Barroso dagegen

Ungarn hebt Flat Tax in Verfassungsrang

23. Dezember 2011, 19:33

Die Einheitssteuer in der Höhe von 16 Prozent kann künftig nur noch durch eine parlamentarische Zweidrittelmehrheit geändert werden

Budapest - Das ungarische Parlament hat am Freitag die seit heurigen Jahr geltende Einheitssteuer (Flat tax) gegen den Rat des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso in einem Verfassungsgesetz festgeschrieben. Damit kann die 16 Prozent betragende Einheitsabgabe künftig nur noch durch eine parlamentarische Zweidrittelmehrheit abgeschafft oder geändert werden. Kritiker sehen darin eine schwere Beeinträchtigung der Handlungsfreiheit künftiger Regierungen.

Auch Barroso hatte vor wenigen Tagen dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban in einem Brief davon abgeraten, die Einheitssteuer in einem Verfassungsgesetz zu verankern. Die Forderungen Barrosos wurden vom Premier jedoch abgelehnt, wie er selbst am Donnerstagabend in einem TV-Sender mitteilte.

IWF-Kredit wird nötig

Ungarn benötigt demnächst einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU, um seine Staatsschulden zu finanzieren. Das Festhalten an dem von Barroso kritisierten Gesetzesvorhaben lässt in Hinblick auf diesen Kredit schwierige Verhandlungen erwarten.

Mit demselben Gesetzespaket billigten die rechten Regierungsfraktionen auch eine Lockerung der Schuldenbremse, die in der neuen, ab 2012 geltenden Verfassung verankert ist. Sie soll nun nicht sofort, sondern erst ab 2016 wirksam werden. Die Bestimmung sieht vor, dass der Staat im gegebenen Budgetjahr nicht mehr ausgeben darf, als er einnimmt. 

Zentralbankgesetz bleibt

Ungeachtet internationaler Kritik hält Ungarns Regierung auch an ihrem geplanten Zentralbankgesetz fest. Das von der Regierungspartei FIDESZ dominierte Parlament stimmte am Freitag zwar für Änderungen an dem Gesetz, diese waren aber nur minimal.

Sowohl die EU als auch die Europäische Zentralbank (EZB) sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten kritisiert, dass mit dem neuen Gesetz die Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank gefährdet werde. Die Reform sieht einen höheren Einfluss der Regierung auf die Bank und damit auf die Geldpolitik des Landes vor. Vorgesehen ist etwa die Erweiterung des Notenbankrats, der teilweise vom Parlament bestimmt wird. Dort hat die Partei von Ministerpräsident Viktor Orban eine Zweidrittelmehrheit.

Im Rahmen des Gesetzes zur Finanzstabilität wurde zudem festgesetzt, dass die Einheitssteuer in Höhe von 16 Prozent nur wieder mittels Zweidrittelmehrheit geändert werden kann. Außerdem wurde mit dem Gesetz festgelegt, dass die Schuldenbremse erst ab 2016 verbindlich gilt. Sie sieht vor, die öffentlichen Schulden auf unter 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. (APA)

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Francesca
54
26.12.2011, 11:50
Die Schuldenbremse, die uns Baroso, Merkel und Co

vorschreiben, engt die Handlungsmöglichkeiten noch viel mehr ein! Schuldenbrems und flat tax sind derselbe neoliberale Unsinn.

wer wenn nicht er
02
27.12.2011, 09:29
Sehe ich anders

Steuergesetze anzupassen ist eine normale Arbeit des Gesetzgebers.

Hingegen auf die schwachsinnige Idee zu kommen, Sozialleistungen auf Kredit zu verteilen, und den Nachfolgeregierungen deren Abzahlung (und Zinslast) zu hinterlassen, ist eine "Stärke" vieler (vor Allem populistischer) Politiker.

Der Tagespolitik logische Grenzen zu geben ist ein klassisches Instrument der Verfassung.

Selbstverständlich wäre in einer idealen Politik vieles nicht in der Verfassung nötig:
z.B. weder der Hausverstand, dass man nicht im Namen des Volkes Schulden ohne Ende machen darf, noch dass immer die Menschenrechte zu gelten haben. Offensichtlich hat man Sorge, dass manche Politiker beides nicht immer schaffen.

Francesca
00
29.12.2011, 09:06
Naja, die Schulden der letzten Jahre wurden aufge-

nommen für: die Bankenhilfspakete, die notwendigen Konjunkturprogramme gegen die von den Zockern verursachte Wirtschaftskrise, die Mehrausgaben z. B. für die gestiegene Arbeitslosigkeit, die Mindereinnahmen an Steuern und Sozialversicherungsbeiträge aufgrund der Krise.

wer wenn nicht er
00
29.12.2011, 19:33
Nicht böse sein, aber

Ich habe 2 Kindergartenkinder in Wien.

Da war es vor der Krise noch so, dass nur die wenigen Gemeindekindergärten günstig waren, der Großteil (vor Allem wenn beide Eltern ihren Job behalten wollten) musste die Kinder in Privatkindergärten geben.

