Zufälle spielten bei Koller Auktionen nur anfangs eine Rolle. 1998 folgte Sohn Cyrill seinem Vater Pierre und spielte das Schweizer Unternehmen in die internationale Liga
Der erste von zwei relevanten Zufällen ereignete sich während des
Tankens: Im Frühjahr 1958 entdeckte Pierre Koller dabei in der Züricher
Innenstadt ein freies Lokal, in dem sich der Marchand Amateur spontan
einquartierte. Zuerst hielten dort Pferdestiche sowie hochwertiges
Mobiliar und Antiquitäten Einzug. Später gesellten sich Porzellan und
Asiatika hinzu, zwei Spezialgebiete, die seine Schwester Antoinette
betreute. Der zweite Zufall ereignete sich Ende 1959, als der Galerie
Koller eine Uhrensammlung angeboten wurde. 100.000 Schweizer Franken
sollte sie kosten, ein Betrag, den man allerdings nicht auftreiben
konnte.
Also wurde im Kongresshaus ein Saal angemietet, und Pierre Koller gab im
Juni 1960 sein Debüt als Auktionator. Jürg Stuker, der damalige
Platzhirsch der nationalen Auktionsbranche, schrieb ihm daraufhin einen
empörten Brief. Was ihm den einfiele, in der Kulturwüste der Limmatstadt
Versteigerungen zu veranstalten und damit seiner Berner Galerie
Konkurrenz zu machen.
Internationales Netzwerk
Der Rest ist gewissermaßen Geschichte. Zu den wesentlichen Stationen der
Firmenchronik zählen die Gründung der Auktionsdependance in Genf (1972),
die Erweiterung um ein Niedrigpreissegment (1977, Koller West) sowie der
ab 1998 zügig vorangetriebene Aufbau eines Netzwerks mit Repräsentanten
in München, Paris, Düsseldorf, Moskau und London.
Diese Expansion durfte sich der 1998 zum Geschäftsführer berufene Cyril
Koller an die Fahnen heften, der älteste von drei Söhnen, der hier schon
während seiner Schulzeit kleinere Hilfsdienste verrichtete. Mit dem
Auktionswesen sei das wohl ähnlich wie mit dem Zirkus, so seine These,
wer einmal geschnuppert hat, bleibt für immer oder flüchtet schnell.
Noch während seines Kunstgeschichtestudiums - dessen Abschluss letztlich
dem Geschäftsalltag zum Opfer fiel - stieg der Vater von vier Töchtern
1992 offiziell in das Unternehmen ein und übernahm den Bereich Gemälde,
das Segment Möbel und Kunstgewerbe überließ er der väterlichen Passion.
Die nächsten Jahre arbeiteten Vater und Sohn Seite an Seite, ganz ohne
sich fachlich ins Gehege zu kommen.
Wirtschaftlich seien das sehr schwierige Zeiten gewesen, die sich auch
in der Übersiedlung an einen günstigeren Standort und
Personalfluktuation äußerten, schildert Koller. Im Rückblick sei er ganz
froh darüber, denn diese Phase lehrte ihn eine Form der Vorsicht, die
ihn trotz jüngerer Höhenflüge weiterhin begleite.
Eine Bodenhaftung, die sich auch in seinem völlig unprätentiösen Umgang
mit Mitarbeitern und Kunden spiegelt. Abseits der Segmente Uhren und
Juwelen, bei denen Christie's und Sotheby's via Genf führend sind, mag
man im Bereich angewandter und bildender Kunst ja das erfolgreichste
Schweizer Auktionshaus sein, in der soeben publizierten Jahresbilanz
will der 44-Jährige die Bezeichnung "klare Nummer 1" trotzdem nicht
stehen haben.
Rund 80 Millionen Euro setzte man 2011 in 30 Auktionen um. Die 8500
Bieter aus 58 Ländern bedienten sich insofern kräftig an den aus 26
Ländern eingelieferten Kunstwerken. Zu den Höhepunkten des abgelaufenen
Jahres gehörten Zuschläge in Rekordhöhe (Jacques de Rousseaux, Albert
Anker), die zu 70 Prozent an russische Klienten abgesetzte Sammlung
Redding (rd. 12,3 Mio. Euro) oder auch die prosperierende jüngste
Repräsentanz in Peking: Dorthin vermittelte man stattliche 80 Prozent
der in Zürich aufgerufenen Asiatika-Odien. (Olga Kronsteiner