidungskind) und Mitschüler, erste literarische Gehversuche als Modernist und Horaz, Eindrücke, Gewärtiges und Bannendes, selbst Ängste und Ängstigendes, all das tritt hier zurückhaltend auf. Und wird in einer klaren, schlichten, jedem Schnörkel und jedem Pathos ausweichenden Prosa geschildert.

Es war eine kluge Entscheidung, fürs Einlesen dieses eindringlichen Textes keinen wirklichen Profi zu verpflichten. Sondern Michael Krüger einzuladen, seit vier Jahrzehnten Tranströmers deutscher Lektor und Verleger, der ihn als wahren König von Schweden tituliert. Besonders bewegend die Beigabe: Mitschnitte von sechs Gedichten, von Tranströmer, heute von einem schweren Schlaganfall gezeichnet, vor 25 Jahren selbst gelesen. (Alexander Kluy/ DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2011)

  • Tomas Tranströmer, "Die Erinnerungen sehen mich". 2 CDs. € 12,99 / 109 min. 
Osterwold/Hörbuch, Hamburg 2011
    foto: osterwold

    Tomas Tranströmer, "Die Erinnerungen sehen mich". 2 CDs. € 12,99 / 109 min. Osterwold/Hörbuch, Hamburg 2011

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