Margit Schratzenstaller

Abbau von Steuerbegünstigungen

Kolumne | Margit Schratzenstaller, 23. Dezember 2011, 18:23

Eine koalitionsübergreifende Steuerreformkommission sollte unverzüglich ihre Arbeit aufnehmen

Die grundlegenden Weichenstellungen bei der Abgabenstruktur, die ebenso dringend wären wie bei den großen ausgabenseitigen Reformen, werden derzeit durch das Aufeinanderprallen von Listen mit recht unsystematisch zusammengestellten Einzelvorschlägen einerseits mit einer generellen Verweigerung einer Steuerdebatte andererseits blockiert. Dies unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit einer koalitionsübergreifenden Steuerreformkommission, die unverzüglich ihre Arbeit unter den folgenden Zielsetzungen aufnehmen sollte:

Vorrang soll erstens die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes zur Verbesserung der komplizierten und aus wachstums-, beschäftigungs- und verteilungspolitischer Perspektive unbefriedigenden Struktur des österreichischen Abgabensystems haben. Diese Strukturreform soll zweitens insgesamt aufkommensneutral sein - durch einen Abtausch von höheren Steuern mit relativ vorteilhaften Eigenschaften gegen die hohen beschäftigungsfeindlichen Abgaben auf die Arbeit. Drittens sollen Steuererhöhungen zur Erreichung der gesetzten Budgetsanierungsziele nur ergänzende Funktion neben Ausgabensenkungen haben. Dabei sollen viertens Maßnahmen gesetzt werden, die ebenfalls die Struktur des Abgabensystems verbessern und die lahmende Konjunktur nicht weiter belasten. Fünftens sollen auch die Mehreinnahmen aus solchen Steuererhöhungen mittelfristig in die Senkung arbeitsbezogener Abgaben fließen. Zu erarbeiten wären jetzt also die Eckpunkte für eine gesamthafte, zweigleisige Strategie.

Einen zeitlich befristeten Beitrag zur Budgetsanierung könnte insbesondere die schnell umsetzbare Einschränkung steuerlicher Ausnahmen leisten. Und zwar vorrangig jene mit problematischen Lenkungswirkungen: die ökologisch kontraproduktive Steuerbegünstigung von Firmenwagen, Diesel und Kerosin oder die beschäftigungspolitisch fragwürdige Steuerbegünstigung von Überstunden.

Auf den Prüfstand zu stellen wären außerdem antiquierte Regelungen wie die Steuerfreiheit des Haustrunks in Brauereien sowie der sozial wenig treffsichere ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Medikamente. Sollen auch - wie derzeit diskutiert - die oberen Einkommen einen "Solidarbeitrag" leisten, so ist zielgenauer als die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, den nur wenige Steuerpflichtige tatsächlich zahlen, der Abbau von Steuerbegünstigungen für hohe Einkommen - etwa für Sparförderung oder Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Eine Durchforstung und Einschränkung steuerlicher Ausnahmen würde auch das Abgabensystem vereinfachen.

Auf das zweite Gleis wäre der längerfristig anzulegende aufkommensneutrale Umbau des Abgabensystems zu stellen. Grundsätzlich sollten die unteren und mittleren Einkommen von den hohen beschäftigungsfeindlichen Lohnsteuer- und Sozialversicherungszahlungen entlastet werden.

Die Gegenfinanzierung würde zum einen erfolgen durch den schrittweisen Ausbau von Umweltsteuern. Zum zweiten durch die stärkere Ausschöpfung bestimmter, relativ wachstums- und beschäftigungsverträglicher vermögensbezogener Steuern: nicht durch eine schwer durchsetzbare allgemeine Vermögensteuer, sondern durch die intensivere Nutzung der Grundsteuer ebenso wie von Steuern auf Wertzuwächse bei Grund- und Immobilienvermögen sowie auf hohe Erbschaften. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24./25.12.2011)

MARGIT SCHRATZENSTALLER ist Referentin für öffentliche Finanzen beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

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TomTom33
00
26.12.2011, 18:10
Und die Absetzbarkeit

des Kirchenbeitrags ist weiterhin ein Tabu....

weil der kostet sicher in summe dem staat an die 100 Mio würde ich mal schätzen.

carta
10
26.12.2011, 14:50

Soll jetzt aufgrund des Öko-Schmähs der kleine Außendienstmitarbeiter mit Dienstwagen mehr Steuern zahlen?

ino
00
27.12.2011, 23:27

Soll jetzt der kleine Innendienstmitarbeiter ohne Dienstwagen sein gesamtes Einkommen versteuern?

