Junge gründen Unternehmen, die soziale Innovation bringen, Barrieren abbauen und der Gesellschaft nützen - Geld verdienen ist dabei nicht "böse"
Als "Ausdruck gesellschaftlichen Wandels" interpretiert Franz Karl Prüller, der Programmdirektor Soziales in der Erste Stiftung, die Tatsache, dass auch immer mehr junge Uni-Absolventen in eine Selbstständigkeit streben, in der der Unternehmenszweck der Gesellschaft nützt. Dies zunehmend nicht in Modelle, die rein auf Spenden angewiesen sind, sondern in soziales Unternehmertum, in dem Geldverdienen nicht pfui ist, allerdings das Woher des Geldes und das Wie die ethischen Leitplanken sind.
Auch Monica Culen, als Geschäftsführerin der Rote Nasen Clowndoctors und Präsidentin des heimischen Fundraising-Verbands eine Doyenne im klassischen Non-Profit-Bereich, sieht "eine neue Generation, die die Welt mitgestalten will" - und offensichtlich weit weg von alten Karrieremustern in Konzernwelten denkt. Unisono die Kritik: Die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen fördern sozial innovatives Unternehmertum nicht - dabei sind nicht Förderungen gemeint. Culen: "Der Staat ist gefordert, auch Ausbildungsmöglichkeiten zu etablieren, da sind auch die Interessenvertretungen, die Wirtschaftskammern und die Industriellenvereinigung angesprochen."
Ausbrechen aus der Passivität
Tätig geworden ist diesbezüglich das Institut für Innovation und Entrepreneurship an der WU Wien, auch durch das Ausschreiben des "Social Impact Award", der nun zum vierten Mal vergeben werden wird und in Österreich, Rumänien und Tschechien Projekte von Studierenden auszeichnet, die Armut, Ungleichheit, Umweltzerstörung, bekämpfen. Die Erste Stiftung sponsert den Preis, Peter Vandor koordiniert ihn engagiert an der WU: "es gibt da großes Potenzial - und alle, die 2011 bewusst miterlebt haben, die können nicht weitermachen wie bisher."
Welche Kraft in der Suche nach Wegen in eine bessere Welt steckt, zeigt etwa Ali Mahlodji, der selbst harte Jahre als Flüchtlingskind hinter sich hat und in seiner Firma whatchado Praktiker interviewt, die Jugendlichen ihren Lebensweg berichten, damit diese aus Passivität, Schicksalsergebenheit und dem Gefühl, es nicht schaffen zu können, ausbrechen und ihr (berufliches) Leben in die Hand nehmen. Mahlodji: "Hätte ich auf Förderungen gewartet, gäbe es jetzt kein einziges Stück der Firma" - er wollte auf eigenen Beinen stehen und hat ein Businessmodell entwickelt. Geholfen habe ihm aber der Social Impact Award 2011. Er kenne viele, die unzufrieden sind, Änderungen ersehnen, aber nichts dafür unternehmen: "Ich kann nur sagen: Tut es!"
Stimme erheben
Es gebe keine Entschuldigung, keine Ausrede, hier in Österreich unternehmerisch nicht umzusetzen, was man will, so auch Valerie Schmidt-Chiari, ebenfalls Gewinnerin des Awards 2011. Sie steigert in einem Café in Wien die Arbeitsmarktchancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Beginnen müssen sie und ihr Team dabei früh: Vor allem junge Frauen trauten sich am Anfang nicht einmal zu sprechen, die Stimme für ihre Anliegen und Bedürfnisse zu erheben.
Alle wollen anderen Mut machen, dort, wo sie Schieflagen im System, in der Gesellschaft, erkennen, tätig zu werden. Es wollten nicht mehr alle funktionierende Bürger sein, die nach dem Wohlergehensversprechen leben: Wenn ihr funktioniert, geht es euch gut. Zu klar werde mittlerweile gesehen, wem es nicht gut gehe und wo Systeme versagen und versagt haben, so Prüller.
Er ortet auch steigende Nachfrage von Anleger- und Investorenseite, in gute Sozialprojekte Geld zu geben. Die Erste Bank werde dazu im kommenden Jahr Produkte auflegen - spezielle Fonds seien in Ausarbeitung. Die Vision nicht verlieren, viel mit andern reden und zur Energie Geduld gesellen, raten die beiden Jungunternehmer möglichen Nachfolgern. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2011)