Konflikte im Job so heftig wie noch nie

23. Dezember 2011, 17:20
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Streit und Konflikte im Job folgen den meisten nach Hause - Gleichzeitig wird derzeit so viel und so unnachgiebig gestritten wie noch nie

Was sich derzeit offenbar am Arbeitsplatz, in der Ausbildung, in der Schule abspielt, darf allen Anbietern von Konfliktbewältigungs-Seminaren, Streitschlichtungs- und Deeskalationstechniken wohl als große Beförderung ihrer Angebote dienen: Es wird brutal gestritten, weggeschaut und nach dem Ich-bin-ich-Prinzip dreingehauen. Auch haben öffentliche Streits an Peinlichkeit verloren: Die meisten sind "amüsiert", wenn sie beobachten, dass die Fetzen fliegen.

Konfliktbelastete Vorweihnachtszeit

So lässt sich die aktuelle Umfrage des internationalen Forschungs- und Beratungsinstitut oekonsult im Dezember unter Österreichern (fast 1.200 Antworten) kurzfassen. Inhaber Joshi Schillhab kommentiert seine Ergebnisse als "besorgniserregenden Trend". Demnach war die heurige Vorweihnachtszeit konfliktbelastet wie nie zuvor: 75 Prozent sagen, dass von einem friedlichen und besinnlichen Advent keine Rede sein könne. 81 Prozent sind überzeugt, dass am Arbeitsplatz, in der Schule, am Ausbildungsplatz immer öfter und heftiger gestritten werde. Diese subjektiv empfundene Zunahme von negativen Konflikten habe nach Einschätzung der Mehrheit der Befragten ihre Ursache im steigenden Arbeitsdruck und der anhaltend wirtschaftlich unsicheren Situation.

Frust geht mit nach Hause

Von der Streitbelastung im Büro abschalten - das gelingt 71 Prozent zu Hause dann gar nicht. Wer sich im Job ducken müsse und somit Frust aufbaue, der schlage auch zu Hause leichter zu - 92 Prozent (Frauen wie Männer gleichermaßen) geben an, sie hielten das für ein männliches Verhaltensmuster. Zimperlich scheinen aber die wenigsten zu sein: Fast ein Drittel sagt, dass es beim Streiten nicht um Fairness, sondern ums Gewinnen gehe. Mehr als zwei Drittel halten Fairnessverzicht zwecks Gewinnens für okay. Zudem bekennen 68 Prozent, zumindest gelegentlich Streit zu suchen, um Frust abzubauen. Zwei Drittel halten überdies sehr wenig vom "Nachgeben" - Omas Sprichwort vom Klügeren, der nachgibt, scheint ziemlich aus der Mode.

Gefühl der Überlegenheit

Konfliktkultur ist demnach weitgehend eine weiße Landkarte - ein weites Terrain für die Lehrer dieser sozialen Fähigkeiten. Schillhab: "Für die meisten liegt es außerhalb der sozialen Fähigkeiten, die eigenen Emotionen im Konfliktfall unter Kontrolle zu halten. Besonders ausgeprägt sind Hemmschwellen und Reflexion jedenfalls nicht." Die Ergebnisse deuten aber noch Übleres an: 86 Prozent gestehen, einen zu ihren Gunsten erfolgreich geschlagenen Streit auch emotional auszukosten. Angegeben wird das "Gefühl der Überlegenheit".

Bestätigt wird in dieser Umfrage auch die These, dass Chefs unter Stress autoritär werden und ausgeprägt hierarchisch agieren: 85 Prozent erleben als "täglichen Normalfall", dass der Chef immer recht hat, auch wenn er total daneben liegt. Dass man sich da in unsicheren Zeiten keine Front aufmachen sollte, gibt ebenfalls eine große Mehrheit an - womit sich der Kreis zu Frust, Streit und Gewinnenwollen wieder schließt. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2011)

  • Laut Umfrage war die heurige Vorweihnachtszeit im Job so konfliktbelastet wie nie zuvor.
    foto: standard/matthias cremer

    Laut Umfrage war die heurige Vorweihnachtszeit im Job so konfliktbelastet wie nie zuvor.

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