Hilfsorganisationen

Wie die Sammler an den Spenden verdienen

23. Dezember 2011, 18:36
  • Artikelbild
    foto: der standard/christian fischer

    Erfolgreich: die Spendenbüchse.

Provisionen sind in Österreich nicht üblich, trotzdem werden Agenturen mitunter erfolgsabhängig bezahlt

Wien - Wer Geld verdienen will, der muss erst welches ausgeben - das gilt auch für Hilfsorganisationen. Anders als bei gewinnorientierten Firmen sorgt dieses Geldausgeben bei ihnen aber immer wieder für Schlagzeilen. Anfang Dezember erregte ein Bericht im deutschen Rundfunk die Gemüter: Der NDR hatte herausgefunden, dass Greenpeace und die Kinderhilfsgruppe Plan Deutschland Provisionen an Agenturen zahlten, die für sie im Internet Spenden sammeln - teilweise überstiegen diese sogar die gespendeten Beträge. Die Spender wussten nichts davon.

"Provisionszahlungen für Spenden sind ein emotionales Thema", sagt Harald Maier, Leiter des Fundraisings bei Care Österreich. Dabei seien Provisionen nicht unbedingt etwas Schlechtes - selbst wenn diese teilweise hoch erscheinen würden.

Denn Spendensammeln kostet Geld - mitunter kann das bei einer Aktion mehr sein, als dadurch auf Anhieb lukriert wird. Allerdings bleiben viele Geber den Organisationen nach der ersten Spende treu, sodass sich der Aufwand sehr wohl rechnet - wenn auch mitunter mit Verzögerung.

Dennoch verzichtet Care derzeit auf klassische Provisionsmodelle, auch weil deren Ruf eben so schlecht ist. "Provisionszahlungen sind in Österreich sehr unüblich", sagt auch Günther Lutschinger, Geschäftsführer des österreichischen Fundraising-Verbandes. Die meisten Organisationen zahlen fürs Spendesammeln fixe Honorare - oder machen es gleich selbst.

Die Straßensammler von Greenpeace etwa arbeiten direkt für die Organisation, Amnesty International und WWF teilen sich ihre Keiler. Für kleinere Organisationen wie etwa die Roten Nasen sind eigene Sammler aber zu teuer. Sie sind auf die Hilfe von Agenturen angewiesen.

Dabei ist die Bezahlung zumindest indirekt auch erfolgsabhängig: Der Preis richtet sich einerseits danach, wie viel bei früheren, ähnlichen Sammlungen eingenommen wurde. Andererseits schwankt das Honorar auch nach der "Qualität" der Spender, also danach, wie schnell und ob sie nach der Anwerbung ihren Spendenauftrag widerrufen.

Direkte Provisionen gibt es auch in Österreich beim Onlinesammeln: Manche Spenden-Webseiten finanzieren sich so. Dabei zahlt die bedachte Organisation, für die die Gelder lukriert werden, einen einstelligen Prozentsatz an die Homepage-Betreiber.

Die Online-Spende macht allerdings einen verschwindend geringen Anteil des Gesamtaufkommens aus - am effizientesten ist für die Organisationen immer noch der direkte Kontakt, sei es auf der Straße oder an der Haustür. Allerdings verzeichnet der Internetanteil an Gespendetem in den USA jährlich zweistellige Zuwachsraten.

Etwa sieben bis acht Prozent ihres Umsatzes investieren große Organisationen in ihre Verwaltung und ins Fundraising, sagt Verbandsleiter Lutschinger, bei kleinen kann der Anteil auch doppelt so hoch liegen. Und auch die Arbeitsweise der Organisation entscheidet darüber, wie viel Prozent ihrer Einnahmen in die tatsächliche Hilfe fließt.

Gruppen wie Care, die einen Großteil ihrer Gelder von staatlichen Stellen bekommen, müssen weniger für Fundraising ausgeben. Anderen NGOs wie Ärzte ohne Grenzen, die ausschließlich privat finanziert werden, kommt das Sammeln teurer - sie sind dafür aber auch deutlich unabhängiger und flexibler, wenn es darum geht, die Mittel zu verwenden.

Wegen dieser Unterschiede sind auch keine genauen Grenzen für die Verwaltungskosten für das österreichische Spendegütesiegel vorgeschrieben - die Kontrolleure prüfen allgemein die "Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit". (Tobias Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
1 2 3 4 5
Dr. Seltsam
 
00
29.12.2011, 16:06

Diese Spendenkeilerei hat eine Dimension angenommen, den ganzen Charity-Bereich in Verruf bringt.
Ich bekomme fast täglich Anrufe von diversen Spendenkeilern. Die versprechen einem das Blaue vom Himmel!
Besonders heftig sind die Typen, die vorgeben, von der Polizei zu kommen. Da gibt es einen ganz üblen Verlag in der Steiermark. Die machen Fundraising für diverse "Polizeivereine". Diese Vereine sind Polizisten oft genug komplett unbekannt.

Ich spende nur noch direkt.