Inkl. Essen usw. hatte das an die 400 EUR pro Kinde Netto gekostet.

Dann kam die Krise: Seither kostet ein Kindergatenplatz 120 EUR, das ist noch dazu absetzbar. Hinzu kam eine Lohnsteuerkürzung und die Absetzbarkeit von Spenden, sonstigen Erziehungsausgaben etc.
Ergebnis: Der Staat hat mir ca. 10.000 EUR pro Jahr hinten rein gestopft.

DAS ist das Defizit. Nicht dass ich mich beschweren würde...

Neues Österreich
11
26.12.2011, 11:05
Ungarn ein Land mit einem Novum.

Ein demokratisch gewählter Diktator, der sich durch seine Gesetzgebung über alle hinwegsetzt. Selbst die Banken hatten das Nachsehen, aber finanziert wird alles von den Mitgliedsstaaten der EU. Scheinbar mühelos wird die EU am Nasenring Orbans herumgeführt!

Shrike
10
30.12.2011, 13:39
Kein Novum

Auch in Österreich wurde bereits einmal ein Diktator demokratisch gewählt. Wohl bekommen ist uns das nicht.

Bergdolm
31
26.12.2011, 10:04
Es geht noch tiefer

.
Die Ungarn könnten auch in die Verfassung schreiben, dass pro Person nur 100 Euro monatlich an Steuern zu bezahlen sind - weil alle atmen ja die selbe Luft.
Nachsatz: Und wer die nicht bezahlen kann - und keinen Sponsor hat oder findet - der ...

Auch das wäre eine Form von "Gerechtigkeit".

Ungarns Verständnis bezüglich einer gesellschaftlichen Gerechtigkeit mittels "Flat Tax" in der Verfassung zeigt, dass sich das Land wirtschaftlich freiwillig in den Abgrund stürzt.

Wir - die EU - sollten dieses Land fallen und aufprallen lassen. Zu bedauern sind die Menschen, die diese politische Maßnahme nicht verhindern können und darunter schwer leiden werden.

Eingreifen und unterstützen dürfen wir aber nicht - sonst würde es Krieg geben.

Fritz Meyer
14
26.12.2011, 05:47
Ach darum macht die EU nichts wegen Ungarn.

Solange nur keine Kapitalinteressen gefährdet sind.

Und wenn's dort die Demokratie endgültig abschaffen - kein Problem, die EU macht auch mit solchen Nationen seit Jahrzehnten gute Geschäfte.

trace route
03
26.12.2011, 05:21
16 Prozent flat tax, und gleichzeitig Schulden drücken auf unter 50 Prozent.

Das ist nur machbar, wenn Ungarn sein komplettes Sozialsystem zerstört.

Medizinische Versorgung nur gegen Cash (ist ohnehin schon jetzt nahezu der Fall), keine Pensionen nix.

Orban hat es damit geschafft, die Sozialdemokratie in Ungarn bis in alle Ewigkeit auszunocken.

Es sei denn, Ungarn geht vorher noch pleite.

Die Chancen dafür stehen gut...

Francesca
02
26.12.2011, 11:53
Es sollten aber nicht vergessen werden, dass die

Narren von Sozdem. ein gewichtiges Scherflein dazu beigetragen haben, dass sie bei den Ungarn so unten durch sind (ähnlich wie jetzt Faymann HC fördert)

Bergdolm
40
26.12.2011, 10:10
Abwarten

.
In einigen Jahren werden sich viele Ungarn nach dem Kommunismus zurücksehnen, wenn ihre Staatsführung so weiter macht.

Ein 1956 mit anderen Vorzeichen ist nicht ganz auszuschließen.

trace route
20
26.12.2011, 05:18
Warum gibt es so viele Politiker, die im Oberstübchen nicht ganz richtig ticken? Orban in Ungarn ist nur ein Beispiel von vielen, Italien hatte beispielsweise Berlusconi. Ich kann mir nur vorstellen, dass diese nicht gesunden von einem unglaublichen

Machtstreben besessen sind, das sie dort hinträgt - unterstützt von einer Bevölkerung, die vor lauter Milljonenshow und Container-Soap gaffen zu doof ist, die Gefahr die von diesen Führern ausgeht zu erkennen.

Orban hat schon viele problematische Gesetze beschlossen: Sein Mediengesetz wurde gerade erst als verfassunswidrig erkannt, und vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Die Bankengesetze sind EU-widrig, und die Kontrolle der Regierung über die Zentralbank wird gemeinsam mit der flat tax in der Verfassung eines bewirken:

Ungarn wird rasch in der Pleite landen.

Ählich wie die Griechen. Nur mit dem Unterschied dass die Ungarn keinen Euro haben, wodurch ihnen keiner helfen wird.

Dann können Sie Orban "danken"...

kerihuelo
00
26.12.2011, 11:40

die antwort ist ganz einfach:

solange orban und konsorten genug unterstützer und dadurch auch wähler "befriedigt" solange wir er weiter an der macht gehalten.

ist bei uns auch nicht anders ...

