Sprung auf den Küniglberg war nach geschlagener ORF-Wahl absehbar
Dass Niko Pelinka künftig im ORF-Zentrum werkt, wird wohl kaum einen Branchenkenner überraschen. Fraglich war spätestens seit der Wiederwahl von Alexander Wrabetz am 9. August des Jahres eigentlich nur, welchen Job der 25-Jährige denn nun bekommen wird. ORF-Kommunikationsleiter galt zwischendurch als möglich, Generalsekretär war ein oft gehörter Tipp, Büroleiter des Generaldirektors ist es nun geworden. Von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas auf den Küniglberg als ORF-Stiftungsrat und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter entsandt, gilt Pelinka dort als Bundeskanzler Werner Faymanns smarter "ORF-Dompteur" und "Linksverbinder" Wrabetz - und ist gekommen, um zu bleiben.
"Ich hab den Niko gekannt, als er elf war. Ein paar Jahre habe ich ihn wieder getroffen, da war er 45", sagte ein Bekannter der Familie im Nachrichtenmagazin "profil". Hämischer formulierte es die Wiener Stadtzeitung "Falter" 2010 in ihrem jährlichen "Best of Böse", in dem es Pelinka gleich im Jahr eins als ORF-Stiftungsrat unter die Top Ten schaffte: "Der 24-Jährige leitet die SPÖ-Fraktion im Stiftungsrat und ist der Doogie Howser der Sozialdemokratie. Einziger Unterschied: Doogie Howser war ein Genie." In der US-Fernsehserie, die einst auch im ORF zu sehen war, geht es um einen jungen Burschen, der als Wunderkind bereits mit 14 Jahren als Arzt praktiziert und gleichzeitig seine Pubertät durchlebt.
"Eher links"
Der nach Eigendefinition "eher links" beheimatete Pelinka entstammt bürgerlichem Josefstädter "SPÖ-Adel" und ist seit Geburt an standesgemäß vernetzt. Vater Peter ist seit der Jugend SPÖ-Mitglied, war lange Jahre Redakteur und zuletzt Chefredakteur der "'Arbeiter-Zeitung". Aktuell arbeitet er als Redaktionsleiter des Wochenmagazins "News", moderiert abwechselnd den ORF-Talk "Im Zentrum" und schreibt Kolumnen für die Gratiszeitung "Heute". Nikos Onkel - beide haben übrigens am 14. Oktober Geburtstag - ist der bekannte Politologe Anton Pelinka. Und so waren Medien und Politik von Kindesbeinen an ständige Themen im Leben des Niko Pelinka. Vater Peter ist dem heutigen ORF-General schon seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden.
Pelinka gehört neben Raphael Sternfeld, seit kurzem außenpolitischer Berater des Kanzlers, Kanzler-Sprecher Nedeljko Bilalic und dem Wiener Gemeinderat Peko Baxant zum Young Boys-Netzwerk von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, alles selbstbewusste Aufsteiger in der aktuellen SPÖ-Hierarchie. Wenn unter der jungen Garde rund um Kanzler Faymann vom Parteichef die Rede ist, dann wird jovial-loyal vom "Werner" gesprochen.
Pressesprecher von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied
Die Nähe zur Macht hat sich Pelinka konsequent schon in sehr jungen Jahren erarbeitet: Im Nationalratswahlkampf 2006 organisierte Pelinka mit Sternfeld die von der Josefstadt ausgehende Aktion "Change 06", die das Ende von Schwarz-Blau und den Wiedereinzug der SPÖ ins Kanzleramt zum Ziel hatte. "Du bist jung, innovativ, stylish und dennoch ein kritischer Mensch. Dann bist du bei uns genau richtig! Kleinmut und Provinzialismus sind uns fern. Wir wollen die Gesellschaft mit progressiven und avantgardistischen Ideen durchfluten", lautete damals die hippe Botschaft der jungen SPÖ-Politiker. "Salonfähiger Sozialismus mit schnöselig-adrettem Chic" nannte es "profil". Nach der Wahl wurde er Pressesprecher von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied.
Als Pelinka im Vorjahr die Funktion des ORF-Stiftungsrats und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiters vom langjährigen SPÖ-Vertreter Karl Krammer übernahm, war dies in der öffentlichen Wahrnehmung zwar nur eine Fußnote, politischen Beobachtern blieb jedoch der Mund offen: Ein erfahrener und gestandener Polit- und ORF-Kenner wurde von oberster SPÖ-Stelle - nämlich von Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas mit Rückendeckung des Kanzleramts - völlig überraschend abserviert und mit dem damals noch 23-Jährigen Pelinka ersetzt. Wie zufällig wurde zeitgleich bei der ÖBB ein neuer Brotjob als "Public Affairs-Beauftragter" für Pelinka gefunden, der im Gegensatz zur Mitarbeit in einem politischen Kabinett mit seiner ORF-Stiftungsratsfunktion rechtlich kompatibel war.
Arbeitseifer
Entschlossen arbeitete er in den vergangenen rund zwei Jahren daran, den SPÖ-"Freundeskreis" zu orchestrieren und hinterließ dabei auch Spuren im Unternehmen: Sowohl die Bestellung von TV-Chefredakteur Karl Amon zum Hörfunkdirektor als auch die Bestellung von Fritz Dittlbacher zu dessen Nachfolger und die darauffolgende Abwahl von Infodirektor Elmar Oberhauser trugen Pelinkas Handschrift. So viel rote Dominanz zog naturgemäß auch Kritik nach sich. Nicht nur der Umstand, eine solide Mehrheitsfraktion zu verwalten, dürfte dem bestimmt auftretenden Pelinka jene Portion Selbstbewusstsein eingebracht haben, die ihm von Kritikern als Hybris ausgelegt wird. Wohlmeinendere Beobachter attestieren ihm dagegen eine schnelle Auffassungsgabe, taktisches Geschick und ein Gefühl zu wissen, was er tut.
"Vorurteile gibt es immer, besonders gegen Junge. Das bin ich gewohnt", steckte Pelinka Spitzen in der Vergangenheit professionell weg. Leute, die mit Pelinka direkt zu tun hatten, urteilen wohlwollender. "Er hat sein Geschäft gut verstanden und ist unheimlich geschickt mit einzelnen Journalisten umgegangen. Er schaut jung aus, ist aber sehr reif", meinte der frühere steirische VP-Klubobmann und Schulexperte Bernd Schilcher im Branchenmagazin "Der Österreichische Journalist".
Pelinka absolvierte das Gymnasium in der Wiener Albertgasse und arbeitete zwischendurch beim Online-Jugendmagazin "chilli.cc". An der Donau-Universität Krems machte er einen berufsbegleitenden Universitätslehrgang mit dem Titel "Politische Kommunikation", war parlamentarischer Mitarbeiter beim heutigen Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder und dann Pressesprecher bei Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied. Sie habe ihn "politisch geprägt", so Pelinka. (APA)