Deutsche Astronomen suchten nach LSB-Galaxien und fanden einen Raser
Bochum - Astronomen der Ruhr-Universität Bochum haben erstmals außerhalb der Milchstraße einen superschnellen massereichen Stern entdeckt. Zugleich handelt es dabei überhaupt um den schnellsten Stern, den man bisher nachweisen konnte. 850 Kilometer pro Sekunde muss er mindestens zurückgelegt haben, bevor er in einer Supernova explodiert ist.
Von LSB-Galaxien ...
Eigentlich waren die Astronomen um Peter-Christian Zinn und Dominik Bomans auf der Suche nach sogenannten LSB-Galaxien (LSB steht für "Low Surface Brightness"). Dabei handelt es sich um extrem lichtschwache Galaxien, deren Materie zu einem wesentlich größeren Teil in Wasserstoffwolken als in Sternen konzentriert ist - und das wird noch einmal von einem weit überwiegenden Anteil an Dunkler Materie übertroffen.
Um solche zumeist isoliert stehenden Galaxien aufzuspüren, suchten sich die Forscher Supernovae aus einem internationalen Katalog heraus, die scheinbar im Nichts stattgefunden haben. "Eine mögliche Lösung für die rätselhaften Supernovae im scheinbaren Nichts ist daher, dass die Sterne zuvor Teil einer LSB-Galaxie waren, der wir so auf die Spur kommen können", erklärt Bomans. In keinem der fünf untersuchten Fälle fanden die Forscher aber eine solche LSB-Galaxie. Sie beobachteten die entsprechenden Himmelsregionen daraufhin im Bereich von UV- und Radiowellen. So kann man feststellen, ob Galaxien vielleicht jenseits des sichtbaren Lichts viel größer sind als bisher angenommen - einige Fälle von Supernovae konnten so aufgeklärt werden.
... zu einem Raser
Doch ein Fall, die Supernova 2006bx, blieb weiter ungelöst. "Der zugrunde liegende Stern war mit hoher Wahrscheinlichkeit superschnell, ein so genannter Hyper Velocity Star", folgert Zinn. Solche Sterne nehmen vermutlich eine extrem hohe Geschwindigkeit auf, wenn sie besonders nah am zentralen Schwarzen Loch einer Galaxie vorbei fliegen. Anhand der Supernova berechneten die Forscher die Masse der Sterns - etwa acht bis 20 Sonnenmassen. Solche massereichen Sterne sind mit "nur" ca. 30 Millionen Jahren Lebensdauer vergleichsweise kurzlebig.
Setzt man nun die wahrscheinliche Lebensdauer des Sterns in Relation mit der Entfernung von seiner Ursprungsgalaxie, kann man auf sein Tempo zurückschließen: 850 Kilometer pro Sekunde muss der Stern zurückgelegt haben - mindestens. Denn je nachdem, in welchem Winkel er sich zum beobachteten Ort seiner Supernova bewegt hat, könnte die Strecke, die er in seinem Leben zurückgelegt hat, sogar noch länger sein. Zinn abschließend: "Damit ist er der schnellste bisher bekannte Stern überhaupt." (red)