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Schon wieder schnöder Undank eines Mimen! Wie soll da Weihnachtsstimmung aufkommen? Was haben sich die Patriotenmacher vom heimischen Boulevard nicht bemüht, den geborenen Wiener Christoph Waltz als Belohnung für seinen "Oscar" auch noch zum Österreicher zu befördern. Und wie lohnt er es ihnen? Waltz lästert wieder, lautete Mittwoch die Schlagzeile von "Heute". Das wäre noch nicht so schlimm, aber er beging die schwerste Sünde, die ein Österreicher überhaupt nur begehen konnten - er lästerte im Ausland, und zwar im fernen.
Man muss allerdings zugeben, er befand sich in einer intellektuellen Zwangslage: Er sollte in der Late-Night-Talkshow von Conan O'Brien dem US-Publikum den Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen erklären, so "Die Presse". Was das US-Publikum alles wissen will! Und da hatte er, laut "Heute" keine Wahl. Waltz schießt scharf: Wir sind höflich, aber leider verlogen! Zur Ehrenrettung von Waltz ist zu sagen, das leider stammte nicht von ihm, sondern war ein moralisierender Zusatz des Gratisblattes. Was Waltz wirklich sagte, war genau genommen für die Österreicher eher schmeichelhaft, für die Deutschen aber geradezu niederschmetternd. "Österreicher tendieren dazu, sich ihr Leben einfacher zu machen. Sie sind sehr höflich, meinen es aber nicht so." Ganz im Gegensatz zu den Deutschen: "Sie gehen auf Konfrontation und sagen alles direkt so, wie es ist. Das hat selten eine Art Anmut, Melodie und Rhythmus. Zum "Klischee, dass Deutsche keinen Humor haben", meinte Waltz: "Das ist kein Klischee".
Wenn das kein Klischee ist, dann gibt es keines. Wir hören es halt so gern und trösten uns mit "Heute": Wenigstens haben die Österreicher "einen guten Schmäh". Nein, noch besser: Wir sind am gemütlichsten und haben den Über-Schmäh. Es ist diese Art Anmut der Verlogenheit, für die das Blatt als Entschuldigung bereit hält: Hauptsache, wir mögen uns selbst!
Doch nicht einmal das stimmt, wenn man glauben darf, was laut "Heute" auf einer exklusiven Weihnachtsfeier am ehemaligen Fabriksgelände der Firma Ankerbrot in Wien-Favoriten passierte, nämlich folgendes: Banker bewirft FP-Chef Strache beim Clubbing mit Wurstsemmel. Und das kam so. Eine erlesene Runde von 500 Gästen feierte von Samstag auf Sonntag ein exklusives Weihnachtsclubbing. In "Österreich" war die Erlesenheit des exklusiven Weihnachtsclubbings deutlich angewachsen. Eigentlich sind die Friends for Friends-Clubbings ja als gediegene Feiern bekannt. Am Samstag kamen wieder 1.800 Gäste in die Anker-Hallen.
Ein Event, das FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache offenbar ebenfalls nicht auslassen wollte. Der Mann nimmt seine politischen Verpflichtungen schließlich ernst, auch wenn man ihm deren Ausübung erschwert, wo es nur geht: Der Blaue war zwar nicht eingeladen, erschien aber im Schlepptau von geladenen Gästen. Samt Friedensstiftern.
Erlesene Runden ziehen ihn eben magisch an, was nicht immer auf Gegenseitigkeit beruht: Ein Gast des Clubbings, ein Familienvater laut "Österreich", freute sich jedenfalls nicht gerade über die Anwesenheit des Oberblauen bei der Party für Freunde, und es kam, wie es in unterschiedlichen Varianten mit einiger Regelmäßigkeit kommt, wenn Strache uneingeladen in erlesenen Runden zu baden versucht. Ein Banker (40) hat ein Wurstsemmerl in Richtung Straches Kopf geworfen, so "Heute". Das "Flying Buffet" dürfte Straches Bodyguard derart erschreckt haben, dass er in dem Werfern einen gefährlichen Feind vermutete und seine Muskeln spielen ließ.
