Unprätentiöse Nummer

23. Dezember 2011, 19:20
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Zufälle spielten bei Koller Auktionen nur anfangs eine Rolle. 1998 folgte Sohn Cyrill seinem Vater Pierre und spielte das Schweizer Unternehmen in die internationale Liga

Der erste von zwei relevanten Zufällen ereignete sich während des Tankens: Im Frühjahr 1958 entdeckte Pierre Koller dabei in der Züricher Innenstadt ein freies Lokal, in dem sich der Marchand Amateur spontan einquartierte. Zuerst hielten dort Pferdestiche sowie hochwertiges Mobiliar und Antiquitäten Einzug. Später gesellten sich Porzellan und Asiatika hinzu, zwei Spezialgebiete, die seine Schwester Antoinette betreute. Der zweite Zufall ereignete sich Ende 1959, als der Galerie Koller eine Uhrensammlung angeboten wurde. 100.000 Schweizer Franken sollte sie kosten, ein Betrag, den man allerdings nicht auftreiben konnte.

Also wurde im Kongresshaus ein Saal angemietet, und Pierre Koller gab im Juni 1960 sein Debüt als Auktionator. Jürg Stuker, der damalige Platzhirsch der nationalen Auktionsbranche, schrieb ihm daraufhin einen empörten Brief. Was ihm den einfiele, in der Kulturwüste der Limmatstadt Versteigerungen zu veranstalten und damit seiner Berner Galerie Konkurrenz zu machen.

Internationales Netzwerk

Der Rest ist gewissermaßen Geschichte. Zu den wesentlichen Stationen der Firmenchronik zählen die Gründung der Auktionsdependance in Genf (1972), die Erweiterung um ein Niedrigpreissegment (1977, Koller West) sowie der ab 1998 zügig vorangetriebene Aufbau eines Netzwerks mit Repräsentanten in München, Paris, Düsseldorf, Moskau und London.

Diese Expansion durfte sich der 1998 zum Geschäftsführer berufene Cyril Koller an die Fahnen heften, der älteste von drei Söhnen, der hier schon während seiner Schulzeit kleinere Hilfsdienste verrichtete. Mit dem Auktionswesen sei das wohl ähnlich wie mit dem Zirkus, so seine These, wer einmal geschnuppert hat, bleibt für immer oder flüchtet schnell.

Noch während seines Kunstgeschichtestudiums - dessen Abschluss letztlich dem Geschäftsalltag zum Opfer fiel - stieg der Vater von vier Töchtern 1992 offiziell in das Unternehmen ein und übernahm den Bereich Gemälde, das Segment Möbel und Kunstgewerbe überließ er der väterlichen Passion. Die nächsten Jahre arbeiteten Vater und Sohn Seite an Seite, ganz ohne sich fachlich ins Gehege zu kommen.

Wirtschaftlich seien das sehr schwierige Zeiten gewesen, die sich auch in der Übersiedlung an einen günstigeren Standort und Personalfluktuation äußerten, schildert Koller. Im Rückblick sei er ganz froh darüber, denn diese Phase lehrte ihn eine Form der Vorsicht, die ihn trotz jüngerer Höhenflüge weiterhin begleite.

Eine Bodenhaftung, die sich auch in seinem völlig unprätentiösen Umgang mit Mitarbeitern und Kunden spiegelt. Abseits der Segmente Uhren und Juwelen, bei denen Christie's und Sotheby's via Genf führend sind, mag man im Bereich angewandter und bildender Kunst ja das erfolgreichste Schweizer Auktionshaus sein, in der soeben publizierten Jahresbilanz will der 44-Jährige die Bezeichnung "klare Nummer 1" trotzdem nicht stehen haben.

Rund 80 Millionen Euro setzte man 2011 in 30 Auktionen um. Die 8500 Bieter aus 58 Ländern bedienten sich insofern kräftig an den aus 26 Ländern eingelieferten Kunstwerken. Zu den Höhepunkten des abgelaufenen Jahres gehörten Zuschläge in Rekordhöhe (Jacques de Rousseaux, Albert Anker), die zu 70 Prozent an russische Klienten abgesetzte Sammlung Redding (rd. 12,3 Mio. Euro) oder auch die prosperierende jüngste Repräsentanz in Peking: Dorthin vermittelte man stattliche 80 Prozent der in Zürich aufgerufenen Asiatika-Odien.    (Olga Kronsteiner

  • Von Zürich in die ganze Welt: Showroom bei Koller Auktionen
    foto: koller auktionen

    Von Zürich in die ganze Welt: Showroom bei Koller Auktionen

  • ... und Boss 
Cyrill in A(u)ktion.
    foto: koller auktionen

    ... und Boss Cyrill in A(u)ktion.

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