Auf der stillen Seite zum Gipfel des Höchsten

    23. Dezember 2011, 17:05
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    Eine Runde aus dem Weidlingbachtal über den Hermannskogel, den höchsten Gipfel Wien

    Geisterbeschwörungen, an denen auch Kaiser Joseph II. teilgenommen haben soll, Orgien in den Gebüschen, ein "schwachsinniges" Weib als Seherin, die sich des Andrangs nicht erwehren konnte, ein aus dem Baum herauswachsendes Marienbild, zu dem die Menschen pilgerten; und in ihrem Gefolge Devotionalien- und Würstelverkäufer, die lautstark ihre Ware feilboten.

    Vom Steinbruch in Sievering bis zur Quelle bildeten die Bettler fast ein Spalier - so steht es in einem Polizeibericht -, um ein Scherflein zu erflehen. Das alles gab es - so die Chroniken und Geschichten stimmen - einst rund um den Hermannskogel, dem höchsten Berg Wiens. Zum Agnesbründl kamen die Leute, um die richtigen Lottozahlen zu erspähen, sie trieben es offensichtlich so bunt, dass am 11. Oktober 1817 die Behörden eingriffen und dem Spektakel ein Ende setzten.

    Wie viele bekannte Erhebungen hat auch der Hermannskogel eine stille Seite. Aus dem Norden führen nur zwei Routen zu seiner Spitze.

    Am Weidlingbach - einer Version zufolge am Schreiberbach - soll Ludwig van Beethoven sich die Inspirationen zu seiner, in den Jahren 1807 und 1808 entstandenen sechsten Symphonie, der Pastorale, geholt haben, deren zweiter Satz die Bezeichnung "Szene am Bach" trägt. Jedenfalls schrieb der Meister: "Hier habe ich die Szene am Bach geschrieben, und die Goldammern da oben, die Wachteln, Nachtigallen und Kuckucke ringsum haben mitkomponiert."

    Der Meister fühlte sich eng mit der Natur verbunden, zu seinen Lieblingsbüchern, in denen er immer wieder las, gehörte "Betrachtungen der Werke Gottes im Reiche der Natur" von Christoph Christian Sturm.

    Trotz Straße und Besiedlung haben Teile der schmalen Au am Weidlingbach ihre Ursprünglichkeit behalten. Dort sucht zeitweise der scheue Schwarzstorch nach Nahrung, der sonst, im Gegensatz zu seinem weißen Artgenossen, den Menschen und dessen Behausungen meidet.

    Die Wege sind, wie beinahe überall im Wienerwald, gut beschildert und markiert.

    Die Route: Nahe der Kirche von Weidling quert man an das rechte Ufer des Baches und folgt der grünen Markierung flussaufwärts. Zuerst auf Asphalt, dann auf einem Fahrweg, schließlich auf einem Pfad erreicht man die Straße nach Hinter-Weidling, folgt dieser ein kurzes Stück und zweigt dann nach links auf den rot markierten Gustav-Fischer-Steig ab. Gehzeit ab Weidling eine Stunde. Anfangs steil, dann gemütlicher geht es zum Sauberg, bald darauf erreicht man die vom Grüaß-di-a-Gott-Wirt heraufführende grüne Markierung, auf der man nach links zum höchsten Punkt des Hermannskogels weiterwandert. Gehzeit ab Beginn des Fischer-Steiges eine Stunde.

    Ein kurzes Stück zurück, dann scharf nach rechts auf die rote Markierung, die in einer knappen halben Stunde zur Jägerwiese führt. Dann wählt man die gelbe Markierung des Grünberger Weges. Recht bequem geht es zurück zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Jägerwiese eine knappe Stunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/24.12.2011)

    • Gesamtgehzeit drei Stunden, Höhendifferenz 350 Meter. Gasthaus auf der 
Jägerwiese (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 5319-Ost 
(Klosterneuburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald 
Atlas, Maßstab 1:50.000
      grafik: der standard

      Gesamtgehzeit drei Stunden, Höhendifferenz 350 Meter. Gasthaus auf der Jägerwiese (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 5319-Ost (Klosterneuburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000

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