Barockes Porzellan aus Doccia genießt auf dem Kunstmarkt Raritäten-Status.
Spitzenstücke finden sich auch in der Sammlung des
Fürsten von Liechtenstein.
Die Interessen Carlo Andrea Ginoris, der einer alteingesessenen
Florentiner Familie entstammte, die mit dem Wollhandel zu Reichtum
gelangte, waren vielseitig. Der Politiker und Unternehmer führte etwa in
der Toskana die Zucht der Angoraziege ein, förderte den Korallenfang vor
der Küste oder importierte exotische Pflanzen.
Nebenbei hegte er aber auch eine Leidenschaft für Porzellan und widmete
sich ab 1735 intensiven Studien zur Herstellung selbigens. Als der
Marchese 1737 in diplomatischer Mission Wien einen Besuch abstattete,
besichtigte er ebenso die hiesige Porzellanmanufaktur. Eine historische
Industriespionage ist nicht bewiesen, wiewohl es Ginori gelang, zwei in
Wien tätige Fachleute für die Mitarbeit in seiner im selben Jahr auf
seinem Landgut in Doccia nahe Florenz gegründeten Porzellanmanufaktur zu
gewinnen: Den Hafner Giorgio della Torri sowie den Porzellanmaler Carl
Wendelin Arnreiter von Ziernfeld.
Die frühe Doccia-Produktion ist deshalb stark vom Einfluss der Wiener
Kunst und Kultur des Barock geprägt. 2005 widmete das Liechtenstein
Museum (Wien) diesen engen Bezügen eine viel beachtete Ausstellung
("Barocker Luxus Porzellan - Die Manufakturen Du Paquier (Wien) und
Carlo Ginori (Florenz)"). Nach dem Tod Carlo Ginoris 1757 hatte sein
Sohn Lorenzo die Manufaktur übernommen und führte die Erzeugung von
Gebrauchsgeschirr ein, womit die Produktion wesentlich gesteigert wurde.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sollte sie sich in ein
regelrechtes Industrieunternehmen entwickeln.
Die frühen Doccia-Porzellane haben auf dem internationalen Kunstmarkt
Raritäten-Status und erzielen entsprechende Preise. Im November 2010
gelangte beispielsweise bei Sotheby's in New York die Caligula-Büste aus
der Serie der ab 1754 produzierten Serie der zwölf Cäsaren zur Auktion.
Sie stammte ursprünglich aus der legendären Privatsammlung Robert
Lehmans (1891-1969, ehemaliger Leiter Lehman Brothers), die nach seinem
Tod größtenteils dem Metropolitan Museum (New York) vermacht worden war.
Cäsaren & antiken Helden
Entgegen der angesetzten Taxe von 8000 bis 12.000 Dollar fiel der Hammer
erst bei stattlichen 266.500 Dollar (196.304 Euro). Dieser Wert wurde am
7. Dezember bei Bonhams (London) beeindruckend übertroffen. Im Angebot
stand ein 82 cm hoher Herkules, für den die Kunsthandlung Neuse (Bremen)
mit 657.250 Pfund (762.400 Euro) den neuen Doccia-Auktionsrekord
bewilligte. Das weiß glasierte Unikat gehört zu einer Serie von
Großfiguren nach Modellen der Antike, die Ginori in den 1740er-Jahren in
seiner Manufaktur orderte.
Im Gegensatz zur 95 cm hohen und ebenfalls dieser Serie zugehörige
Porzellanskulptur des Paris, die 2007 für kolportierte zwei Millionen
Euro über den Londoner Kunsthandel in die fürstliche Sammlung wechselte,
sei der aktuelle Farnese-Herkules geradezu plump, weshalb man kein
Interesse am Erwerb aufbringen konnte, erklärt Johann Kräftner (The
Princely Collections).
Zu weiteren Exponaten mit Doccia-Provenienz im Liechtenstein-Bestand
zählen ein 1750 gefertigter Hippomenes sowie die 1745 ausgeführte Serie
der von Anreiter von Ziernfeld farbig gefassten Vier Jahreszeiten. Etwa
zwei Jahre, so schätzt Kräftner rückblickend, hatte die Verfolgungsjagd
der ebenfalls im Londoner Kunsthandel für etwas mehr als zwei Millionen
Euro ergatterten Figuren gedauert. Seit Juni 2008 korrespondierten sie
mit ihren Vorbildern, den das Badminton Cabinett (Christie's, Dezember
2004: 27,2 Mio. Euro) zierenden Bronzefiguren aus der Zeit um 1720/32.
Derzeit gibt das Doccia-Quartett ein Auswärtsspiel, konkret im
Kunsthistorischen Museum (Wien), im Zuge der Ausstellung
"Wintermärchen" (bis 8. Jänner 2012). (kron