Neues Österreich
00
26.12.2011, 11:00
Stimmt ja alles, aber Sie vergessen den Rettungsschirm!

Orban ist das völlig egal ob Pleite oder nicht, denn die Europäer spannen den Schirm auf und Ungarn schlüpft drunter. Also, wo ist das Problem für Ungarn?

trace route
00
26.12.2011, 16:12
Ungarn ist nicht in der Euro-Zone.

Daher wird es für die Ungarn keinen Schutzschirm geben.

Die sind auf sich selbst angewiesen, und das ist gut so.

Waldorf and Statler
 
00
26.12.2011, 10:43

Und was ist so schrecklich daran wenn ein Staat pleite ist?

Wie oft gingen Spanien, England, Italien, Frankreich, uvm... in den letzten 200 Jahren in Konkurs?

trace route
00
26.12.2011, 16:11
Das ist richtig, und ich sehe das genauso. Allerdings ist das nur dann problemlos, solange diese Länder alle eine eigene Währung haben. Jetzt mit dem Euro würde ein Land das zahlungsunfähig wird, andere Länder schädigen.

Anstatt komplizierter Regelungen "wie viel Prozent darf die Neuverschuldung sein blabla" die sowieso kein Land einhalten wird (zuerst wird es kleine Verstöße geben, wenn der Damm gebrochen ist, auch grobe), wäre die richtige Regelung:

Ein Land kann tun und lassen was es will und die Finanzen in Eigenverantwortung pflegen das heißt es wäre auch 5 Prozent Neuverschuldung möglich, wenn dafür zu anderen Zeiten eingespart wird. Aber WENN ein Land pleite geht, dann fliegt es AUTOMATISCH UNWEIGERLICH aus der Euro-Zone.

Denn dann gibt es keien Diskussion mehr, ob ein Land "stabil" wäre oder nicht, dann ist das Gegenteil BEWIESEN. DAS wäre ein tatsächlicher ANREIZ für Staaten, die Schulden in Griff zu bekommen...

MichaelMoore
02
26.12.2011, 01:49
Orban glaubt er muss es den Slowaken nachmachen,

die mit einer 20%igen Flattax viele Unternehmen köderten.
Schau ma moi

TrueFalse
11
25.12.2011, 20:46
Ungarn ist ein gutes Beispiel

Was Armut inVerbindung mit verrückten Ideologien entwickeln kann.

Und Ungarn war schon immer ein armes Land. Als kleines Kind war ich mit meinen Großeltern bei einem Bekannten.

Dieser war ein hoher General im Militär und 2te Weltkriegsveteran und wohnte mit seiner Familie in einer Art Schrebergartenhaus. Mehr als 80m2 hatte die nicht.

Das Bauarbeiter,Kassierer etc. sich kaum Miete leisten konnten, waren sie immer von Armut betroffen.

Wenn diese aber die "Verdienten" des Turbokapitalismus anschauen wie es denen geht, dann kommen bei denen Rechte Ideologien ganz gut an.

Die die Verwundert nur ein Geschichtsbuch aufschlagen und die letzten 100 Jahre lesen.

bratak
00
25.12.2011, 20:34
Neugier ist ja nichts schlechtes, aber nicht immer was gutes

denn Neugier im Sinne von "explodiert die bombe wirklich, wenn ich auf den großen roten knopf drücke",
oder wie hier
"hmm, wie sieht mein land aus, wenn ich gesetze beschließe, die es in kürzester zeit in den bankrott treiben?"
ist keine gesunde neugier

TrueFalse
21
25.12.2011, 20:33
hatten kritisiert, dass mit dem neuen Gesetz die Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank gefährdet werde

Bitte lese ich richtig?!

Die wollen das die Bank mehr von der Regierung geführt wird und die regen sich wegen Unabhängkeit auf?

Ich mein verdammt nochmal die Bank gehört dem Staat, also uns!!

Die haben einfach die Hosen voll, das diese Banken einfach wirklich nicht mehr nach deren Pfeife tanzen.

Und ehrlich, wenn die sich Sorgen und kritiesieren, dann heißt es für die Eliten schlechter werden könnte.

Poldi Fesch
02
25.12.2011, 22:20
die obersten Gerichte

"gehoeren" auch uns, sind aber ebenfalls unabhaengig

Walter Kaiser.
00
25.12.2011, 22:12
Sie sind Ungar?

Die Sprache sprechen Sie ja ziemlich gut, aber dennoch versteh ich nicht was Sie genau sagen wollen.

Titus Petronius
82
25.12.2011, 18:14
Alles äusserst sinnvolle Massnahmen

Flat Tax mit Befreiungen ist das einzig wirklich gerechte Steuersystem. Schuldenbremse fixiert und Einfluss auf die nationale Notenbank verstärkt.

Das einzige was sich dadurch verringert ist Ungarns Spielraum für zukünftige Rettungsschirme. Darüber könnte man diskutieren.

Walter Kaiser.
00
25.12.2011, 22:15
Was genau ist da gerecht dran?

Was genau verstehen Sie unter "Gerechtigkeit"?

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