Schieder will nach Konsolidierung Steuerreform

23. Dezember 2011, 06:58

Staatssekretär gegen befristete Steuererhöhungen - Stattdessen neue Vermögenssteuern zur Senkung der Lohnsteuer verwenden

Wien - Die SPÖ wälzt vor Beschluss des Sparpakets bereits Pläne für die nächste Steuerreform. Konkret will SP-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder die Zusatzeinnahmen aus neuen Vermögenssteuern nach Abschluss der Budgetkonsolidierung zur Senkung der Lohnsteuer verwenden. Bloß befristete Steueranhebungen lehnt er daher ab. Einsparungen kündigt Schiederdurch Strukturreformen bei Pensionen und Beamten an. Vorstellbar ist für Schieder etwa eine "zurückhaltende Lohnrunde" im öffentlichen Dienst.

Insgesamt strebt die Regierung einen ausgeglichenen Haushalt bis 2016 bzw. 2017 an, wozu das Budgetdefizit um rund neun Milliarden Euro reduziert werden muss. Auf Details des Sparpakets will sich Schieder angesichts der laufenden Verhandlungen noch nicht einlassen. Nötig werden demnach aber sowohl kurzfristige Sparmaßnahmen für 2012 als auch mittelfristig wirksame Strukturmaßnahmen sein, worunter Schieder etwa die Anhebung des Pensionsantrittsalters und die Schließung von "Lücken" im Steuersystem durch Vermögenssteuern versteht.

Erbschaftssteuer

Abgelehnt wird von Schieder eine höhere Mehrwertsteuer zur Budgetsanierung. "Dadurch, dass es auch andere EU-Länder machen, gibt es immer wieder Leute, die daran denken", räumt Schieder ein. Er lehne das aber ab und trete lieber für höhere Vermögenssteuern ein. "Ich bin dafür, dass die Vermögenden in diesem Land einen substanziellen Steuerbeitrag leisten", fordert Schieder: "Da ist noch großer Bewegungsspielraum nach oben."

Um "Strukturschwächen" im Steuersystem zu entschärfen plädiert Schieder gemäß Parteilinie für eine Vermögenszuwachssteuer auf Immobilien und die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer. Im Gegenzug könnten diese Mittel nach Abschluss der Konsolidierung und nach Umsetzung der mittelfristigen Strukturreformen dafür verwendet werden, die im internationalen Vergleich hohe Belastung der Arbeitseinkommen zu senken. Konkret sollte laut Schieder die Lohnsteuer für mittlere Einkommen gesenkt werden.

Keine befristeten Vermögenssteuern

"Meine Wunschvorstellung ist, jetzt die Konsolidierungsaufgabe zu lösen und dann den dadurch entstehenden Spielraum zu nutzen, um eine Entlastung der mittleren Einkommen sicher zu stellen", so Schieder. Bloß befristete Vermögenssteuern lehnt er daher ab. Auf einen Zeitpunkt für die Steuerreform will er sich noch nicht festlegen: "Wann das monetär möglich sein wird, hängt vom Konsolidierungsverlauf und vom Konjunkturverlauf ab." Über die entsprechenden Möglichkeiten müsse man aber schon jetzt nachdenken.

Am Beginn der Konsolidierung ab 2012 will Schieder trotz der am Mittwoch nach unten revidierten Konjunkturprognose festhalten. Allerdings soll das Sparvolumen im kommenden Jahr nur etwa 1,5 bis 2 Mrd. Euro ausmachen und in den Folgejahren ansteigen. Außerdem betont er, dass auch aus konjunkturpolitischen Erwägungen vermögensbezogenen Steuern der Vorzug vor Massensteuern zu geben sei. Erstere hätten "keinen negativen Wachstumseffekt", während zweitere den Konsum und damit das Wachstum tendenziell stärker dämpfen würden.

Zufrieden ist Schieder mit dem Budgetjahr 2011: Das Defizit werde deutlich geringer ausfallen als ursprünglich angenommen und damit den Sparkurs erleichtern. "Damit erarbeiten wir uns schon ein Stück des Weges, den wir sonst erst nächstes Jahr gegangen wären", so Schieder. Verantwortlich dafür sei neben der guten Konjunktur auch das Sparpaket 2010. So dürfte die damals geschaffene Bankenabgabe mit 515 Mio. Euro laut Schieder ein wenig mehr als die ursprünglich budgetierte halbe Milliarde Euro bringen. (APA)

mulligan1
01
23.12.2011, 18:07
Die Bundesregierung hat seit ihrem Bestehen im Jahr 2009 mehr als 6,2 Mio. Euro für Medien- und Strategieberatung ausgegeben.

aber sonst gehts den herrschaften gut.....

curieux
00
23.12.2011, 15:43
Die Frage bei jedem Vorschlag zur Vermögenssteuer:

Wer soll bezahlen (welche Art von Vermögen)?
Ab welcher Vermögenshöhe?
Welcher Prozentsatz?

Welche Jahreseinnahmen sind realistisch zu erwarten?

Weder Faymann noch Glawischnig oder jetzt Schieder sind im Stande, auch nur annähernd zu antworten.

Da Gschupfte
00
23.12.2011, 10:57
Wie oft will denn der Finanzsozi das Geld noch ausgeben?

zuerst: Schulden abbauen
und fast gleichzeitig: Lohnsteuer senken

Schulden senken - und zwar bis null - und dann an Geschenke denken.

odranoel-64
00
Bis jetzt hat sich die Schottermitzi

Geld bei den Behinderten und Pflegebedürftigen, € 364/a bei den Alleinverdienern geholt (und gleich an die Bauern weiterverteilt).
Endlich einmal ein Vorschlag der die 15oo Milliarden € Vermögen bei 10% der Bevölkerung bealsten will. Schon 1.5%o kommen mehr als 2 Milliarden/a zusammen

17+4
00
23.12.2011, 09:45
ich glaube es ihm einfach nicht, eine Steuerreform

ausarbeiten könnte er jetzt schon und damit in die Wahl gehen.
Der Vorteil wäre dann, dass er das Plebiszit dafür hätte und nicht sich auf eine falsch verstandene Repräsentation des Wählerwillen berufen müßte.

Der Busfahrer
05
23.12.2011, 08:13

"Vorstellbar ist für Schieder etwa eine "zurückhaltende Lohnrunde" im öffentlichen Dienst."
Für das Wahljahr 2013?
Net wirklich, oder?

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