Trendforscher Matthias Horx hat Vereinfachungssehnsucht zum gesellschaftlichen Megatrend erklärt
In den USA läuft die "Occupy Christmas"-Bewegung gegen den Konsum- und Kaufwahn. Bücher und Artikel zum "Downshifting" - Runterschalten für ein "Weniger ist mehr" - leiten an, wie ein einfaches Leben im 21. Jahrhundert in seiner zunehmenden Beschleunigung und Komplexität zu erlangen sein könnte. Über eindimensionale Tipps zur Zeitersparnis geht Downshifting weit hinaus.
Mit Entrümpelung hat es aber viel zu tun. Downshifter wollen wissen, was sie wirklich brauchen und wollen, und versuchen deshalb, sich vom Plunder und vom Viel-zu-Viel zu befreien. Es geht um freiwillige Änderung des Lebensstils. Darum, der Tretmühle der Überflussgesellschaft zu entkommen (The down-shifting movement. Millions unbutton their white collars, Fastbook Publishing, Beau Bassin 2010). Wer das für eine kleine Zelle von ein paar Überfluss-frustrierten und gestressten Leutchen hält, irrt. Downshifting zielt auf eine neue Sinngebung im Leben, steht für die Suche nach dem Wesentlichen. Ob "Downshifting" genannt oder nicht - dieser Trend ist da. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2011)