Antiretrovirale Therapie senkt Infektionsrisiko für HIV-negativen Partner fast zur Gänze
Washington - Die Verhinderung von HIV-Infektionen durch eine effektive Aids-Therapie ist laut der US-Wissenschaftszeitschrift "Science" der Durchbruch des Jahres 2011: Forscher zeigten in einer Studie mit 1.763 Partnern, bei denen einer von ihnen HIV-positiv war, der andere nicht infiziert, dass eine wirkungsvolle antiretrovirale Therapie das Infektionsrisiko für den HIV-negativen Partner fast gänzlich beseitigt. Auf den Plätzen folgen die Asteroid-Mission der japanischen Sonde Hayabusa und die Entdeckung, dass moderne Menschen zwei bis sechs Prozent ihres Genoms den Neandertalern verdanken.
"HIV-Behandlung als Prävention" betitelt Jon Cohen in der nächsten Ausgabe von "Science" seinen Artikel zum - laut dem Magazin - wichtigsten wissenschaftlichen Fortschritt des Jahres 2011. Die klinische US-Studie (HPTN052) umfasste als Probanden 1.763 "HIV-diskordante Paare", also Partner in Lebensgemeinschaften und Ehen, bei denen einer HIV-positiv war, der andere negativ. Gleichzeitig befanden sich die HIV-positiven mit einer Anzahl von 350 bis 550 CD4-positiven Zellen pro Kubikmillimeter Blut noch in einem relativ guten Immunstatus. In der Gruppe von 1.700 Paaren in Afrika, Asien, Lateinamerika und den USA zeigte sich unter der Behandlung eine um 96 Prozent geringere Übertragungsrate.
"Dieser Durchbruch verändert das 'Spiel'. Er wird die Revolution in der Verhütung (von HIV-Infektionen, Anm.) voran treiben. Das macht die medikamentöse Behandlung gegen HIV zu einer neuen Priorität in der Prävention", sagte der Chef von UNAIDS, Michel Sidibe, als im Mai 2011 die Studiendaten - später im "New England Journal of Medicine" in vollem Umfang veröffentlicht - erstmals präsentiert wurden. 80 Prozent der HIV-Infektionen erfolgen weltweit über sexuelle Kontakte. (APA)