Bürgerrechtler Wei

Neun Jahre Haft für Dissidenten

23. Dezember 2011, 17:53

Chinesischer Bürgerrechtler Chen Wei verurteilt

Peking - Die chinesische Justiz scheint Weihnachtstermine zu bevorzugen, wenn sie drastische Abschreckungsurteile gegen Dissidenten fällt. Am Freitag machte das Volksgericht in Suining kurzen Prozess mit dem Bürgerrechtler Chen Wei: Der 42-Jährige wurde in einem nur zweieinhalb Stunden dauernden Verfahren für seine Online-Essays zu neun Jahren Haft wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" verurteilt. Es ist die härteste Strafe, die Chinas Richter 2011 gegen einen Regimekritiker fällten.

Chen war einer der Mitunterzeichner des Freiheitsmanifestes Charta 08, für das der Hauptverfasser und spätere Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo am 23. Dezember 2009 wegen Staatszersetzung angeklagt und zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Bereits damals war gegen Chinas Justiz der Vorwurf laut geworden, Dissidentenprozesse auf Termine zu legen, an denen die Aufmerksamkeit im Ausland am geringsten ist.

Nach Angaben von Amnesty International gehörte Chen zu den mehr als 130 Aktivisten, Anwälten, Bloggern und Künstlern, die im Februar von der Polizei verschleppt wurden, weil die Behörden sie verdächtigten, nach arabischem Vorbild eine "Jasmin-Revolte" in China anzetteln zu wollen. Während die meisten wieder freikamen, wurde der am 20. Februar festgenommene Chen am 28. März formal verhaftet. Die Anklage legte ihm mehrere Publikationen zur Last, die er zwischen 2009 und 2011 für oppositionelle Internetportale im Ausland verfasst hatte, berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China. Sie erschienen unter Titeln wie Die Krankheit des Systems und die Verfassungsdemokratie als Gegenmittel oder Die Falle der harmonischen Gesellschaft und das Fehlen von Gleichheit. Offenbar wollte das Gericht nun an dem unbeugsamen Demokratie-Aktivisten ein Exempel statuieren.

Studentenführer 1989

Chen war schon als Studentenführer an den Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz 1989 beteiligt gewesen. Dafür kam er mehr als ein Jahr ins Gefängnis. Im Mai 1992 wurde er dann für die versuchte Gründung einer demokratischen Partei zu weiteren fünf Jahren Haft verurteilt. Gemeinsam mit Bürgerrechtler Liu Xianbin setzte er seinen friedlichen Protest gegen Chinas Einparteien-Diktatur für demokratische Reformen fort.

Chens Aktivisten-Freund Liu Xianbin, der auch die Charta 08 unterzeichnet hatte, wurde wegen Subversion gegen den Staat bereits im März 2010 zu zehn Jahren Haft verurteilt. (erl/DER STANDARD Printausgabe, 24/25./26.12.2011)

bsdcornel
00
23.12.2011, 18:43
westgeldbeförderte Protestler

naja in Amerlika in einem angeblich demokratischem Staat muß Manning mit 30 Jahre rechnen. Obwohl er nur Kriegverbrechen veröffentlicht hat.

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