Brutprogramm dient der Auswilderung - hat nun aber schon das zweite Tier hervorgebracht, bei dem dies nicht möglich ist
Wellington - Im Mai gingen die Bilder von "Manukura" um die Welt, einem schneeweißen Kiwi, der im Mount Bruce Wildlife Centre nahe der neuseeländischen Hauptstadt Wellington geschlüpft ist. Und ein halbes Jahr später ist schon der nächste da, wieder am selben Ort: "Durch und durch weiß. Perfekt. Wunderschön - also doch eine weiße Weihnacht in Pukaha", hieß es dazu.
Das Kiwi-Küken wurde auf den Namen "Mauriora" getauft - das heißt aus der Maori-Sprache übersetzt etwa: "fortwährendes Leben". "Wir waren völlig baff", sagte Managerin Kathy Houkamau. "Jeder Kiwi ist wertvoll, aber einen zweiten weißen Kiwi zu bekommen ist ein wunderbares Geschenk." Die Freude liegt jedoch ganz bei den Betreibern und Besuchern des Wildtierzentrums - für den Vogel selbst hingegen ist die Farbe entschieden von Nachteil.
Zu auffällig für ein Leben in Freiheit
Wie schon bei "Manukura" handelt es sich auch bei "Mauriora" um keinen Albino, sondern einfach um eine Farbvariante. Weiße Küken werden geboren, wenn sowohl Mutter als auch Vater ein bestimmtes Gen haben. Selbst dann allerdings liegen die Chancen, ein weißes Küken zu bekommen, nur bei 25 Prozent. In dem Zentrum wird derzeit ein weiteres Ei aus dem selben Nest ausgebrütet, in dem auch das Ei mit Mauriora gefunden worden war.
Das Mount Bruce Wildlife Centre dient der Aufzucht selten gewordener Tiere und konzentriert sich dabei vorerst auf Vogelarten. Neben einem Brutprogramm für Kiwis gibt es unter anderem auch eines für Kokakos, knapp 40 Zentimeter langen Singvögeln, die es nur auf Neuseeland gibt und deren Bestandszahlen kurz davor stehen, in den dreistelligen Bereich zu schrumpfen. Ziel des Programms ist die Wiederansiedelung solcher Spezies in Regionen, in denen sie ausgestorben sind. Die beiden weißen Kiwis werden allerdings nicht ausgewildert werden - durch ihre auffälllige Gefiederfarbe wären ihre Überlebenschancen einfach zu gering. (red/APA)