Das war das Wissenschaftsjahr 2011

22. Dezember 2011, 20:11
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Die führenden Wissenschaftsjournale "Science" und "Nature" halten Rückschau

London/Washington/Wien - Was die wirklich großen Durchbrüche in der Wissenschaft des zu Ende gehenden Jahres waren, lässt sich naturgemäß schwer sagen: In vielen Fällen ist es einfach noch zu früh, um sagen zu können, was Top ist oder womöglich doch noch zu einem Flop wird. Und ob etwas Nobelpreiswürdiges dabei war, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren sagen lassen.

Aber es gab auch einige neue Erkenntnisse, deren enorme Bedeutung für die Menschheit unmittelbar erkennbar sind. Eine davon wird wohl auch Tausenden von Menschen das Leben retten - die Erkenntnis nämlich, dass eine effektive Aids-Therapie eine besonders wirksame Verhinderung von HIV-Infektionen ist.

Für die US-Wissenschaftszeitschrift Science ist dieses Studienergebnis, das im Mai präsentiert wurde, der Durchbruch des Jahres 2011. Grundlage dafür war eine Untersuchung an 1763 "HIV-diskordanten Paaren", also Partner in Lebensgemeinschaften und Ehen, bei denen einer der beiden HIV-positiv war, der andere negativ. Zugleich befanden sich die HIV-Positiven mit einer Anzahl von 350 bis 550 CD4-positiven Zellen pro Kubikmillimeter Blut noch in einem guten Immunstatus.

Bei den Probanden aus Afrika, Asien, Lateinamerika und den USA zeigte sich unter der Behandlung eine um 96 Prozent geringere Übertragungsrate. Diese neue Erkenntnis verändere das "Spiel" und werde die Revolution in der Verhütung von HIV-Infektionen vorantreiben, meinte der Chef von Unaids, Michel Sidibe, bei der ersten Veröffentlichung der Studiendaten, die später im New England Journal of Medicine publiziert wurden. Bleibt nur noch die Frage, wer die Kosten für die HIV-Therapie in den besonders betroffenen Regionen trägt.

Quasi auf dem zweiten Stockerlplatz führt die Redaktion von Science den letztendlichen Erfolg der japanischen Weltraumsonde Hayabusa. Sie kehrte mit mikroskopisch kleinen Partikeln vom Asteroiden Itokawa auf die Erde zurück. Aus der Analyse von nur 52 dieser Staubkörner zeigte sich, dass die meisten auf die Erde fallenden "Sternschnuppen" von den am häufigsten vorkommenden Asteroiden stammen. Platz drei in der Science -Rangliste geht an die im Jahr 2011 publizierte Erkenntnis von Paläoanthropologen, dass die modernen Menschen in ihrem Erbgut Spuren des Neandertalers aufweisen, womit bewiesen sei, dass es sexuelle Kontakte gegeben hat.

Auch beim britischen "Mitbewerber" Nature menschelt es im Jahresrückblick: Die Redaktion hat zehn Personen ausgewählt, die das Jahr mitgeprägt haben. Unter ihnen befindet sich der japanischer Biologe Tatsuhiko Kodama, der nach der Katastrophe von Fukushima für Aufklärung sorgte, und ein Physiker des Cern. Zudem Essam Sharaf von der Uni Kairo, der erste Premierminister Ägyptens nach der Revolution, und der niederländische Psychologe Diederik Stapel. Er hatte - in Science - gefälschte Studien veröffentlicht. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2011)

  • Aids-Therapie als Durchbruch 2011 für "Science".
    foto: thomas deerinck et al. / aaas

    Aids-Therapie als Durchbruch 2011 für "Science".

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