"Zugunruhe" trieb Jungvogel aus Grünau in den Süden - Zwei davon verschwanden, nun wurde ein Kadaver mit Bleikugeln entdeckt
L'Aquila/Linz - Mindestens ein oberösterreichischer Waldrapp ist in den Abruzzen von Unbekannten abgeschossen worden: Der Kadaver des Vogels wurde
auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe der Stadt L'Aquila gefunden,
wie italienische Medien unter Berufung auf Informationen der
Vogelschutzorganisation Lipu (Lega italiana protezione uccelli) berichteten.
Zwei Vögel verschwunden
Johannes Fritz, der Leiter des Waldrapp-Teams, das sich bemüht, den beinahe
ausgestorbenen Zugvögeln das Pendeln von Mitteleuropa zum Überwintern in Italien
und zurück wieder beizubringen, bestätigte am Donnerstag den
Vorfall. Demnach sind insgesamt vier junge Waldrappe aus einer rund 50 Stück
umfassenden Gruppe der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau im Almtal
(Bezirk Gmunden) im Herbst von der "Zugunruhe" erfasst worden und Richtung Süden
abgeflogen. Zuletzt sind sie am 11. November in Slowenien und am 18. November in
der Nähe der Stadt L'Aquila in Italien gesichtet worden. Dann sind zwei der
Vögel verschwunden gewesen.
Einer ist nun tot aufgefunden worden. Röntgenbilder zeigen, dass er
Bleikugeln im Körper hat. Von einem weiteren Tier wird angenommen, dass es das
gleiche Schicksal erlitten hat. Der dritte Waldrapp konnte eingefangen werden,
beim vierten wird dies derzeit versucht. Die beiden überlebenden Vögel sollen zu
ihren Artgenossen in die Toskana gebracht werden. Dort gibt es bereits eine
Kolonie von rund 50 Vögeln.
Ausbildung zum Zugvogel
Diese sind Teil eines Wiederansiedlungsprojekts, in dessen Rahmen sie zu
Zugvögeln "ausgebildet" wurden: Sie lernten unter menschlicher Anleitung und
angeführt von einem Leichtflugzeug, aus Kolonien in Österreich und Bayern in ihr
toskanisches Winterquartier zu fliegen. Die Vögel alleine wären gar nicht in der
Lage, dorthin zu finden. Der Trieb lässt sie zwar ungefähr nach Süden fliegen.
Um zu einem geeigneten Winterquartier zu gelangen, benötigen sie aber die
Begleitung durch einen erfahrenen Artgenossen oder eben die Anleitung von
Wissenschaftlern. Das Projekt hat international Furore gemacht. Fritz muss dabei
aber immer wieder Rückschläge hinnehmen, weil Tiere während der Jagdsaison in
Italien abgeschossen werden. In einem Jahr gingen dadurch sogar 15 Vögel
verloren. (APA, red)