Ja.

Warum dann nicht auch der Außendienstmitarbeiter? Die private Nutzung eines Dienstwagens ist nun mal ein geldwerter Vorteil aus dem Beschäftigungsverhältnis, oder sehen Sie das anders?

krachbummente
00
30.12.2011, 11:29

Nennt man Sachbezug.
Zahle für mein Auto 300 € Steuern (ja rein Steuern)!
Klar - für mich günstig. Hätte ich ein eigenes Auto würde der Staat nie und nimmer 300 € von mir bekommen.

Wenn man schon gescheit redet sollte man die Grundzüge vom Steuersystem kennen.

Das Liebenswürdige Scheusal
 
00
28.3.2012, 21:34
Das dienstauto für das sie

300 euro steuern zahlen gibts nicht.

Der hinzurechnungsbetrag ist maximal 600 euro.

Davon zahlen sie sozialversicherung und est.

krachbummente
00
28.3.2012, 22:13

Danke - ändert nun für mich was?
Sorry aber das ist mir wirklich sehr egal - ich hab das Geld nicht und Punkt :)

RS69
 
00
30.12.2011, 12:03

Wenn SIe ihr eigenes Auto hätten, würden Sie Ihr Geld versteuern (Einkommenssteuer) bevor Sie dann das Auto darum kaufen. Das kommt selten billiger - ausser Sie haben einen sehr teuren Dienstwagen (der Zurechnungsbetrag ist gedeckelt), oder einen extrem alten (der wäre dann privat schon bezahlt).

krachbummente
00
30.12.2011, 14:20

Das ist schon klar.
Allerdings den Sachbezug den ich hier nenne ist bereits netto gerechnet - d.h. ich müsste um 600 € Treibstoff erwerben damit der Staat die gleichen Steuerlichen einnahmen hätte. Je nach Steuersatz sieht der Wert anders aus. Daher denke ich nicht, dass der Staat soo arm ist.

RS69
 
00
30.12.2011, 14:51

Mir geht's nicht um den Treibstoff, sondern um die Anschaffungskosten.

krachbummente
00
30.12.2011, 15:49

Bei der Anschaffung würde ich allerdings keinen Neuwagen in dieser Preisklasse kaufen sondern einen günstigen Gebrauchten.
Beim letzten Privatkauf hat der Staat weder durch Steuer noch NoVa profitiert.

Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist die Deckelung. Davon profitieren ausschließlich jene, die einen Wagen über 50 000 € fahren und das wird bei den wenigsten Angestellten der Fall sein.
Hier haben sich meines Erachtens wieder einige, wenige Profiteure durchgesetzt denn 500€ Sachbezug (Brutto) machen bei Einkommen jenseits der 5000 € nicht mehr wirklich was aus...

RS69
 
00
30.12.2011, 15:59

Ich kenn schon Leute mit Dienstwägen über 50 TEUR.

Kann man in beide Richtungen argumentieren - die zahlen sowieso meist genug EST, und die ganzen Begünstigungen und die meisten Absetzposten sind da auch weggefallen. Ansonsten seh ich da auch nicht so den Sinn dahinter.

Aber unser Steuersystem ist in alle Richtungen willkürlich, das seh ich als eines der kleineren Themen.

RS69
 
00
30.12.2011, 15:56

Reden's mit Ihrem Arbeitgeber - wenn's kein ganz grosser ist, sind die Chancen gut, dass SIe auch auf km-Geld fahren können.

Ich glaub aber nicht, dass auch ein Gebrauchter günstiger ist, wenn's all ie Nebenkosten rechnen die das Unternehmen bei einem Firmenwagen übernimmt. Der müsst schon sehr günstig sein, beim 3 Jahre alten Passat oder so geht sich's noch nicht aus.

krachbummente
00
30.12.2011, 16:15

km Geld ist in den meisten Autos unrentabel (außer man macht es wie einer meiner alten Firma und "erfindet" Strecken).

Ich bin mit der Lösung sehr zufrieden - sehe allerdings keinen Nachteil für den Staat.
Günstiger als was? als die 300 €? das glaube ich auch nicht.

