Trotz Niederlage - Sicherheitskräfte gehen gegen Anhänger des Oppositionsführers vor
Kinshasa - Trotz seiner Niederlage bei der
Präsidentschaftswahl in der Demokratischen Republik Kongo hat sich
Oppositionsführer Etienne Tshisekedi selbst zum Staatschef ernannt.
Anders als vorgesehen legte er seinen "Amtseid" am Freitag nicht in
einem Stadion, sondern in seinem Haus in Kinshasa ab.
Sicherheitskräfte hatten das Wohngebiet zuvor abgeriegelt und
jegliche öffentliche Ansammlung seiner Anhänger unterdrückt.
Ursprünglich hatte Tshisekedi seinen "Amtseid" nach eigenen
Angaben im imposanten Stadion der Märtyrer "vor dem kongolesischen
Volk" ablegen wollen. Noch in der Früh verboten die Behörden
allerdings eine dort geplante Kundgebung seiner Anhänger und gingen
mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die "Präsident Tshisekedi"
riefen. Nach Berichten von AFP-Journalisten kam auch scharfe Munition
zum Einsatz. Dutzende Oppositionsanhänger wurden festgenommen.
Sicherheitskräfte sperrten zudem den Bezirk Limete im Osten von
Kinshasa ab, in dem Tshisekedi wohnt. Der 79-Jährige wurde so daran
gehindert, in das Stadion zu fahren. Vor dutzenden Anhängern und
anderen Oppositionspolitikern leistete er deshalb am Nachmittag in
seinem Haus den "Amtseid".
Tshisekedi, der bei der Präsidentschaftswahl Ende November nach
amtlichen Angaben Amtsinhaber Joseph Kabila unterlegen war, erkennt
das Ergebnis unter Hinweis auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten nicht an
und erklärte sich selbst zum Wahlsieger. Kabila war am Dienstag
erneut als Präsident vereidigt worden. Er hatte bei der Abstimmung
laut amtlichem Ergebnis knapp 49 Prozent der Stimmen erhalten.
Tshisekedi bekam demnach gut 32 Prozent. (APA)