Blubber bläschen
00
28.12.2011, 10:51
vorsicht vor strassenkeilern

mein studierender bruder hat 2 sommer spenden gesammelt, für zwei unterschiedliche, aber sehr bekannte "marken", allerdings auf der payroll einer agentur.

wir haben uns ausgerechnet, dass das erste einbezahlte jahr nur den keilern und (noch mehr) deren arbeitgeber zugute kommt. erst dann rechnet es sich für die organisation.

also besser direkt spenden...

Angela Glockenklanng
11
26.12.2011, 14:27
Der logische Schluß

Liebet Eure "Nächsten" in Not. Da braucht Ihr keine Keiler finanzieren. Und schreibt an die Politiker, wie Ihr Euch die Entwicklungshilfe wünscht. Die haben ihre Keiler sowieso schon im Finanzamt sitzen und brauchen daher nicht extra für unsere Spenden löhnen.

David Mungo
10
26.12.2011, 12:45
Provisionen sind in Österreich unüblich und mögen dem einen oder anderen zweckfremd erscheinen. Diese Haltung ist verständlich. Hier ist Aufklärung der Menschen gefragt. Auch wenn die Provisionen die Spenden übersteigen (selbst um ein Vielfaches),

ist das allein noch keineswegs ein Beweis für die Zweckentfremdung.

Auch beziehen die meisten Organisationen den Großteil ihrer Spenden über Keiler. Diese Menschen arbeiten im Rahmen der LReg (Gesetz über die Leibeigenschaftsregelung für wohltätige Zwecke) und bekommen für ihre Arbeit nur eine tägliche Essensration von 1200 kcal. Ebenso verhält es sich mit Organisationen, die Zivildiener besitzen. Hier wird also sehr sorgfältig mit dem Spendengeld umgegangen.

Und letztendlich ist zu bedenken, dass große Organisationen wie Care oder Caritas ihr Geld hauptsächlich von staatlichen Stellen beziehen. Eine Einmischung in ihre Finanzpolitik ist hier freilich völlig unangebracht.

blub7
12
26.12.2011, 13:40
man kann ganz leicht...

...herausfinden, ob diese leute provision erhalten, oder ob es ihnen wenigstens um die sache geht (auch wenn sie dafür geld erhalten) --> fragt einfach nach, ob sie euch unterlagen mit der zu kontonummer mitgeben können (zur not auch nur auf einem einfachen blatt papier)...da kriegt er zwar keine provision, aber wenns ihm um die armen kinder geht, muss es ihm doch lieber sein, wenn was gespendet wird ohne provision, als dass gar nix an die kinder geht...soll ich euch was sagen? NICHT EINMAL HAT SICH EINER VON DIESEN (und ja, ich sags jetzt) EGOÖKOS (die ja sonst immer ach so sozial tun) BEREITERKLÄRT, DAS ZU MACHEN...und man wird mittlerweile sogar von diesen leute zu hause aufgesucht

Chocoholic
00
31.12.2011, 14:44
Ich weiss, earum ich keine Türklingel montiert hab und eine Geheimnummer.

Dass die depperte Telekom trotzdem dauernd anruft und ich Ihnen immer erklären muss, dass ich zwar ein Tel bei ihnen hab, aber die Nummer nicht dafür zahl, diese Nummer dazu zu benutzen, um mich markettechnischen anzumachen, kotzt mich an. Wenn also dann so ein Keiler vor meiner Tür steht, bin ich 100pro nicht freundlich zu ihm. Reicht schon im Fernsehen, im internet, auf Plakaten, in Zeitungen, Zeitschriften, im Programmheft, im
Radio, in Postwurfsendungen, an der Türklinke, ....

nichtbriefmarkensammler
01
26.12.2011, 12:43
organisiertes Betteln ist ein Geschäft!

Opferstock, Licht ins Dunkel und Charity beruhigen das Gewissen, Welches?

wirkliche Bettler sind kriminell?

bitte um Aufklärung!!!!

Neues Österreich
00
26.12.2011, 10:50
Meine Frage : Wie verhält es sich eigentlich bei der Aktion "Licht ins Dunkel"?

Von welchem Geld wird zB das Gehalt der Frau Tschürz und anderen bezahlt?

spitzenkandidat.2.0.
12
25.12.2011, 18:50
ich war einmal spenden sammeln und bin darauf echt nicht stolz ...

...das war für einen kleinen Verein (gibts soweit ich weiß auch nur in OÖ), bei dem es nochdazu um Kinder gegangen ist.

Vom Verhältnis Leistung/Bezahlung war es einer der besten Arbeiten die ich bisher gemacht habe,... ca. 9,50€ in der Stunde + höherer fixer Prozentsatz Provision + Anfahrt und Verpflegung.

Mit dem Thema Kinder haben natürlich (vorallem auch Ältere) im besten Gewissen Geld in die Spendenbox geworfen. Ein paar Leute haben natürlich gewusst, dass ich Provisionen dafür bekome, und dann meistens nichts hergegeben.

