Zwei Buben quälen Selbstzweifel

29. Dezember 2011, 16:38
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Jonah sieht sich als Klotz, der beim Gehen Erdbeben auslösen kann - Piet fühlt sich auch nicht gut

Kinder sind beinhart: Wer dick ist, droht verspottet zu werden, wer zu klein ist ebenso. Die Haare sind zu kurz, zu lang, zu irgendwie. Dazu gibt es auch oft noch das sich ständig drehende Karussell der Beliebtheit - beste Freundin, zweitbeste Freundin, Sicher-nicht-mehr-Freundin. Da wundert es nicht, dass Selbstzweifel aufkommen.

Jonah & Piet von Martina Bürger erzählt die Geschichte zweier Buben, die genau davon geplagt werden. Jonah sieht sich als Klotz, der beim Gehen Erdbeben auslösen kann. Piet fühlt sich auch nicht gut. Er sieht sich als das totale Gegenteil: dünn, zerbrechlich wie ein Mäuschen eben.

Es ist die erste Schwimmstunde, beide sitzen in ihren Umkleidekabinen und trauen sich nicht heraus. Bürger gelingt es sehr schön, die Ängste der Kleinen einzufangen, stellt sie auch bildlich eindringlich dar. Das Buch ist an Kinder ab dem fünften Lebensjahr gerichtet. Spätestens in der Schule setzen diese Zweifel oft ein. Die zwei (hoffentlich bald) Freunde werden sich erst am Ende des Buches zum ersten Mal sehen.

"Hoffentlich zertrampel ich dich nicht", sagt der eine. Dann wird gemeinsam bis drei gezählt: Nach dem Verlassen ihrer Kabinen scheinen die Kinder echt überrascht zu sein. Beide haben jemand anderen erwartet. Hier trifft aber kein grober Elefant auf eine kleine Maus. Es sind einfach zwei ganz normale Kinder. (Peter Mayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe)

  • Jonah & Piet ... wir sind ganz anders 
Martina Bürger, 
28 Seiten, € 15,40Aracari Verlag, Baar 2011
    foto: aracari

    Jonah & Piet ... wir sind ganz anders
    Martina Bürger,
    28 Seiten, € 15,40
    Aracari Verlag, Baar 2011

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