Geht man so mit einem Familienvater, und in Zeiten wie diesen mit einem Banker um? Noch dazu, wo es sich laut "Heute" vom nächsten Tag um den einst "bekanntesten Investmentbanker Österreichs" gehandelt hat, der weder mit einer Wurstsemmel noch mit anderen Dingen geworfen haben will. Er war halt da, als Straches Bodyguard für sein Geld ein wenig Blut fließen ließ.
Ein "Krone"-Kolumnist übte sich in moralischer Ausgewogenheit. Nicht in Ordnung ist, dass es Leute gibt, die zur Selbstjustiz greifen und gegenüber FPÖ-Politikern tätlich werden. Erbärmlich auch, dass solche kranken Typen im Internet gefeiert werden. Märtyrergehabe steht den Blauen dennoch nicht an - sie haben ja dadurch die mediale Aufmerksamkeit, die sie sich so sehnlich wünschen. Und wie, wusste "Heute". "Wurstbürger" hatten auf Facebook gleich am ersten Tag fast 1200 Fans gefunden. Und das soll Weihnachtsfriede sein? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 24./25./26.12.2011)
Es ist immer tragisch, wenn ein Opinion-Leader feststellen muss, dass es mit seiner Opinion-Leadership nicht weit her ist
Nicht nur in der Politik, auch unter Journalisten hat in den letzten Tagen vor der Volksbefragung zum Heer eine gewisse Gereiztheit beziehungsweise an leiser Hang zu Übertreibungen eingesetzt
In "News" bekannte der "Geheimfavorit der neuen 'Dancing Stars'-Staffel", ein Herr Biko Botowamungo: "Der Glaube an Gott heilte meine Sexsucht"
Weit ist es nicht her mit der Wahrheit im Team Stronach
Legendär damals noch bei Late Night auf NBC: Conan über die in den USA weitgehend unbekannten musikalischen Ambitionen von David Hasselhoff: "He's very big in Germany and Austria."
Gott war das peinlich.
in dem umfeld hat er "gelernt":
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldman_Sachs
eine GS-tochter, deretwegen die US-börseaufsicht ermittelte, hatte u.a. der deutschen IKB eine menge miese verursacht. auch die Bank of Scotland blutete arg.
die SEC hat nur einen teil für die gelackmeierten zurück geholt:
http://www.bbc.co.uk/news/busi... s-10656699
so ist es laut SEC gelaufen:
http://www.boerse-express.com/pagesfoon... 5769/print
der aktuelle blockbuster "Margin Call" behandelt das thema auch. künstlerisch verfremdet zwar, aber es geht um diese geschichte, wie in einem nebensatz angedeutet.
derlei geschäfte mit den staatsnahen banken "refinanziert" der steuerzahler.
saubere freunde der freunde...
... der Flöttl ist ja auch keiner, der in dieses Klischee passt.
...es ging mir mit meiner rhetorischen Frage eher darum aufzuzeigen, dass dieser Typ scheinbar mit Samthandschuhen angegriffen wird, obwohl er Gründe ge/liefert hat, die sein professionelles wie privates Handeln öffentlich zu hinterfragen rechtfertigen.
Dabei hat der Standard einmal eh schon ein Gerichtsverfahren gegen ihn gewonnen, in dem begehrte Gegendarstellungen zu Berichten über zweifelhafte Praktiken des "40jährigen Investmentbankers" abgewehrt werden konnten.
Natürlich gehört das in die Rubrik Wirtschaft und nicht hierher. - Mir ging's eher darum, den bizarren "Werterelativismus" zwischen hie populistischer Rechter und da selbstgerechter Spekulant zu diskutieren.
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