Ich habe das danach allerdings nicht mehr weitergemacht, vorallem auch weil die Bezahlung und die Provision unverschämt hoch waren (fürs einfach dastehen) und ich das nicht mit mir selbst vereinbaren können hab...

Stuff
20
25.12.2011, 17:50
Was mich vom Spenden abhält

sind diese - wie abgebildet - Winterhilfswerksammelbüchsen. Ja, ich bin undeutscher Antideutscher!

Die Spendengesinnung manifestiert sich in diesen Büchsen und der hiemit verknüpften Meme (die ja auch der Standard zu bedienen vermeint sich verpflichtet fühlen zu müssen!) zu einem ungustiösen Schleim, auch wenn man mich ohne diese Büchsen anschnorrte…

chg4711
01
25.12.2011, 16:23
Alles was Geld bring wird gemacht Punkt.

prusiner
16
25.12.2011, 13:27
wenn man

etwas spendet, dann so anonym wie möglich; sonst gerät man in die Spenderdatenbanken der div. Fundraiser; dann kann man sich rasch von Bettelbriefen (besonders übel: die mit beigelegten "Incentives" für´s schlechte Gewissen ..) nicht mehr retten und wird nach allen Regeln der Kunst abgegrast.

wenn die Telefonnummer dann auch noch in die Datenbanken gerät, dann wird´s übel.

Thomas Müller
10
25.12.2011, 12:45

Wer trotzdem Spenden will, kann dies sogar kostenlos beim Online-Shoppen tun (Charity-Shopping). shop2help.net unterstützt auf diese Weise eine Reihe namhafter NGOs. Habs selbst schonmal probiert, ist alles gut gelaufen und den NGOs entstehen dabei nichteinmal irgendwelche Nebenkosten.

auweh mit e
00
26.12.2011, 12:06

lässt sich leicht spenden, wenn die spenden den anderen online-käufern aufgehalst werden. ;)

Thomas Müller
00
26.12.2011, 22:51

Stimmt nur bedingt. Insbesondere preisgebundene Bücher würden nicht billiger werden, wenn amazon dafür keinen Vermittlungsprovision ausschütten muss.

Helios 2 7
00
26.12.2011, 06:49
masterpiece
20
25.12.2011, 12:41
wenn ich mein soziales gewissen beruhigen möchte ..trink ich einen punsch beim lions club ;-) ..

Berli Jucker
00
25.12.2011, 11:53
Sieht ein Sammler Gammler steh´n

muß das Lamm leer weitergeh´n.

Loyalist
15
25.12.2011, 11:41
Ich wollt mal spenden, aber der Typ wollte kein Bargeld sondern meinen Kontonr. !

Hab daraufhin gleich die Tür zugemacht!

Spende schon genug für die Wohnung, Strom, Gas, Heizung und sogar den ORF!!!!

rudio
14
25.12.2011, 09:07
Spenden ja, Keiler nein

Natürlich ist auch der Spendenmarkt ein Markt und unterliegt - auch wenn das nicht gerade sympathisch ist - den üblichen Marktmechanismen: Produktentwicklung, Marketing, Wettbewerb, Vertrieb, (und Provisionen, fallweise Korruption).
Ich spende selber auch eher für Organisationen mit beworbenen "Markennamen" und "Markenprodukten" als für völlig unbekannte No-Name Vereine/Produkte.
Widerlich finde ich aber die aggressiven Straßenkeiler, die vor allem unsichere Menschen bedrängen und emotional unter Druck setzen. Diejenigen Organisationen, die das machen bzw in Auftrag geben, bekommen von mir jedenfalls ausdrücklich Null.

sektionschef vom salzamt
04
25.12.2011, 01:54

in österreich dürfen meines wissens nach, sage und scshreibe 80 prozent der spenden vom verein einbehalten werden. damit erübrigt sich die ganze diskussion.
wer etwas zu geben hat, sollte es lieber in naturalien abliefern.. nämlich dort, wo es tatsächlich gebraucht wird. wir haben das heuer auch so gemacht, und ein 100-mannn-abendessen in ein obdachlosenheim gebracht. da weiss man wenigstens, wo die sachen ankommen. frohe weihnachten !!

Loonquawl
01
25.12.2011, 11:20

80% des ersten jahresbeitrags. danach bleibt alles bei der organisation. ist zwar traurig und klingt viel, würde aber ansonsten niemand machen und die orgas stiegen mit noch weniger aus, nämlich 0.

"wer etwas zu geben hat, sollte es lieber in naturalien abliefern.." schön wärs, funktioniert leider nicht.

sektionschef vom salzamt
00
25.12.2011, 16:03

hat doch eh bei uns funktioniert!
wir haben das essen eigenhändig abgeliefert!

auweh mit e
00
26.12.2011, 12:10

ja, aber wenn das jeder machen würde.

soviele obdachlosenheime gibt es nicht.

Salz Burger
00
26.12.2011, 11:32

Finde ich toll. Das ist wirklich eine gute Sache.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 183
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.