RS69
 
00
30.12.2011, 16:20

Ich seh auch keinen Nachteil für den Staat - vor Allem, da es sich ja um ein Betriebsmittel handelt, das auch privat genutzt wird.

km-Geld ist nur dann günstiger, wenn's mit einem älteren Auto auf sehr viele km im Jahr kommen. Das sit dann aber auch ein Zuverlässigkeitsthema. Ausserdem wird das Unternehmen in solchen Fällen lieber ein Auto hergeben.

verleih nix
01
26.12.2011, 17:28

ja.

oder nennen sie irgendeinen vernünftigen grund für dieses steuerprivileg. die bessere umweltschädigung und die förderung der deutschen autoindustrie sind keine guten gründe.

R.A
20
26.12.2011, 12:58
weg mit

der Gruppenbesteuerung
der Abschreibemöglichkeit von betriebsnotwendigen Anschaffungen! Dafür ist ja kompensatorisch ein gering versteuerter Gewinn da!
der Abschreibung von Bonizahlungen und überzogenen Managergehältern

R.A
00
26.12.2011, 13:08
und vor allem:

weg mit den Politikerprivilegien, die oft für nur kurze Tätigkeit ordentlich erhöhte Pensionen lukrieren.
Weg mit den Beamtenprivilegien in Kranken und Pensionsversicherung, bringt sicher viele Millionen.

koyaanisqatsi
00
26.12.2011, 12:28
aufhebung der gruppenbesteuerung

würde wieviel bringen ?
wieviel auch immer - der anreiz betriebe ins ausland umzusiedeln wäre auf jeden fall reduziert.
aufhebung der pauschalierung von landwirtschaftlichen betrieben - auch landwirten ist es zumutbar eine buchhaltung zu führen und steuern zu zahlen.

RS69
 
00
26.12.2011, 12:37

Warum denken Sie, dass der Wegfall der Gruppenbesteuerung den Anreiz der Unternehmen ins Ausland zu verlagern REDUZIEREN würde?

R.A
00
26.12.2011, 13:02
das ist sehr einfach zu beantworten:

zahlreiche "auslands"töchter sind als Abschreibeposten extra nur zur Steuerminderung geschaffen worden. Eine scharfe Überprüfung würde sicher einige Briefkastenfirmen ans Licht bringen, auch die fingierten Rechnungen, mit denen die Mehrwertsteuer zurückgeholt wird, gehört da hinein.

RS69
 
00
26.12.2011, 13:25

Naja - und wenn das nicht mehr möglich ist, ist schnell der Unternehmensteil ganz ins Ausland verlagert.

Tschoff
11
26.12.2011, 11:37
Niches fiscales - Steuerschlupflöcher

Die Pendlerpauschale sollte gestrichen werden: diese ist unökologisch, fördert die Abhängigkeit von Rohöl, fördert lange Arbeitswege, Zersiedelung…

Man kann sehr viele legale Steuerschlupflöcher aufzählen. In Frankreich beispielsweise gab es 2011 504 dieser „Ausnahmen“. Kostenpunkt: 68 Milliarden Euro. Da ließen sich auch in Österreich ein paar Milliarden Euro auftreiben.

John D.
01
26.12.2011, 11:28
Die "intensive Nutzung der Grundsteuer"

werden allein die Mieter, die Eigentumswohnungsbesitzer und die Häuselbauer bezahlen: der agrarische Grundbesitz wird sicher weiter privilegiert werden genauso wie der betriebliche, die Zinshausbesitzer werden die Mehrkosten auf die Mieten schlagen.

Der Mittelstand soll nicht belastet werden? Eine Augenauswischerei. Ihm wird wie immer die Hauptlast aufgebürdet werden.

Snoopy47
00
26.12.2011, 11:13
haustrunk im brauereigewerbe

und dann natürlich auch die Freifahrten für die Familie bei ÖBB und Wiener Linien,.... (oder sind das wohl erworbene Rechte?)
Die Brauereimitarbeiter (so fleissig sie auch sein mögen, mit 38,5 Stunden pro Woche, 6 Wochen Urlaub) mit einem Bauern zu vergleichen (7x12 Stunden und kein freier Tag) klingt sehr klassenkämpferisch.

super Typ
00
27.12.2011, 16:09

Die Freifahrten sind inzwischen eh als geldwerter Vorteil aus dem Dienstverhältnis zu versteuern.

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